1003 - 2003  - Cirin- Zehren

- Ev.-Luth. Kirchgemeinde Zehren -

Das war die

1000 - Jahrfeier Zehren  - 18. bis 25. Mai 2003

 

Veranstaltungsplan

Sonntag, 18.05.

14.00 Uhr

Eröffnung der 1000-Jahrfeier in Wort und Musik (Michaeliskirche Zehren)

Bewirtung Rüstzeitheim (Außengelände – Kaffe und Kuchen)

Montag, 19.05

18.00 Uhr

Eröffnung der Ausstellung „Zehrener Schul- und Heimatgeschichte“ in der Grundschule Zehren (u.a. mit Bildern von Ulrich Jungermann in der Schule Zehren und Einweihung der sanierten Sporthalle

Montag, 19.05

18.30 Uhr

„90 Jahre Turnverein Zehren“ – Darbietungen der Frauen- und Kindergymnastikgruppe in der Sporthalle Zehren

Montag, 19.05

19.30 Uhr

„Die Frühgeschichte von Zehren und die Anfänge des Kirchenwesens im Meißner Land“ (Prof. Karlheinz Blaschke)

Ort: Michaeliskirche Zehren

Dienstag, 20.05           

18.00 Uhr

Tag der offenen Tür im Geländer der Freiwilligen Ortsfeuerwehr Zehren mit Ausstellung von histroscher und aktueller Technik, Musik und Bewirtung

Mittwoch, 21.05.

19.30 Uhr

„Das Leben und die Lieder des Zehrener Diakons Gottlieb Fuchs“ (1721 –1799)

Gesang: Prof. Gertrud Günther,  Dresden

Cembalo: Rene´ Michael Röder, Waldheim

Sprecher: Burkhard Nitzsche

Ort: Michaeliskirche Zehren

Donnerstag, 22.05.

14.30 Uhr

Seniorennachmittag mit dem Heimatchor Zadel,Kinderprogramm der Grundschule Zehren und der Musikschule Fröhlich und in der Gaststätte „Herr Gevatter“ Wölkisch

 

ca16.30 Uhr

Film „Das kleine und das große Glück“

(gedreht 1953 in Zehren)  Eintritt: 2,00 €

Freitag, 23.05.

19.30 Uhr

„Gerhard Schöne und Musikanten“

  Erwachsene: 14,- €, Schüler/Studenten: 12,- € ,

Familienkarte: 40,- €

Ort: Michaeliskirche Zehren

(unsere Seite: Gerhard-Schöne-Konzert)

 

19.30 Uhr

Tanz und Stimmung mit den „Oberländern“ aus Wilthen im Festzelt auf dem Schulhof,

Eintritt: 6,00 €

Karten unter 035247-51234

Sonnabend, 24.05.

ab 9.00 Uhr

Oldtimertreff auf dem Schloßhof Schieritz (vom alten Fahrrad bis zum Traktor) 

 

 

Sportgelände Schieritz:

 

9.00 Uhr

Einblick in die Reiterei „Von Klassisch bis Western“ Reitvorführung und Kinderreiten auf dem Reitplatz Schieritz

 

10.30 Uhr

Frauenfußball auf dem Sportplatz Schieritz

 

13.00 Uhr

Alte-Herrenturnier auf dem Sportplatz Schieritz

 

 

Festgelände Schule Zehren:

 

14.00 Uhr

Kinderfest im Schulgelände - Kindermodenschau mit dem  Modehaus Vögele in Meißen, Basteln, Spiele u.v.m.

(gestaltet durch die Kindereinrichtungen und die Schule Zehren)

 

16.00 Uhr

Verkaufsmodenschau mit dem Modeexpress No. 1 aus Leipzig

 

19.30 Uhr

Disko und Stimmung mit dem Karnevalsverein

Lommatzsch Eintritt: 3,00 €

Karten unter: 035267-55630 oder 035247-51234

 

22.30 Uhr

Feuerwerk vom Burgberg Zehren

Sonntag, 25.05

9.30 Uhr

Gottesdienst in der Michaeliskirche Zehren

 

10.00 Uhr

Frühschoppen mit tschechischer Blasmusik im Festzelt

„Atze-Feuerwehr“ Großenhain für die kleinen Gäste

Bauernmarkt des Elbeparks Hebelei auf der Alten Leipziger Straße mit Sächsischen Direktvermarktern und Verkauf direkt ab Hof

 

13.00 Uhr

Aufstellung zum Festumzug

 

 

14.00 Uhr

Großer Festumzug „1000 Jahre Zehren“

(Niedermuschützer Straße à Leipziger Straße à Lommatzscher Straße à Am Ketzerbach à  Sportplatz Schieritz)

Ausklang im Festgelände

 

 

Freitag/Sonnabend/Sonntag

Festzelt mit Speisen und Getränken, sowie Schaustellerbetreibe, Kindereisenbahn, Kinderschleife, Verlosung u.v.m auf dem Festgelände im Schulhof Zehren

 

 

Weitere Höhepunkte:

*   Hubschrauberrundflüge

(bei Beteiligung von mindestens 50 Personen)

(Preis: 45,-€ pro Person, nach Vorbestellung unter

035267/55630

24.Mai 2003  9-20 Uhr

25.Mai 2003  9-12 Uhr

*   Ballonfahrten

(1 Fahrt ca. 4-5 Personen, je nach Gewicht)

(Preis 180,- € pro Person, nach Vorbestellung unter

035267/55630

24.Mai 2003 ab 16 Uhr

25.Mai 2003 ab 16 Uhr

Änderungen vorbehalten – Stand:  2.4.2002

 

Rückblick

 

Eröffnung der Festwoche in Wort und Musik

Ev.-Luth. Michaeliskirche Zehren

Sonntag 18.Mai 14.00 Uhr  

 

„Intrade“ (Georg Friedrich Händel)                 Posaunenchor Lommatzsch-

                                                                       Neckanitz-Zehren

 

Begrüßung                                                      Pfarrer Burkhard Nitzsche

Zur Eröffnung unserer 1000-Jahrfeier in Wort und Musik begrüße ich Sie alle ganz herzlich im Namen aller, die diese Woche miteinander vorbereitet haben - hier in unserer Zehrener Michaeliskirche

Begrüßen möchte ich zuallererst Sie, liebe Zehrener, die Menschen, die heute hier leben und die, die hier gelebt haben und sich mit Zehren noch immer verbunden fühlen. Und wenn ich Zehren sage, dann sind alle Ortsteile einbegriffen, denn die Ortsteile haben sich untereinander immer gebraucht und ergänzt.

Wir feiern ein denkwürdiges Jubiläum, über das schon viel gesagt und geschrieben wurde. Ich neige nicht zu pathetischen Formulierungen, aber heute muß ich sagen: Es ist ein großer Tag für die Menschen unseres Ortes und dabei schließe ich mich ein, ein Tag, eine Woche zum Feiern. Ein Tag, eine Woche, die auch viel Mut für die Zukunft geben, denn wer auf viel Geschichte zurückschauen kann, der bekommt auch Hoffnung für die Zukunft.

Besonders begrüßen möchte ich die Gäste, die unserer Einladung gefolgt und in verschiedenster Weise mit unserem Ort verbunden sind.

 

Begrüßen möchte ich

die Regierungsvizepräsidentin Frau Dr. Irmgard Weiß

den Bundestagsabgeordneten Herrn Dr. Dieter Peter Jahr

die Landtagsabgeordnete Frau Karin Strempel

 

Begrüßen möchte ich

unseren Landrat Herrn Arndt Steinbach, der die Schirmherrschaft über diese Festwoche übernommen hat, sowie unseren Superintendenten Andreas Stempel

 

Begrüßen möchte ich die

Oberbürgermeister und Bürgermeister unseres Landkreises

und die ehemaligen Bürgermeister, die in Zehren und den später mit Zehren verbundenen Gemeinden ihr Amt ausgeführt haben

Frau Barbara Dürschke,

Herrn Christian Büttner

Frau Odparlik

Herrn Uwe Klingor

 

Begrüßen möchte ich die Gemeinderäte von Diera-Zehren und die Vertreter der Vereine, Firmen und Institutionen der Gemeinde Diera-Zehren bzw. aller Institutionen, die mit unseren Orten in verschiedensten Beziehungen stehen.

 

Begrüßen möchte ich alle, die bei der Vorbereitung dieses Jubiläums mitgetan haben

in der Arbeitsgemeinschaft Festwoche, für die Ortschronik, die Festwoche und den Festumzug.

 

Begrüßen möchte ich die Pfarrer der Nachbargemeinden und besonders begrüßen möchte ich

Pfarrer Grunert, Pfarrer Rogowski und Pfarrer Drechsler, die sich als frühere Pfarrer von Zehren mit der Gemeinde nach wie vor verbunden fühlen.

 

Schließlich möchte ich alle jene begrüßen, die in dieser Aufzählung noch fehlten, denen es aber wichtig ist, heute hier mit uns zusammen zu sein.

 

Wir haben Sie hier in unsere Zehrener Michaeliskirche eingeladen. Das hat mehrere Gründe.

Zunächst einen ganz praktischen: Es ist der größte Raum in unserem Dorf für so viele Menschen wie heute, der auch eine dem Anlaß angemessene Atmosphäre bietet. Wir brauchen dadurch nur an drei und nicht an sieben Tagen ein Festzelt mieten.

Zum anderen hat es einen inhaltlichen Grund: In der Geschichte von Zehren und seinen Ortsteilen hat die Kirche als äußeres Gebäude wie als innere Heimat in allen Zeitabschnitten eine Bedeutung gehabt. - 250 Jahre allein ist es dieses Gebäude gewesen, in dem wir heute sitzen und davor waren es seine zwei Vorgängerbauten.

Auf den Einladungen, der Plakette, den Plakaten zu unserer Festwoche ist unsere Kirche zu sehen. Sie steht ein Stück für unser Dorf, auch wenn heute in einer wertoffenen Gesellschaft nicht mehr jeder einer Kirche angehört.

Unsere Kirche ist weit sichtbar entlang des Elbtals. Sie steht für die Menschen dieser Orte, die über Jahrhunderte an dieser Stelle zusammengekommen sind: an den Sonn- und Feiertagen nach getaner schwerer Arbeit auf den Feldern oder in den Handwerksfirmen und Fabriken der Umgebung. Hier haben sie miteinander gesungen, gehört und gebetet. Und mancher wird aus Erschöpfung auch eingeschlafen sein. Hier sind die Kinder der Orte getauft worden. Allein im heutigen Kirchengebäude ist das seit 1750 über 12.000 mal geschehen. Über 4000 Paare wurden in dieser Kirche getraut seitdem und über 8000 mal kam man hier zusammen, um einen Menschen aus der Mitte zu Grabe zu tragen. Das heißt: diese Mauern sind voll vom Leben der Menschen unserer Orte.

Diese Kirche steht für die Menschen, die sie erbaut haben – bei weitem nicht ohne Probleme und mit ganz alltäglichen Sorgen - aber beseelt, motiviert von dem Willen: Wir wollen etwas schaffen, was über uns hinausweißt.

 

 

 

Diese Kirche steht schließlich für die Sehnsucht und die Erfahrung einer anderen Welt. Die Mauern dieser Kirche, ihr Turm und ihre Glocken sind so etwas wie die guten Geister des Ortes. Sie sind Einladung, die andere Seite des Lebens zu entdecken.

Sie erheben unsere Augen und Ohren und unsere Seele. Sie mahnen vor Gedankenlosigkeit. Sie trösten in schweren Stunden. Jede Kirche hebt unsere Gedanken aus der Enge der Erde hinauf zur Weite des Urgrunds der Welt, der unser kleines und kurzes Leben umgibt. Dies gilt für alles Persönliche. Dies gilt im Blick auf unser Dorf und unser Land. Und dies gilt im Gedenken an die Welt und alles, was in ihr geschieht.

Die Kirchen, in denen sich schon unsere Väter und Mütter im Glauben versammelt haben, erinnern uns an Gott als das Geheimnis dieser Welt. Sie verhelfen uns dazu, dass wir nicht nur hetzen, irren, eilen, verdienen und verzweifeln, sondern dass wir das Leben atmen können.

 

Seien Sie noch einmal alle herzlich willkommen.

Ich wünsche Ihnen und mir viele gute Entdeckungen und Begegnungen an diesem Tag.

 

"Bourreé Parsons Farwell" Anonym um 1650                Katharina Kreutz (Blockflöte)

"Gigue Cannary" aus The Art of Dancing, 1735             Jan Dehmelt (Schlagwerk)


 

Festansprache des Bürgermeisters                             Herr Friedmar Haufe

Liebe Einwohner von Zehren, liebe Bürgerinnen und Bürger der anderen Ortsteile, sehr geehrte Gäste,

 

Als Bürgermeister der Gemeinde Diera-Zehren freue mich sehr, Sie heute im Namen des Gemeinderates zur Eröffnung der 1000 Jahrfeier in Zehren begrüßen zu können.

Dank sage ich an Herrn Pfarrer Nitzsche und seiner Kirchgemeinde für die Möglichkeit, dass diese festliche Veranstaltung in der Michaelis-Kirche stattfinden kann. Vielen Dank auch an alle Mitwirkenden bei der Programmausgestaltung.

 

Besonders herzlich willkommen heißen möchte ich unsere Ehrengäste und die ehemaligen Zehrener, die angereist sind, um ihre alte Heimat wieder einmal zu erleben und sie wieder zu entdecken.

 

Ich wünsche Ihnen viel Freude und schöne Stunden.

 

Das Alter des Ortes Zehren konnte nach einer zufälligen Erwähnung wegen kriegerischer Auseinandersetzungen unterhalb des Burgwartes Cirin ermittelt werden. Es war Dietmar, Bischoff von Merseburg, der dieses Ereignis im Jahre 1003 in seiner Chronik festgehalten hat.

 

Einzelheiten erfahren Sie aus der von einer Gruppe interessierter Zehrener erarbeiteten Chronik und aus dem Vortrag, den Herr Prof. Blaschke am Montag hält. Die urkundliche Ersterwähnung von Zehren aus dem Jahre 1268 ist nur ein Beweis für die Existenz dieses Ortes. Wir berufen uns aber auf die Ersterwähnung der Burg Cirin, denn das ist der Ursprung der Entwicklung zum heutigen Zehren. Aus dieser Logik heraus fasste der Gemeinderat den Beschluss, das 1000-jährige Bestehen des Ortes Zehren in würdiger Form 2003 mit einer Festwoche zu feiern.

 

An der Vorbereitung und Gestaltung der Festwoche, die wir heute eröffnen haben viele Bürgerinnen und Bürger in ihrer Freizeit mitgewirkt. Ihnen allen möchte ich sehr herzlich Danke sagen. An dieser Stelle auch herzlichen Dank für die vielen Spenden, die unsere Festwoche unterstützen.

 

Pünktlich zum Jubiläum erschien, wie schon erwähnt, die Ortschronik Zehren.

Den Autoren und allen Beteiligten unsere Achtung und Anerkennung.

 

Der Inhalt und die Gestaltung des Buches zeigen uns, mit welcher Liebe und mit welchem Fleiß die Beteiligten daran gearbeitet haben. In dieser Chronik können Sie sehr viel über die Geschichte des Ortes und darüber hinaus über diese Region nachlesen.

Sie werden entdecken, mit wieviel Fleiß und Ehrgeiz die Menschen immer an ihrer Existenz arbeiteten und auch nach Rückschlägen immer wieder den Mut aufbrachten, weiter zu machen.

 

Gestatten Sie mir, gerade zu einem solchen Jubiläum, einige kurze Bemerkungen zur Entwicklung nach entscheidenden Wendepunkten im erst vor kurzem vergangenen 20. Jahrhundert.

 

Der erste Weltkrieg mit vielen Gefallenen brachte große Nöte. Schwer war die Zeit der Inflation. Viele Opfer forderte die nationalsozialistische Zeit mit dem folgenden 2. Weltkrieg.  Wieder kamen viele Väter und Söhne nicht zurück und blieben auf dem sogenannten „Feld der Ehre“. Trotz aller Trauer, Zerstörung und Hunger wurde wieder aufgebaut. Nun gab es zwar für alle Arbeit aber für das verdiente Geld gab es oft nicht das, was sich der Mensch erhoffte. Wohneigentum war annähernd wertlos, dessen Erhaltung durch Mangel an Baumaterial und volkswirtschaftliche Bilanzierung äußerst schwierig. Die Folgen sind immer noch sichtbar.

 

Aber es entwickelte sich auch Gutes. Die sprichwörtliche Redlichkeit der Sachsen kam zum Tragen und Betriebe, wie die Schiffswerft, die Raumkunst, die Ofenfabrik und die Kreidefabrik und nicht zuletzt, die große Bullenmastanlage in Obermuschütz gaben vielen Arbeit und Brot.

Das alles waren Zeichen der Aufwärtsentwicklung dieser Region.

Deshalb konnte bereits Anfang der 70er Jahre ein neues Schulgebäude mit

einer dazugehörigen Turnhalle und moderne Wohnhäuser in Schieritz gebaut werden.

 

Ein weiterer Schnittpunkt neben den Weltkriegen in der Geschichte der dörflichen Entwicklung war die Wende,  neben aller Freiheit, die wir endlich erleben konnten, war vieles schmerzlich für alle hier lebenden und

arbeitenden Bürger. Es musste mit angesehen werden, wie ein Betrieb nach dem anderen schließen musste, wie Menschen ihre Arbeitsplätze verloren und damit auch viel Hoffnung auf eine weitere erfolgreiche Entwicklung.

 

Wenn wir uns jetzt umschauen, sehen wir, dass wieder Betriebe ansässig wurden und neue, wenn auch in bescheidenem Umfang, dazukommen.

 

Diese reichen aber noch lange nicht aus, um genügend Arbeitsplätze zu schaffen und unsere Jugend damit hierzubehalten. Trotzdem, Dank des Fleißes der hier Ansässigen sieht man an den Fassaden der Häuser mehr Farbe, schönere Dächer und viele Blumen an Balkonen und in den Gärten. Auch die kommunalen Belange, wie Straßen und Wege haben sich Dank großzügiger Staatszuschüsse verbessert, wenn auch durch die Jahrhundertflut vieles nun wieder erneuert werden muss.

Dazu wurden uns besonders viele hilfreiche Hände gereicht, für die wir sehr dankbar sind.

 

Ich glaube, dass sollte uns allen Mut machen, wir sollten bei allen Schwierig-

keiten nicht aufhören, unser zu Hause und ich meine damit nicht nur unsere

Wohnung, unser Haus sondern unsere gesamte Umgebung erlebnisreicher zu gestalten. Dazu wünsche ich uns allen viel Zuversicht, Mut und Erfolg.

 

Ich hoffe, dass alle Zehrener und die vielen Besucher Freude an den nächsten Veranstaltungen haben werden und das wir bei bestem Wetter am kommenden Sonntag den Festumzug als Höhepunkt und Abschluss der Festwoche erleben können. Ich bin sicher, die Festwoche wird dazu beitragen, die dörfliche Gemeinsamkeit weiter zu festigen.

 

Uns allen eine frohe Festwoche.

 

„Großer Gott, wir loben dich“                                    Orgel / Festgemeinde

Evangelisches Gesangbuch 331, 1.3.11

 

 

1. Großer Gott, wir loben dich.

Herr, wir preisen deine Stärke.

vor dir neigt die Erde sich

und bewundert deine Werke.

wie du warst vor aller Zeit,

so bleibst du in Ewigkeit.

 

3. Heilig, Herr Gott Zebaoth!

Heilig, Herr der Himmelsheere!

Starker Helfer in der Not!

Himmel, Erde, Luft und Meere

sind erfüllt von deinem Ruhm;

alles ist dein Eigentum.

11. Herr, erbarm, erbarme dich.

Laß uns deine Güte schauen;

deine Treue zeige sich,

wie wir fest auf dich vertrauen.

Auf dich hoffen wir allein:

laß uns nicht verloren sein.

Text: Ignaz Franz 1768 nach dem »Te Deum laudamus« 4. Jh.

Melodie: Lüneburg 1668, Wien um 1776, Leipzig 1819

 

Grußwort des Schirmherrn                             Landrat Arndt Steinbach

 

Liebe Einwohnerinnen und Einwohner, liebe Gäste,

 

Zehren wird 1000 Jahre alt. Zum Geburtstag dieser wunderschönen Ortschaft  überbringe ich Ihnen die herzlichsten Grüße und Glückwünsche unseres Landkreises Meißen.

 

Es ist eine besondere Ehre für uns, dass Frau Regierungsvizepräsidentin Dr. Irmgard Weiß aus Dresden zu uns gekommen ist. Frau Dr. Weiß hat uns von starken Regenfällen in der Landeshauptstadt berichtet. Wenn wir aus dem Fenster sehen, können wir erkennen, dass das Stichwort „Wenn Engel reisen, lacht der Himmel“ stimmt.

 

Ich freue mich sehr, dass Frau Landtagsabgeordnete Karin Strempel als Ehrengast unter uns weilt. Frau Strempel setzt sich seit 13 Jahren intensiv für die Förderung von Zehren ein, dafür möchten wir alle uns ganz herzlich bedanken.

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren, heute und in den nächsten Tagen werden sich viele Menschen von nah und fern auf den Weg nach Zehren machen, um zu gratulieren und gemeinsam mit Ihnen dieses Jubiläum zu feiern. Sie alle erwartet ein interessantes, abwechslungsreiches Programm.

 

Es ist ein schönes Zeichen der Heimatverbundenheit, dass sich viele Einwohnerinnen und Einwohner von Zehren an den Vorbereitungen für das Fest beteiligten.

 

Das Gemeinschaftsleben der Zehrener hat es im vergangenen Jahr vermocht, auch mit schwierigen und dramatischen Situationen fertigzuwerden. Durch das Hochwasser wurden zahlreiche Wohnhäuser und andere Gebäude beschädigt. Menschen mussten evakuiert werden, Wasser und Strom fielen zeitweise aus. Die Kindertagesstätte „Sonnenschein“ wurde ein Opfer der Flut.

 

Noch heute haben wir mit den Folgen der Naturkatastrophe zu kämpfen. Aber man sieht: Zehren ist längst wieder aufgetaucht. Darauf lässt sich die Zuversicht gründen, dass auch die bevorstehenden Herausforderungen nicht unüberwindbar sind.

 

Ich freue mich über die Geschlossenheit der Bürger, die den Zusammenhalt belegt und optimistisch stimmt.

 

Zehren hat sich über Jahrhunderte seinen liebenswerten Charakter bewahrt. Erfreulicherweise kann man den Ort jetzt auch von Meißen aus auf dem neuen Radweg erreichen, was hoffentlich noch mehr Touristen anlockt.

 

Vor 1000 Jahren soll Polenherzog Boleslaw Chrobry hier sein Heer gesammelt haben, um die Region zu verwüsten. Wir hätten nichts dagegen, wenn sich heute an dieser Stelle Heerscharen von Besuchern sammeln würden, sofern sie von Verwüstungen Abstand nehmen. 

 

Ein Besuch in Zehren lohnt sich, davon konnten wir auch anlässlich des großen Anradelns am 27. April überzeugen. Es gab sehr viel Lob für Ihren Ort - auch seitens der angereisten Ehrengäste.

 

Liebe Einwohnerinnen und Einwohner, abschließend darf ich Ihnen anlässlich dieses Jubiläums weiterhin viel Erfolg und alles Gute wünschen. Ihnen und Ihren Gästen wünsche ich eine fröhliche, unbeschwerte Geburtstagsfeier.

 

„Allemande“ (Johann Hermann Schein)            Posaunenchor Lommatzsch-

                                                                       Neckanitz-Zehren

 

Grußwort des Superintendenten                                 Superintendent Andreas Stempel

 

Verehrte Festversammlung, sehr geehrter Herr Bürgermeister Haufe, lieber Pfarrer

Nitzsche, werte Ehrengäste,

 

 

Wenn der Superintendent vor 300 Jahren nach Zehren kam, war das einen Vermerk in der Chronik wert. Der Verantwortungsbereich des Meißner Superintendenten erstreckt sich über viele evangelisch-lutherische Kirchgemeinden in Meißen und im Meißner Land. Zehren gehört seit alter Zeit auch dazu. Als mich Ihr Pfarrer, liebe Zehrener, bat, zu dieser Festveranstaltung ein Grußwort zu sagen, nahm ich das gern an. Er fügte seiner Einladung hinzu: "Es soll schon ein geistliches Wort sein." Ein geistliches Wort in der Kirche, natürlich, aber vor einer Festversammlung wie dieser, zu der Bürgerinnen und Bürger unterschiedlichster Lebensauffassung gekommen sind? Warum nicht. Im Jahr der Bibel lohnt es sich allemal, in diesem für die zurückliegenden 1000 Jahre so wichtigen Buch nachzulesen. Ich suchte, und fand schließlich einen Abschnitt aus dem Buch der Psalmen, Psalm 90. Es handelt sich um ein mehr als zweieinhalbtausend Jahre altes Gedicht, dem legendären Volksführer Altisraels, Mose, zugeschrieben. Ich lese die Verse 1-4:

Herr, du bist unsere Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Der du die Menschen lässest sterben und sprichst: Kommt wieder Menschenkinder! Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache.

1000 Jahre wie ein Tag und eine Nacht. Das sind die Dimensionen des Gottes des Lebens, der von "Ewigkeit zu Ewigkeit" da ist und wirkt. Menschen zu allen Zeiten hatten eine Vorstellung von der Kürze ihres Lebens angesichts des Laufes der Zeiten. Und sie ahnten etwas von der Gewalt der Kräfte, die offenbar zeitlos sind. Die Slawen, die hier in Zehren einst siedelten verehrten gute und böse Götter, wie schon ihre Vorgänger, die Elbgermanen. Die christliche Mission vor 1000 Jahren nahm den Einheimischen die Sorge vor den unberechenbaren Göttern. Sie brachte eine Verbindung mit der damals schon jahrtausendealten jüdisch-christlichen Kultur. Damit verband sich die Auffassung von dem einen Schöpfergott, der durch Menschen nicht handhabbar ist, der jenseits alles Geschaffenen lebt und in dieser Welt wirkt. Dieser Gott wendet sich den Menschen in Jesus Christus freundlich zu. Viel Mühe haben die Missionare auf sich genommen, etwa die Mönche von St. Afra in Meißen, die in früher Zeit die Kapelle in Zehren mit zu versorgen hatten. Für ihren Weg nach Zehren brauchten sie anderthalb Stunden. Später bekam dann die Kirchgemeinde einen eigenen Pfarrer, noch später einen Diakon und Lehrer. Die Reformation entdeckte den Gott der Freiheit im christlichen Glauben wieder.

Heute ist unser Leben so angefüllt und vielfältig, die Möglichkeiten der Menschen sind so groß wie nie zuvor. Es bleibt wenig Zeit für den Blick hinter die Kulissen unseres Lebens, wenig Zeit zur Besinnung. Manchmal kommen wir doch zur Ruhe, etwa wenn ein Mensch stirbt und wir von Ihm Abschied nehmen. Es kommt vor, daß dann die Worte des Psalm 90 gesprochen werden. Zum Glück sind es nicht nur Bestattungen, bei denen wir zu Ruhe und Besinnung kommen können. Wir feiern Geburtstage und Jubiläen. In dieser Kirche besteht zu Festtagen, ja an jedem Sonntag die Möglichkeit, Abstand von der Hektik des Lebens zu gewinnen.

Auch eine Tausendjahrfeier lädt dazu ein. Das, was unsere Vorfahren ertragen und geschaffen haben, verdient unseren Respekt. Wir hörten vorhin, was alles in den zurückliegenden Jahren in Zehren neu geworden ist. Doch der Rückblick auf 1000 Jahre Geschichte dieses Ortes öffnet auch den Blick für den großen Zusammenhang, in dem unser Leben steht. "Ehe denn die Berge und die Erde und die Welt geschaffen wurden", war er da, der Schöpfergott, die Zuflucht und der Zielpunkt allen Denkens. Unsere Möglichkeiten, etwa Planeten wie den Mars zu erkunden, versperren uns zuweilen den Blick auf das Ganze. Ein deutscher Physiker des 20. Jahrhunderts bemerkte einmal: "Gott steht für den Gläubigen am Anfang, für den Physiker am Ende allen Denkens." Kräfte zur Neubesinnung und Neuorientierung können wir aus dem großen Blickwinkel und der Begegnung mit dem Gott, der von Ewigkeit zu Ewigkeit wirkt, gewinnen.

Übrigens: Welche Organisation ist eigentlich die älteste hier in Zehren? Es ist die Kirchgemeinde. Sie bestand schon zur Zeit der ersten urkundlichen Erwähnung vor 1000 Jahren. Sie lebt auch heute und verweist auf den Gott, der "unsere Zuflucht" bleibt, "für und für". Sie versucht die Werte, die sich aus der Erkenntnis dieses Gottes ergeben, zu vermitteln und weiterzugeben. Ich wünsche Ihnen allen ein gutes Gelingen der Festwoche zur 1000- Jahr-Feier Ihres Ortes. Bestimmt gibt sie Ihnen in unterschiedlicher Weise Gelegenheit zu neuen Blickwinkeln und Einsichten.

 

„Die Gott lieben werden sein wie die Sonne“              Kirchenchor Zehren

 

 

/: Die Gott lieben, werden sein wie die Sonne, / die aufgeht in ihrer Pracht. :/

1. Noch verbirgt die Dunkelheit das Licht  / und noch sehen wir die Sonne nicht.

doch  schon zieht ein neuer Tag herauf  / und das Licht des Morgens leuchtet auf.

2. Viele Tränen werden noch geweint / und der Mensch ist noch des Menschen Feind.

Doch weil Jesus für die Feinde starb, / hoffen wir, weil er uns Hoffnung gab.

3. Krieg und Terror sind noch nicht gebannt / und das Unrecht nimmt noch überhand.

Doch der Tag, er steht schon vor der Tür. / Herr, du kommst, wir danken dir dafür.

4. Noch verbirgt die Dunkelheit das Licht, / und noch sehen wir den Himmel nicht.

Doch die Zeit der Schmerzen wird vergehn / und dann werden wir den Vater sehn.

 

Grußwort des Regierungspräsidium                Regierungsvizepräsidentin

                                                                       Dr. Irmgard Weiß

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Haufe,

sehr geehrte Ehrengäste,

sehr verehrte liebe Einwohner und Gäste des Dorfes Zehren,

 

ich möchte mich sehr herzlich für die Einladung zur heutigen Festveranstaltung bedanken und Ihnen zu diesem besonderen Jubiläum die herzlichsten Glückwünsche des Regierungspräsidiums Dresden überbringen.

 

Die erste urkundliche Erwähnung der Ortschaft Zehren in der heutigen Gemeinde Diera-Zehren erfolgte im Jahre 1003 als slawischer Ort Cirin.

 

Ein Jahrtausend Geschichte! – Eine nur schwer vorstellbare Zeitspanne.

 

Doch wenn bereits seit 1.000 Jahren Menschen hier siedeln, muss ja etwas Besonderes an diesem Fleckchen Elbtal sein! Und wenn ich mich in der Gemeinde so umschaue, kann ich verstehen, dass die Menschen hier trotz der in ihrer tausendjährigen Geschichte immer wieder aufgetretenen Notzeiten ihren Heimatort nicht aufgegeben haben. Sicher war für die Menschen in früherer Zeit weniger die reizvolle Elbtallandschaft von Bedeutung, ausschlaggebend war der Fluss als Nahrungsquelle, Grundlage für den Handel und kleine Gewerbe. Und da der Fluss ein durchaus launischer Partner war, waren es sicher nicht zuletzt auch einfach die Heimatverbundenheit und das Vertrauen in die Zukunft, die die Menschen bewogen haben, allen Widrigkeiten zu trotzen.

 

Dass sich diese Gaben auch bei den heutigen Bewohnern noch erhalten haben, davon kann sich jeder überzeugen. Das Augusthochwasser des letzten Jahres war Ihnen nach dem ersten Schock Anlass, den Wiederaufbau unverzüglich in Angriff zunehmen und voranzubringen, so dass für Gäste die katastrophalen Folgen der Flut äußerlich kaum noch wahrnehmbar sind.

Dabei wurde der Gemeinde Diera-Zehren bisher eine Gesamtschadenssumme von rund 5 Mio. € bestätigt. Dahinter steht eine Vielzahl von Baumaßnahmen, die zum Teil bereits begonnen wurden, zum Teil noch anstehen. In jedem Fall erfordert die Beseitigung der Flutschäden noch erhebliche Anstrengungen der Verwaltung und auch der Bürger.

 

Doch der Wiederaufbau nach dem Hochwasser ist ein zwar anstrengendes aber – glücklicherweise - nur temporäres Geschäft.

Die Gemeinde behält bei allem „Wiederaufbaustress“ auch jene Projekte im Auge, die bereits seit der Wiedervereinigung Deutschlands in einer für jedermann sichtbaren Weise eine positive Entwicklung erfahren haben. Die damals noch selbstständige Gemeinde Zehren hat die Chancen, die sich ergaben, schnell erkannt und die Fördermöglichkeiten genutzt.

Gerade die Elblandschaft ist hier ein Pfund, mit dem sich wuchern lässt. Und dass man sich auch Gedanken um die Zukunft macht, zeigen die Pläne für eine touristische Entwicklung des Ortes. Rad- und Wanderwege bieten sich in dieser landschaftlich reizvollen, abwechslungsreichen Landschaft des Meißner Elbtales an. Von unserem Hause wurden bereits der Ausbau und die Gestaltung einer Vielzahl von Wanderwegen finanziell unterstützt, die zunehmend auch überregional bekannt werden und Gäste anziehen.

 

Ideenreichtum, Tatkraft und Beharrlichkeit und nicht zuletzt eine enge Zusammenarbeit zwischen den kommunalen und staatlichen Behörden sind auch weiterhin notwendig, um für die Gemeinde wichtige Projekte realisieren zu können. Wir werden im Rahmen unserer Möglichkeiten auch zukünftig dazu beitragen, die positiven Entwicklungsansätze in der Gemeinde weiter auszubauen und den Menschen im Ort tragfähige Perspektiven zu schaffen.

 

Allen, die durch Ihr persönliches Engagement zu der Erfolgsbilanz beigetragen haben, die dafür gesorgt haben, dass sich die Zehrener Bürger und Ihre Gäste in dieser Gemeinde wohlfühlen können, sei herzlich gedankt. Ich bin überzeugt, dass sich Diera-Zehren auf dem Erreichten nicht ausruhen, sondern dass sich die Bürger gemeinsam mit ihren kommunalen Vertretern mit Engagement den neuen Herausforderungen stellen werden.

 

Die Festwoche und insbesondere der heutige Tag bieten Grund zur Freude und zum Feiern. Der Ortschaft Zehren in der Gemeinde Diera-Zehren wünsche ich weiterhin ein gutes Gedeihen als lebendiges, von den Bürgern getragenes Gemeinwesen.

 

Ihnen meine sehr verehrten Damen und Herren, und allen Bürgern und Gästen der Gemeinde wünsche ich frohe Jubiläumsfeierlichkeiten, aus der Sie Kraft für die Bewältigung der vielfältigen Probleme unseres Alltags schöpfen können.      

 

2. Satz - Allegro aus Sonate No. 1, e-Moll                   Christiane Hänsel (Querflöte)

(Georg Friedrich Händel)                                              Katarzyna Heber (Klavier)

 

 

Grußwort Bundestagsabgeordneter                             Dr. Dieter Peter Jahr

 

„Eins ist Not! Ach Herr, diese eine“ BWV 453              Nikolaus Nitzsche (Sopran)

(Joh. Heinr. Schröder 1695, Joh. Seb. Bach)                  Dresdner Kreuzchor

 

1. Eins ist not! Ach Herr, dies Eine

lehre mich erkennen doch;

alles andre, wies auch scheine,

ist ja nur ein schweres Joch,

darunter das Herze dich naget und plaget

und dennoch kein

wahres Vergnügen erjaget.

Erlang ich dies Eine, das alles ersetzt,

so wird ich mit einem in allem ergötzt.

 

2. Seele, willst du dieses finden, /suchs bei keiner Kreatur;

laß, was irdisch ist, dahinten, / schwing ich über die Natur,

wo Gott und die Menschheit in Einem vereinet, /wo alle vollkommene Füller erscheinet,

da, da ist das beste, notwendige Teil, / mein Ein und mein Alles, mein seligstes Heil.

 

Grußwort Landtagsabgeordnete                                  Frau Karin Strempel

                                              

Präludium und Courante                                            Anne-Kristin Fischer (Violoncello)

aus der Suite d-moll Joh. Seb. Bach                  

 

Grußworte ehemaliger Bürgermeister                        

 

„Wie lieblich ist der Maien“                                       Kirchenchor Zehren

 

Fürbittgebet

 

 

Pfr. Drechsler

- Einladung zum Gebet -

Pfr. Grunert

Gott des Himmels und der Erde,

wir schauen zurück auf 1000 Jahre, in denen Menschen

hier in unserem Ort lebten:

Pfr. Rogowsky

Menschen, die als Slawen schon hier lebten, ohne daß sie Christen waren.

Menschen, die den christlichen Glauben hierher brachten.

Menschen, die sich miteinander verständigen mußten über ihren Glauben und ihre Traditionen.

Menschen, die auf lange Zeit hier ansässig waren und

Menschen, für die dieser Ort eine Durchgangsstation ihres Lebens war,

Menschen, die miteinander Höhen und Tiefen durchlebten.

Pfr. Drechsler

Du, Gott, bist immer mitten drin gewesen in dieser Geschichte,

in den Jahrhunderten zähen Ringens um das tägliche Überleben,

in den Jahrhunderten mit Kriegen und Gewaltherrschaft,

in den Jahrhunderten von Frieden und wachsendem Wohlstand.

Pfr. Grunert

Wir danken dir, es immer Menschen gab,

die sich für das gute Miteinander, für Versöhnung und Verständigung einsetzen,

Wir danken dir für alle Menschen, die ihre Kraft für das Wohl aller eingesetzt haben:

Pfr. Rogowsky

Für die Mütter, die ihre Kinder erzogen haben,

für die Väter, die ihre Familien versorgt haben,

für alle, die mit ihrer Hände Werk dieses Dorf und seine Landschaft gepflegt und entwickelt haben, Bauern, Winzer, Fischer, Steinbrucharbeitern, Schiffer und Handwerker,

für die Lehrer, Pfarrer und Erzieher und alle, die sich um heranwachsende Menschen bemüht haben,

für alle, die Verantwortung getragen haben: Grundherren und Gerichtsherren, Gemeindeälteste und Richter, Bürgermeister und Gemeindevorsteher,

Ärzte und Politiker.

Pfr. Drechsler

Wir bitten dich für alle, die sich heute für das Wohl aller einsetzen.

Wir bitten dich für das Miteinander der Menschen hier in unserem Dorf und unserem Land.

Pfr. Grunert

Wir bitten dich für alle ehrlichen Bemühungen

um eine lebensfähige und menschliche Gesellschaft.

Pfr. Rogowsky

Wir bitten dich um wechselseitiges Vertrauen und Solidarität überall,

wo Menschen zusammen leben und arbeiten,

um Ehrlichkeit im Geschäftsleben,

um gute Arbeitsbedingungen und gerechten Lohn

Pfr. Drechsler

Wir bitten dich für die Zukunft dieses Ortes, seiner Menschen und für die Zukunft dieses Landes

Hilf uns allen, in Gerechtigkeit und Frieden miteinander zu leben

und dankbar anzunehmen, was uns geschenkt und anvertraut ist.

Pfr. Drechsler

Alles Gesagte und Ungesagte schließen wir ein in das Gebet,

das uns mit Christen in der ganzen Welt verbindet.

Alle

Vater Unser

 

„Nun danket alle Gott“                                               Orgel / Festgemeinde

Evangelisches Gesangbuch  321, 1-3

 

1. Nun danket alle Gott

mit Herzen Mund und Händen,

der große Dinge tut

an uns und allen Enden,

der uns von Mutterleib

und Kindesbeinen an

unzählig viel zu gut

bis hierher hat getan.

 

2. Der ewigreiche Gott

woll uns bei unserm Leben

ein immer fröhlich Herz

und edlen Frieden geben

und uns in seiner Gnad

erhalten fort und fort

und uns aus aller Not

erlösen hier und dort.

3. Lob, Ehr und Preis sei Gott

dem Vater und dem Sohne

und Gott dem Heilgen Geist

im höchsten Himmelsthrone,

ihm, dem dreiein'gen Gott,

wie es im Anfang war

und ist und bleiben wird

so jetzt und immerdar.

 

Text und Melodie:

Martin Rinckart (um 1630) 1636

 

 

Ansagen zum weiteren Verlauf                                   Pfarrer Burkhard Nitzsche

 

Vielen Dank für alle guten Worte und Wünsche. Herzlichen Dank auch noch einmal allen, die diese Eröffnung der Festwoche vorbereitet und insbesondere musikalisch gestaltet haben.

 

Mancher ist es gewohnt, wenn er in einer Kirche ist, etwas am Ausgang in die Kollektenbüchse einzulegen. Wenn es Ihnen heute hier gefallen hat, dann können Sie das gerne tun. Wir freuen uns darüber. Das Geld das dort eingelegt wird, ist für die Außeninstandsetzung unserer Kirche bestimmt. Gerne hätte ich  Ihnen heute schon gesagt, daß der zweite Teil der Außensanierung also Kirchendach und Kirchenschiff in diesem Jahr mit Bestimmtheit kommt, denn so hatten wir uns das gedacht, daß die Außensanierung unserer Kirche in diesem Jahr zum Abschluß kommt. Aber ganz so weit ist es noch nicht. Die Mittel unserer Landeskirche sind uns zugesagt, auf den Zuwendungsbescheid des Regierungspräsidiums warten wir momentan noch. Wir hoffen, daß er als positiver Bescheid kommt.

 

Der heutige Tag bietet viele Gelegenheiten zu Begegnungen und Gesprächen. Deshalb laden wir Sie alle herzlich ein. Wir haben im Gelände des Rüstzeitheims Platz geschaffen,  Kaffee und Kuchen stehen bereit – bei weitem nicht nur für die namentlich eingeladenen Gäste. Rücken sie etwas zusammen, weißen Sie sich gegenseitig hin, wo noch Plätze frei sind. Wir sind keine Gaststätte, aber sicher ein Ort an dem man sich wohlfühlen kann. Es wäre schade, wenn jemand geht, der eigentlich  noch mit manchem reden wollte. Also nehmen Sie dieses Angebot bitte gern wahr.

 

Wir bedanken uns bei allen musikalisch Mitwirkenden:

Musikschule des Landkreises Meißen

Posaunenchor der Kirchgemeinden Lommatzsch-Neckanitz-Dörschnitz-Zehren

Kirchenchor Zehren

 

 

 

Interview

Geld brauchte niemand

Sächsische Zeitung (Kultur ), 14.05.2003

1000 Jahre Zehren – Auskünfte von Historiker Karlheinz Blaschke

Vom 8. bis 25. Mai begeht Zehren bei Meißen seine 1000-Jahrfeier. Im Jahr 1003 erstmalig erwähnt, war der Ort ein Vorposten der deutschen Kolonisierung im Elbland. Die SZ sprach dazu mit Prof. Karlheinz Blaschke, dem führenden sächsischen Regionalhistoriker.

Welche geschichtliche Bedeutung messen Sie Zehren bei?

Um das Jahr 1000 gab es etwa 1000 slawische Dörfer in Sachsen, Zehren war eines davon. Die Ersterwähnung als cirin castellum deutet auf eine militärische Anlage in der ganz frühen Zeit der deutschen Herrschaft. Die Deutschen waren damals, um es mit einem modernen Begriff zu sagen, Besatzungsmacht. Die Elbe war eine Art Ostgrenze für das deutsche Königtum, das 929 die Reichsburg Meißen errichtet hatte. Zehren gehörte zum System von Burgen, die sich entlang des Flusses befanden.

Also gab es vor 1000 Jahren in Zehren noch keine deutsche Bevölkerung?

Nein, es war eine rein slawische Siedlung mit einer deutschen Burg, auf der es eine kleine Schar von deutschen Kriegern gab. Die slawischen Bauern in den umliegenden Dörfern, dem so genannten Burgward, hatten die Aufgabe, sie zu verpflegen und Baudienste zu leisten. Dass Zehren im berühmten Bericht des Bischofs Dietmar von Merseburg genannt worden ist, ist reiner Zufall, weil es gerade militärische Auseinandersetzungen zwischen dem Polenherzog Boleslaw Chrobry und dem deutschen König Heinrich II. um die Vorherrschaft in dem Gebiet gab.

Wann begann die Kolonisierung durch deutsche Bauern, und wann setzte die Christianisierung ein?

Die Kolonisierung begann etwa um 1100, die Christianisierung setzte früher ein. Der deutsche König Otto I. fühlte sich als Christ verpflichtet, die von ihm beherrschten Slawen zu bekehren. Deshalb ließ er 968 das Bistum Meißen und in den Burgwarden Kirchen errichten, Ur-Pfarreien entstanden. Das ist auch für Zehren entscheidend gewesen. Es übernahm neben der militärischen auch eine geistliche Mittelpunktfunktion.

Wie ging die Christianisierung vor sich, gab es ein Zwangssystem?

Das weiß niemand, weil es niemand aufgeschrieben hat. Sicher ist, dass die deutschen Priester ihre Unterweisungen in slawischer Sprache abhielten. Natürlich hatten die Slawen ihre eigene Religion. Sie verehrten etwa Quellen und heilige Haine. Diese sorbische Naturreligion wurde allmählich durch die Botschaft, dass es einen Gott gibt, überlagert.

Wie muss man sich die Kolonisation vorstellen, als Vertreibung oder als Vermischung der Völker?

In der Frühzeit war die sorbische Bevölkerung in der Überzahl, Ortsnamen wie Naundorf bei Zehren – das beutet „im neuen Dorf“ und ist eine deutsche Gründung – beweisen, dass es ein Nebeneinander von Slawen und Deutschen gab.

Das lässt auf Klugheit der Besatzer schließen, nicht nur mit Feuer und Schwert vorzugehen.

Feuer und Schwert – das ist eine überholte Auffassung: Die Feudalordnung beruhte auf dem Besitz von Grund und Boden, das war der einzige Reichtum, Geld gab es nicht, es brauchte niemand. Ein Grundherr hat sich seinen Bauern gegenüber so verhalten, dass sie ihre laufenden Verpflichtungen erfüllen konnten. Das war die Grundlage der Machtausübung.

Die Priester, Ritter und Grundherren waren von deutscher Seite die Kulturträger, gab es daneben aber nicht auch eine sorbische Volkskultur?

Natürlich, die Herstellung und Verzierung von Keramikgefäßen ist Kultur. Zur sorbischen Volkskultur kamen mit den Deutschen die Schriftkultur, der religiöse Kunstgesang, Kunstgegenstände.

Ist es nicht so, dass wir noch heute von der um 1000 entstandenen Siedlungsstruktur leben?

Die Sorben siedelten in klimatisch günstigen Tallagen unter 200 Meter Höhe mit fruchtbarem Lössboden, der sich mit dem hölzernen Hakenpflug bearbeiten ließ. Erst die Deutschen mit ihrem eisernen Wendepflug waren in der Lage die Gebirgsregionen zu besiedeln, weshalb dort ausschließlich deutsche Ortsgründungen zu finden sind.

Welche Rolle spielte der Landadel, wie die Zehrener von Schleinitz?

Seit etwa 1500 gibt es den landadligen Rittergutsbesitzer, der Getreideanbau und Schafzucht betreibt. Es entstehen frühkapitalistische Betriebe. Kulturtragend war der Landadel insofern, als er gebildet war und für sein Seelenheil Altäre, Kirchen und Klöster stiftete. Auf diese Weise ist Kultur entstanden.

Interview: Udo Lemke

 

Sächsische Zeitung
Donnerstag, 22. Mai 2003

Zehren hatte einst zentrale Bedeutung für die Gegend
165 Besucher bei Vortrag über Geschichte des Ortes
Von Christin Bahnert

 

„Das Besondere an Zehren ist, dass es schon früh schriftlich erwähnt wurde und somit nachweisbar 1 000 Jahre alt ist,“ sagt der Historiker Karlheinz Blaschke. Denn Orte, die genauso alt sind, deren Existenz aber erst später festgehalten wurde, gibt es in dieser Gegend einige. Blaschke referierte am Montag im Rahmen der Festwoche „1 000 Jahre Zehren“ über die Frühgeschichte des Ortes und die Anfänge des Kirchenwesens im Meißner Land.

Bischof Thietmar von Merseburg erwähnte 1 003 in seiner Chronik erstmals den Ort Cirin. „Der Ort hieß aber sicher schon immer Zehren, nur die Rechtschreibung variierte damals noch stark,“ bemerkte Blaschke. Schon um 600 kamen Sorben aus Böhmen in diese Gegend. Sie siedelten an Wasserläufen und Quellen. Viele Orte wurden nach den Namen der Oberhäupter der Familien benannt oder Gegebenheiten aus der Natur angelehnt. „Zehren“ bedeutet wahrscheinlich „Siedlung an felsiger Stelle“. Schon spätestens im 9. Jahrhundert errichteten die Sorben zur Verteidigung einen Wall über den Elbhängen. Blascke erklärte, dass Zehren ein wichtiger Punkt war, weil hier der Ketzerbach in die Elbe mündet. Der Bach lud dazu ein, an seinen Ufern entlang das Lommatzscher Land zu erschließen. Zu dieser Zeit gab es kaum herrschaftliche Strukturen. Die Menschen organisierten sich in kleinen Verbänden. Nur zu religiösen Veranstaltungen schlossen sie sich zusammen und trafen sich an kultischen Mittelpunkten. Zehren bildete solch einen Ort in einem sorbischen Wohnbezirk.

Als Heinrich I. 929 mit seinen deutschen Truppen das Land eroberte, waren die Sorben wehrlos, weil sie in keinster Weise militärisch erprobt waren. Nicht nur in Meißen, auch in Zehren errichteten die Deutschen daraufhin Mitte des 10. Jahrhunderts eine Burg. Es war das 1003 erwähnte „Castellum Cirin“. Es stellte ein Teil der Befestigungslinie dar, die sich die Elbe entlangzog. „Die Burg sollte an dieser Stelle den Elbübergang schützen“, sagte Blaschke. „Hier verlief die transkontinentale Handelsstraße „via regia“, die von Paris über Breslau bis in die Ukraine reichte.“ Zur Sicherung der Herrschaft der Deutschen wurden außerdem Verwaltungsbezirke eingerichtet.

Mit den Eroberern kam auch das Christentum in die Gegend. Blaschke erklärte: „Die christlichen Könige empfanden es als ihre Aufgabe, unter den Heiden den christlichen Glauben zu verbreiten. Die Missionare lernten sorbisch, um das Evangelium predigen zu können.“ 984 wurde St. Afra als die älteste Pfarrkirche im Kreis errichtet. Der Bau der ersten Zehrener Kirche erfolgte nicht viel später. Die Missionierung verlief hier, im Gegensatz zu Brandenburg und Mecklenburg, sehr friedlich. Durch das Zusammenleben mit Deutschen in den Dörfern und dem Verbinden von Familien fügten sich die Sorben schnell ein und gaben ihre Sprache auf. Einige Reste sind im heutigen Sprachgebrauch aber noch erhalten.

Die Zehrener zeigten großes Interesse an der Geschichte ihres Ortes. Schon eine viertel Stunde vor Beginn des Vortrages war der vorgesehene Raum in der Schule bis auf den letzten Platz gefüllt. Es musste auf die Kirche ausgewichen werden.“

 

 

Gottlieb Fuchs

Ein sächsischer Dichter und Geistlicher im 18. Jahrhundert

Fuchs-Abend

 

Wenn ich  Sie heute zu diesem Abend über Gottlieb Fuchs begrüßen kann, dann kann ich Ihnen nur gratulieren, daß Sie sich auf den Weg gemacht haben. Dieser Gottlieb Fuchs, um den es heute gehen soll, hat 18 Jahre hier in Zehren gewirkt, in dieser Kirche, in den Bauernhöfen und Häusern der Orte und hat hier im Diakonat unmittelbar neben der Kirche mit seiner Familie gelebt. Und es ist nur einer Reihe von glücklichen Umständen zu verdanken, daß er nicht völlig in Vergessenheit geraten ist.

 

Gottlieb  Fuchs (im  Kostüm)

 

Doch ehe ich  Ihnen etwas zu unserem Titelhelden erzähle möchte ich zunächst diejenigen vorstellen, die uns Lieder von Gottlieb Fuchs zu Gehör bringen werden.

 

Sopran:                        Frau Prof. Gertrud Günther, Hochschule für Kirchenmusik Dresden

Cembalo:                     Rene Michael Röder, Kantor in Waldheim

 

 

Warum ist die Geschichte mit Gottlieb Fuchs etwas Besonderes? Gottlieb Fuchs kam aus sehr einfachen Verhältnissen, er fand günstige Umstände, um seine Begabungen zu fördern. Er ist von den Wirren seiner Zeit im Glück wie im Unglück getroffen worden und er gibt uns einen ganz kleinen Einblick in die Zeit zwischen 1752 und 1769, die Zeit, in der auch diese Kirche gebaut wurde, die Zeit des Siebenjährigen Krieges. Von allem, was er geschrieben und gedichtet hat werden am Ende 1 Lustspiel, 34 Gedichte, 1 Autobiographie, 5 Predigten. 2 Neujahrsgrüße - und Aufsätze in Leipziger Journalen in gedruckten Form erscheinen. Noch 1 Jahrhundert später wird sein Name in den literaturwissenschaftlichen Werken auftauchen, in den Gelehrtenverzeichnissen. Und dann wäre er fast vergessen worden bis auf Erwähnungen der sächsischen Heimatforscher. Freilich: Gottlieb Fuchs veröffentlichte zu wenig und in zu kleinen Auflagen. Und manche seiner Werke, die größere Verbreitung fanden, erschienen anonym. Trotzdem schien es uns lohnenswert, dies für einen Abend ans Licht zu holen und zum Klang zu erwecken.

 

Keinesfalls unerwähnt dürfen dabei diejenigen bleiben, die sich mit dem Leben und Werk von Gottlieb Fuchs beschäftigt haben und es überhaupt wieder ans Tageslicht gehoben haben. Zuerst möchte ich dabei  Herrn Rolf Baumgärtel aus Braunschweig nennen, auf dessen 60 seitige Veröffentlichung aus dem Jahr 1997 ich mich maßgeblich beziehe. Im April diesen Jahres ist Herr Baumgärtel leider in Braunschweig verstorben. Aber auch Herrn Steffen Stolz aus München und Herrn Robert  Schmidt aus Oschatz möchte ich dabei erwähnen, die ganz wichtige Anregungen für die Verwirklichung dieses Abends gegeben haben.

 

Nun soll unser Titelheld endlich das Licht der Welt erblicken. Es ist der 12. April 1721. An diesem Tag wird in Obersayda, zur Kirchgemeinde Mittelsayda gehörend, dem Erbgärtner Samuel Fuchs jun. von seinem Weib Rosina, geb. Neuber, der Sohn Gottlieb geboren. Obersayda liegt von Freiberg aus etwa 17 km in südlicher Richtung, dort wo das Erzgebirge schon bis auf ungefähr 650 m Höhe zum Kamm und der Böhmischen Grenze hinaufgeklettert ist. 1711 hatten die Eltern geheiratet

Gottlieb Fuchs hat sicher 3 Geschwister gehabt (Johann Gottfried 1712, Anna Sofia 1723, Johann Samuel 1726) Von Obersayda sind die Eltern irgendwann zwischen  1721 und 1723 in das benachbarte Lippersdorf gezogen. War der Großvater noch Richter, so war der Vater Erbgärtner, also ein Bauer mit wenig Landwirtschaft, von der er nicht allein leben konnte.

 

Vom Großvater des Gottlieb Fuchs (Richter) zum Vater des Gottlieb Fuchs (Erbgärtner) fand ein sozialer Abstieg statt, denn ein Gärtner war ein Bauer mit wenig Landwirtschaft, der nicht allein von dieser leben konnte. Die Kinder wurden schon früh mit einbezogen in das Arbeitsleben der Eltern. Feldarbeit, Viehhüten und Flachsspinnen gehörten zum vertrauten Alltag des Heranwachsenden. Der Schulbesuch fand hauptsächlich im Winter statt, denn im Sommer mußte Gottlieb Kühe hüten bzw. von seinem vierzehnten bis in sein siebzehntes Lebensjahr hinein, als Tagelöhner in den Kohlezechen südlich von Freiberg arbeiten. Damit verdiente er sich das Geld für zusätzlichen Unterricht beim Dorfschullehrer Johann Jakob Dietrich, der junge und erwachsene Leute bei sich im Hause, zum Unterricht in Latein, Schreiben, Rechnen und Musik unterrichtete.

„Der Bauern-Sohn Gottlieb Fuchs"! Unter diesem Beinamen wird unser Gottlieb Fuchs um 1750 bekannt werden. Doch soweit sind wir noch nicht. Vor allem anderen saugten sich dort oben auf dem Erzgebirge jedoch seine Sinne voll mit den Eindrücken der Natur.  Kaum einer seiner späteren Dichterfreunde wußte die Natur in ihrer Einfachheit, wie in ihrer Vielfalt und in ihrem Wesen in so einprägsamen Bildern zu besingen, wie unser Bauernsohn.  Die Quelle, aus welcher der Dichter Gottlieb Fuchs schöpft, entspringt im Erzgebirge. Aus ihr fließt ihm auch in späteren Werken immer wieder Erkenntnis und Kraft zu.

 

Lieder:            Das Singen                                                                 

 

Freiberg

 

Erst 1739 konnte Fuchs die Bauernkutte gegen einen Schulanzug eintauschen. Für die nächsten sechs Jahre besuchte er eine Lateinschule in Freiberg. Fuchs ist jetzt schon 17 und damit seinen Mitschülern im Alter stets 5-6 Jahre voraus - ein langer Lulatsch unter Knirpsen. So ist er also - einer der Ärmsten unter den Armen - in Freiberg gelandet. Vom 12.Jahrundert an war Freiberg durch Silberfunde reich geworden. Der Bergbau versiegte zwar immer einmal wieder, doch bessere technische Möglichkeiten und äußere Zwänge halfen ihm auch wieder auf die Beine. Die Kriege des 17. u. 18.Jh. bescherten der Stadt große Schäden.

 

Glücklicherweise machte sich unser Gottlieb Fuchs jedoch in Freiberg ans Dichten.  Daß er in vielen seiner Werke besonders die Menschen aufs Korn nimmt, denen das Zusammenraffen von Geld zum einzigen Lebensinhalt geworden ist, kann nur aus seinen Erfahrungen mit diesen Menschen herrühren.

 

Lied                 Der zufriedene Bauer                                       

                        Die Alte

 

1747 erscheint von Gottlieb Fuchs ein Theaterstück gedruckt, das Lustspiel „Die Klägliche" –freilich anonym. Ob es jemals aufgeführt wurde, ist nicht mit Sicherheit zu sagen.

 

Zunächst etwas über das Stück: Die Titelfigur - die Klägliche - eine Witwe, namens Ditrich hat zwei Kinder: einen Jungen, der im vaterlosen Haus von der Mutter zu einer verkümmerten Seele verzogen wurde und die Tochter Charlotte im heiratsfähigen Alter, die von zwei ältlichen Herren bedrängt wird. Der eine von ihnen - Herr Geldlieb - hat seinen jüngeren Vetter Leander, welcher in seinem Geschäft tätig ist und der die Charlotte liebt, auf eine Reise ins Ausland geschickt, um diesen Rivalen loszuwerden. Da taucht mit dem Magister Holzwurm, einem Lateinlehrer an der dortigen höheren Schule (!), ein neuer Nebenbuhler auf. Der bringt zwei Schüler mit - einen blassen Streber und einen mit kühnem Witz, den Kühnwitz. Und dieser ist kein anderer als unser Bauernsohn Gottlieb Fuchs. Das Schicksal des Kühnwitz läßt gar keinen anderen Schluß zu: der reale Gottlieb Fuchs.

 

Der Kühnwitz hat sich durch eine unbesonnene Handlung bei seinem Lehrer Holzwurm unbeliebt gemacht und soll nun dafür büßen. Der Magister schwärzt ihn nämlich beim Militär an, damit er zum Militär gepresst wird. Der Gottlied Fuchs/Kühnwitz befand sich da - 1745 - wohl gerade mit 24 im rechten Militärdienstalter. Zurück zum Stück - Die Frau klagt über alles, über Männer und Geld, über die Zeiten und die Gesundheit. Sie wimmert und winselt, grämt sich und seufzt, sieht überall Gespenster und böse Zeichen und verschlingt die Kalender mit den Horoskopen. Doch da ist noch Rosel, die Bedienstete der Kläglichen. Neben unserem Gottlieb Fuchs/Kühnwitz die zweite positive Figur. Die hat Herz und Mund auf dem rechten Fleck. Die beiden abgelebten Freier der Charlotte manövrieren sich gegenseitig und durch ihre eigenen Charakterschwächen ins Aus. Der Leander kommt rechtzeitig zurück, nachdem er vor der Stadt dem nach Leipzig fliehenden Gottlieb Fuchs/Kühnwitz mit einigen Talern ausgestattet hat. Seine Charlotte sinkt ihm in die Arme. Happy End. Wir sind zufrieden.

 

Dieses Lustspiel brachte dem Gottlieb Fuchs wohl viel Ärger ein, weil sich in den Personen der Handlung einige Freiberger wiedererkannten.

 

Nicht unerwähnt darf für die Freiberger Zeit unseres Gottlieb Fuchs bleiben, daß 1744 ein 29jähriger Theologe und Bach-Schüler als Kantor an die Freiberger Lateinschule kommt. Es ist Friedrich Doles. Die Schicksale der beiden ähneln sich in der Jugendzeit und so dürfte der Kantor Johann Friedrich Doles den Schüler mit der satirischen Ader verstanden haben, denn dieser Doles war auch in recht ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, hatte durch Begabung, Fleiß und sein einnehmendes Wesen Gönner auf sich aufmerksam gemacht. 5 Jahre, nach dem Gottlieb Fuchs Freiberg verlassen hatte, gab Johann Friedrich Doles übrigens jenes Liederalbum mit 25 Gedichten Gottlieb Fuchs  heraus, das Grundlage unseres heutigen Abends ist.

 

Der Komponist zeichnet nur mit „J.F.D.z.F“[1], und man darf annehmen, der Gottlieb Fuchs selbst wollte seinen Namen nicht genannt wissen. Man muß es wieder betonen: Gottlieb Fuchs war sich bewußt, daß in einem geistlichen Amt, das er anstrebte mit Sicherheit keiner gefragt war, der mit Augenzwinkern, Spott oder gar mit bissiger Gesellschaftskritik aufwartete. Die Jünger der Musik wußten natürlich, wer die Texte verfaßt hatte, und mindestens 14 andere Komponisten schufen während des 18. Jh. 21 weitere Lieder zu Texten des Gottlieb Fuchs.[2]

 

Doles machte übrigens eine Riesenkarriere, denn er wurde bald Thomaskantor in Leipzig und ging in die Geschichte des Thomanerchores ein, als der mit 33 Amtsjahren dort am längsten tätige Meister.

 

Lied:                Die Freundschaft

 

Leipzig

 

Gottlieb Fuchs macht sich also aus den Erzgebirge nach Leipzig auf. Er will dort Theologie studieren, um Pfarrer zu werden. Sein Vertrauen zu Gott entwickelte sich aus dem Wunder, das ihm von Kindheit an die Natur offenbarte. Sein Gottvertrauen sog er nicht aus Büchern und Geboten.

 

Fuchs studiert  Theologie. Das war zu jener Zeit für Studenten aus ärmeren Schichten die einzig finanzierbare akademische Ausbildung. Doch Fuchs hatte nur ganze sieben Taler im Gepäck – das einzige Vermögen, das ihm sein Vater mit auf den Weg geben konnte. Dabei kostete in der reichen Messestadt bereits ein billiges Mansardenzimmer knapp zwei Taler im Monat. Eigentlich hatte er keine Aussicht, sein Studium länger als ein Semester zu betreiben. Mit bezahlten Gelegenheitsgedichten zu Kindtaufen, Hochzeiten und Begräbnissen versuchte er ein wenig Geld zu verdienen. Doch in Leipzig war die Konkurrenz sehr groß in diesem Metier und wurde entsprechend schlecht honoriert.

 

Auf den talentierten Verseschmied aber bettelarmen Studenten wurde schließlich Johann Christoph Gottsched aufmerksam, der seinerzeit populärste Leipziger Professor. Gottsched war als Gelehrter hochangesehen, als Dichter umstritten und in Studentenkreisen beliebt als Vermittler gutdotierter Ämter nach dem Studium. Fuchs durfte kostenlos dessen Vorlesungen besuchen. Und schließlich veröffentlicht Gottsched 1746 ein Gedicht von Gottlieb Fuchs und empfiehlt den jungen Dichter der Gunst wohltätiger Menschen. Und das Wunder geschieht. Eines Tages kommt der Postbote und bringt ihm 25 Thaler Geld.

 

Der Hamburger Dichter Friedrich von Hagedorn hatte Gottscheds Anregung zur Unterstützung des jungen Dichters zu seiner Sache gemacht und an viele Bekannte geschrieben, zu einer Hilfsaktion etwas beizutragen. Im Lauf der Zeit kamen über 700 Taler zusammen, vor allem aus Hamburg, Braunschweig, Holstein und der Schweiz. In dieser Zeit feierte man Gottlieb Fuchs als literarische Entdeckung in den gebildeten Zirkeln von Kopenhagen bis Zürich. Er wurde bestaunt als ein Naturtalent mit Zügen von Genie, wobei man leicht übersah, dass er sich in den zurückliegenden Jahren, wenn auch mühsam, eine solide Bildung verschafft hatte.

 

Ohne Geldsorgen konnte Fuchs jetzt seine Studien fortsetzen und hatte nebenher noch Gelegenheit für weitere poetische Versuche. Leipzig war zu jener Zeit eine Hochburg literarisch ambitionierter Studenten. Spätere Klassiker der deutschen Literatur – Klopstock, Lessing, Gellert – schrieben hier ihre ersten Werke. Viele der ca. 700 Studenten probierten sich im Dichterhandwerk aus, und literarische Zeitschriften standen damals hoch im Kurs. Fuchs beteiligte sich an einigen Projekten mit: gemeinsam mit Studienfreunden gründete er 1747 die Ermunterungen zum Vergnügen des Gemüths, von denen allerdings nur neun Ausgaben erschienen.

 

Vergessen wir nicht: Gottlieb Fuchs kam zum Studieren nach Leipzig. Sein Studium geht einen guten Gang. Mit seinem Gönner Hagedorn tritt Gottlieb Fuchs bis zu Hagedorns Tod - 1754 - in regelmäßigen Briefverkehr. Hagedorn zeigt sich in diesen Briefen von Fuchs sehr angetan und gibt ihm viele gute Ratschläge; er lobt ihn und er ermuntert ihn. Denn ihm ist aufgefallen, daß Fuchs sich zu wenig „zeigt“ und zu bescheiden und zu scheu auftritt.

 

Im Auftrag Hagedorns verwaltete der Steuerrevisor Gottlieb Wilhelm Rabener die Schätze, die Gottlieb Fuchs nun zuflossen. Rabener in einem Brief an Hagedorn über Gottlieb Fuchs: „Er hat ein redliches Herz, sein Fleiß ist unermüdet, seine Aufführung anständig ... Herr Fuchs hat sich der Theologie gewidmet. Anfangs glaubte ich, es sey darum geschehen, weil in seinem Dorf der Pfarrer der vornehmste ist, nunmehr aber sehe ich, daß er bei der Wahl seines Berufes ernsthafter gewesen ist..."[3]

 

1750 ist Gottlieb Fuchs 29; nun rückt für ihn die Zeit des Abschieds vom Studium und von Leipzig heran. Fuchs wird  nach Dresden empfohlen an den Superintendent Dr. J.J.G. AmEnde und an Christian Ludwig von Hagedorn, der jüngere Bruder von Gottlieb Fuchs Gönner, welcher Geheimer Legationsrat und Kunsthistoriker war und später in Dresden Direktor der Kunstakademie wurde.

 

Doch Schriftstellerei war zur damaligen Zeit allenfalls eine angesehene Nebenbeschäftigung – kein Autor konnte von den geringen Honoraren leben. Deshalb planten seine Gönner bereits 1749 eine zukunftssichere Berufslaufbahn für Fuchs. In Sachsen gab es aber kaum freie Pfarramtsstellen, so dass Fuchs von 1750 an zunächst als Erzieher im Haus des Dresdner Ratsherrn und Bürgermeisters Ernst Christian Hübener angestellt wurde. Gottlieb Fuchs wird Privatlehrer des Sächs. Kurfürstl. Sekretär Ernst Christian Hübner. Dieser Mann gehörte dem Dresdener Rat zwischen 1733 und 1754 14mal an und wurde 1752 sogar zum Bürgermeister berufen. Der Dresdner Bürgermeister Hübener Empfiehlt Fuch dem Meißner Superintendenten Georg Leberecht Wilke, in dem er auf den guten Unterricht verweißt, den seine Kinder bei  Fuchs erhalten haben. Das hat Wirkung, den bald wird Gottlieb Fuchs zu einer Probepredigt nach Zehren eingeladen. Doch ehe wir Gottlieb Fuchs nach Zehren kommen lassen, muß noch eins erwähnt werden.

 

Nicht nur daß Fuchs im Haus des Dresdner Bürgermeister wie das eigen Kind behandelt wird. Er hat auch das Herz der Bürgermeisterstocher Christiana Friderica gewonnen. Sie zählt 25 und er 31 Jahre. Die beiden werden heiraten, nachdem Fuchs seine neue Stelle in Zehren angetreten hat im Jahr 1752.

Lied:                Der Heimliche

Zehren

Pfingsten 1752 tritt Gottlieb Fuchs in Zehren das Amt des Diakons (des 2. Pfarrers in größeren Parochien) an. Zu diesem Kirchgemeinde gehören fast genauso viele Orte wie heute. Zusammen mit seinem Pfarrkollegen Johann George Uhlmann (1752 – 1760), Gottlieb Siegmund Crusius (1760 – 1761) und Gottlieb Rittler (1761 – 1769) hat er nicht nur auf dem Friedhof und in der Kirche zu tun. Man muß Kranken, Sterbenden und deren Angehörigen, an Ort und Stelle beistehen und Trost spenden. Da geht es über Berg und Tal, durch Regen, Schnee, Hitze und Schlamm - Tag und Nacht. Für das Dichten bleibt da nicht viel Zeit. Gewohnt hat  Gottlieb Fuchs im Diakonat, das heute noch an gleicher Stelle steht, allerdings hat  Fuchs noch im Vorgängergebäude gewohnt.

Zur Kirchgemeinde Zehren gehört auch Dorf und Schloß Schieritz, auf dem eine Nebenlinie derer von Schleinitz sitzt. Das bedeutete, daß die Geistlichen auch in der Schloßkapelle predigen mußten. Gottlieb Fuchs war zweifellos oft im Schloß Schieritz. Das kommt z. B. in einem Gedicht zum Ausdruck, in welchem Gottlieb Fuchs davon berichtet, wie sein kleiner Sohn „... voll Forschbegier durch Schloß und Zimmer schritt."[4]

Mit dem Pfarrer Johann Georg Uhlmann, der bei Gottlieb Fuchss Antritt in Zehren schon 53 Jahre zählte, muß Gottlieb Fuchs gut ausgekommen sein. Ihre beiden Ehefrauen sind gemeinsam Paten bei einem Kind des damaligen Zadeler Pfarrers.  Sie werden also miteinander über die Elbe übergesetzt sein.  Die ersten Jahre in Zehren beschreibt Gottlieb Fuchs als die glücklichsten seines Lebens. Er scheint hier sein sächsisches Paradies gefunden zu haben. Doch ganz ungetrübt ist auch diese erste Zeit nicht.

Am 29.5.1753 wird im Diakonatshaus in Zehren die 1.Tochter Justina Friderica geboren und am 31.Mai getauft. Die Freude im Haus Fuchs währt nicht lange, denn das Kind lebt nur drei Wochen. Für die Frau des Diakonus kommt es noch schlimmer, denn sie muß 1754 von einer toten Tochter und 1755 von einem toten Sohn entbunden werden. Am 7.2.1757 wird dem Paar dann der Sohn Christian Gottlieb geboren, und das Glück hält wieder Einzug im Hause Fuchs. Am 13.6.1758 kommt Tochter Christiana Eleonora zur Welt. Dieses Mädchen wird die einzige in der Familie Fuchs sein, die unseren Gottlieb überlebt. Denn auch der kleine Christian Gottlieb hat nur zwei Jahre und ein paar Tage zu leben. Er stirbt an der großen Seuche dieser Zeit an den Blattern (Pocken). Eindrücklich schildert er seinen Schmerz in einem Gedicht:

Die ganze Welt, die er mir reitzend machte,

Liegt ohne Reitz, vor dem betäubten Sinn.

Ach Gott! mir graut vor jeder bangen Wüste,

Wo sein Geschwätz sonst freudenreich erklang,.,.

Welt, tadle nicht mein unentbehrlich Klagen,

Das alte Recht der untröstbaren Brust,

Mir starb zuviel. 0! was, raubt meinen Tagen

Ihr Blattern nicht?"Ihr Mörder meiner Lust?

Und eine weiterer Schicksalsschlag ereilt Gottlieb Fuchs: Friedrich von Hagedorn, der ihm überhaupt das Studium ermöglicht hatte, verstarb. Gottlieb Fuchs richtete ein eindrucksvolles, ehrliches Gedicht als Dank an Hagedorns Bruder in Dresden. Auf Unterstützung von außen kann Gottlieb Fuchs nun nicht mehr zählen. Er gilt nicht mehr als der Bauernsohn, sondern ist jetzt Pfarrer in einer gutausgestatteten Landgemeinde, die freilich bald vom Krieg heimgesucht werden wird. Die Gedichte von Gottlieb Fuchs konnten sich durchaus mit dem anderer seiner Zeit messen, nur daß es Gottlieb Fuchs vielleicht zu wenig verstand, auf sich aufmerksam zu machen.

Lieder:             Die Eifersucht

Die Geschichte hat schwer in das Leben Gottlieb Fuchsens eingegriffen. Der siebenjährige Krieg bricht 1756 auch über Zehren herein in Gestalt des preußischen Heeres mit 800 Pferden und 100 Kanonen. Lassen wir die große Politik und die Truppenbewegungen beiseite und schauen in das Leben Fuchsens.

Im Jahr 1760 als bisher der Siebenjährige Krieg mehr auf der Zehrener als auf der Zadeler Seite gewütet hat, stirbt Fuchsens Freund, der Zadeler Pfarrer David Tischer. Sein Gönner Hagedorn, sein Freund Tischer und sein geliebter Sohn waren innerhalb eines Jahres verstorben.

Zwar konnte, Gott sei  Dank, sonst ein gesegnet Zehren

ein sächsisch Paradies, mein dürftig Haus ernähren;

Doch wessen Neide stehn nicht Paradiese blos?

Was zu verderben denkt, kommt auch  auf Zehren los,

So daß drey Straßen hier, wo jeder Mensch sich hemmet

Uns schon das vierte Jahr, mit Unglück überschwemmet

 

In Zehren dicht ich nichts, als Sorgen um mein Haus;

Wo Angst und Armuth wohnt, hält keine Muse aus.

Sie alle deuchtet mich, sind übern Strom geflüchtet

An Ufer, wo der Kreig, der disseits uns zernichtet,

Sich selten nur emört, un der beglückte Strand

So ruhig vor uns liegt, als wäres ein ander Land

 

Ja, Zadels Friede prangt beneideswert herüber

Und wohnt, in Einsamkeit, dem Elend gegenüber.

Mein ganzer Kummer weicht, mein volles Glücke lacht,

Sobald mich nur dein Wort zu  Zadels Priester macht.

Das ist Poesie. Die Poesie eines Enttäuschten, eines Zornigen, eines leidenden Menschen. Hier zeigt er sich nicht als Satiriker, der listig lächelnd seine Mitmenschen zum Nachdenken bringt, hier fegt er mit hemmungslosem Sarkasmus in eine enthemmte Gesellschaft. Folgte er früher seinem Gott mit der Anhänglichkeit eines unverbildeten Gemüts, jetzt klammert er sich an Gott. Nur bei ihm vermag er Frieden zu finden.

Schließlich mischt sich noch der Kantor ein, der nach dem Tod des Zehrener Pfarrers Uhlemann, sich in seine Aufgaben einmischt und ihm damit eine Stück seines Unterhalts streitig macht. Als schließlich die Zehrener Pfarrstelle frei wird und Gottlieb Fuchs übergangen wird und ihm ein junger Pfarrer vor die Nase gesetzt wird, der sich zumal in seiner vorherigen Gemeinde wenig beliebt gemacht hatte, läuft ihm die Galle über. Er schreibt Brandbriefe an den Superintendenten. Nur einmal tut er das in seinem Leben. Der neue Pfarrer übrigens amtiert nur 1 Jahr dann stirbt er von heut auf morgen im Alter von 31 Jahren. Wie sich später herausstellt wurde er von seiner Haushälterin vergiftet. Aber das ist noch eine andere Geschichte, die der Giftmischerin.

Fand unser Gottlieb Fuchs noch 1758 Muße zwei Liederbücher zu verfassen und drucken zu lassen[5], welche zweifellos ein beschauliches Leben zum Gegenstand hatten, so trieben ihn die schlimmen Ereignisse der Zeit um 1760/61 dann zu drei Gedichten, die zu seinen besten gehören.

Auf den Tod seines Sohnes.

An einen vornehmen Gönner

An einen aus denen ich bereits zitierte

Eines eigenartigen Kriegsumstandes sei noch gedacht: 1760/61 rennen dem Gottlieb Fuchs in Zehren die Preußen das Haus ein. In friedlicher Absicht. Es erscheinen - wohl etwas verlegen - mit Trauscheinen oder auf ausdrückliches Verlangen ihrer Vorgesetzten insgesamt 13 Musketiere, Grenadiere, Jäger; Kanoniere und ein Artillerie-Knecht mit ihren Bräuten und begehren getraut zu werden von Gottlieb Fuchs mit Damen aus der Umgebung, aus Flandern, Holland, Jena, Halle und Troppau"...copulieren“.[6] Krieg bedeutete eben auch das.

Es ist die Zeit der größten Verluste an Soldaten. Man kann ja nie wissen, wie lange ein Krieg dauert bzw. man darf davon ausgehen, daß bestimmt eine Generation später auch wieder Krieg ins Haus stehen wird. Für Kriegsehen läßt ein Kriegsherr schon mal eine Sonderzulage springen.

1762 und 1763: Die Kriegsparteien taumeln hin und her. Überall in Sachsen, Schlesien, Böhmen und anderenorts sterben Menschen sinnlos dahin. Friedrich II. - immer wieder eigene grobe Fehler mit der Verzweiflung des in die Ecke Gedrängten in ein erträgliches Schicksal wendend rettet mit dem letzten Schlag dieses Menschenmordens in der Schlacht von Freiberg die Existenz seines Staates und wird dann „der Große“ genannt werden.

1763 endet der 7jährige Krieg. Durch die großen Schlachten bei Torgau und Freiberg und größerer Gefechte bei Strehla, Dresden und Maxen und dem ständigen Wechsel der Besatzungstruppen, litt die Zivilbevölkerung nirgends so viel und so lange wie in Sachsen und ganz besonders in der Gegend zwischen Zehren, Nossen, dem Ketzerbach und der Elbe. Die Frau unseres Diakonus muß schlimmstes seelisches und körperliches Leid erfahren haben. Gottlieb Fuchs wird später mitteilen, daß sie bis zu ihrem Tod 37 Jahre daran gelitten hat.

„Dreymal wurde ich ganz ausgeplündert und grausam gemißhandelt. Meine junge muntre Ehegattin ... wurde durch immerwährende Schrecknisse und Beängstigungen zuletzt völlig contract und blieb es ganze 37 Jahre bis an ihr Ende ... Ich hatte sie zwey und vierzig Jahre gehabt. Fünf Jahre gesund, munter, aufgeräumt. - und sieben und dreyßig Jahre siech, gichtbrüchig, lahm, und niemals ohne Schmerzen.“[7]

Alle Menschen atmen auf, als die Schinderei endlich ein Ende hat. Gottlieb Fuchs gibt diesem Gefühl Ausdruck in seiner „Erntepredigt“, welche auch gedruckt wurde.

Als einige Jahre nach diesem Krieg der neue deutsche Kaiser - der Sohn von Friedrich II. seinerzeitiger größter Feindin Maria Theresia – Joseph II. auf einer Goodwill-Tour sich auch die Kampfgebiete um Meißen zeigen ließ und dabei in Zehren eine Rast einlegte, wurde er von vielen Menschen aus der Gegend bestaunt. Nachdem die Kolonne des Kaisers dann über die Höhen weiter gen Riesa gereist war, traf sich in einem Zehrener Garten eine illustre Gesellschaft: Der Kreishauptmann Ferber, der berühmte Kändler, der Meißner Stadtschreiber Brenig, unser Diaconus Fuchs und andere mit ihren Frauen und Kindern.[8]

Lied:                Der Wein

18 Jahre schmort unser Gottlieb Fuchs im Zehrener Diakonat! Dann endlich erbarmt sich ein Gönner seiner: Gottlieb Fuchs erhält den Ruf als Pfarrer nach Taubenheim. 48 Jahre alt ist er, als er Zehren Ende 1769 verläßt.

Taubenheim

Taubenheim gehört wie Zehren zur Superintendentur Meißen ebenfalls noch im fruchtbaren Lößgebiet der Lommatzscher Pflege. Die Parochie Taubenheim besteht mit dem Kirchdorf aus 8 größeren und kleineren Orten. Die Gehöfte und andere Gebäude des Dorfes Taubenheim ziehen sich in einem Seitental bis zur Kleinen Triebisch hin. Auf einem nach Norden geneigten Hang thronen nebeneinander Schloß mit Park, Kirche mit Kirchhof und Pfarrhaus mit Pfarrgut.

Und wegen dieses Pfarrgutes gibt es schon Ärger, bevor sich Fuchsens auf die Reise nach Taubenheim machen. Es geht um ganz weltliche Dinge. Er sollte der scheidenden jungen Pfarrerswitwe Abstand zahlen für einige Sachen, die er übernehmen mußte und dazu gehörte ebenfalls das Inventar des Pfarrgutes. Der bisherige Pächter, der sich gleichfalls woandershin begibt, läßt u. a. zwei Pferde zurück, für die Gottlieb Fuchs der Witwe 100 Taler hinlegen muß. Erst nachdem die Witwe immer mehr verlangt, und Gottlieb Fuchs mit seiner Familie eingezogen ist, läßt er die Pferde taxieren. Er erfährt, daß sie nur die Hälfte wert sind.

Er schreibt seinem Superintendenten einen Brief, weil er sich wohl wegen des Streites mit der Witwe und deren Vormund rechtfertigen soll. Darin heißt es weiter über die Pferde: „und nun sind sie ganz darnieder, so daß auch der neue Pächter sie nicht wird übernehmen können.“ Pfarrer werden ist oft schwer.

Dabei hatte es so gut angefangen, als er einen seiner Lebenswünsche erfüllt sah. Der Taubenheimer Schloßherr und Kollator der dortigen Kirche - Melchior Heinrich von Breitenbauch der in Dresden als 1. Hofmarschall und Oberküchenmeister fungierte, hatte Gottlieb Fuchs zu sich nach Taubenheim gezogen. Dieser hochgestellte Herr muß sich dabei etwas gedacht haben oder er tat damit einem anderen hohen Herrn oder eventuell einer hohen Dame einen Gefallen. Das ließ sich indessen bisher nicht feststellen. Immerhin erhalten wir von Gottlieb Fuchs selbst Kunde darüber, wie seine Frau in Taubenheim „...von zwey hochadlichen, gutmüthigsten Damen ein so herablassendes und gnädiges Mitleiden genoß...“  Außerdem erwähnt er eine „Hochadliche Dame“ und widmet ihr „zu deroselben ... Geburtstagsfeste“ ein Dankgedicht.[9] Man könnte in einer dieser adligen Damen eine Tochter des Taubenheimer Schloßherrn vermuten - die Friederike Marie Anna Henriette v. Breitenbauch, welche in Dresden Hofdame war und 1802 - nach ihres Vaters Tod - den Taubenheimer Besitz übernahm.  Sie dürfte zu Gottlieb Fuchss Zeiten in Taubenheim sicher oft bei ihrem verwitweten Vater auf dem Schloß geweilt haben. Vielleicht war sie es, die an Gottlieb Fuchss Gedichten Gefallen gefunden hatte.

Als nun unser Gottlieb Fuchs fest im Sattel einer Pfarre sitzt, versucht er einige seiner Gedichte an den Mann zu bringen. Dabei hilft ihm Heinrich August Ossenfelder der den Posten eines Hof- u. Justiz-Kanzleisekretärs bekleidet. Gottlieb Fuchss Name wird zwar nicht im Titel, wohl aber im Vorwort, welches Ossenfelder verfaßt, genannt. Für das Publikum präsentierte Gottlieb Fuchs jedoch die drei Gedichte zum erstenmal, die aus der Zeit des 7jährigen Krieges erzählen. Diese Gedichte verdienten es, nicht nur im Geschichtsunterricht Beachtung zu finden. Mit ihren Bildern von poetischer Schönheit könnten sie gleichfalls das Fach Deutsch bereichern.

Lied:    Die Mitternacht

Das Leben unseres Pfarrers Gottlieb Fuchs geht seinen Gang. Ein paar Jahre lang schweigen die Akten. Dann am 26.6.1776, meldet sich Gottlieb Fuchs wieder zu Wort. Beim Superintendenten in Meißen - seinem Vorgesetzten: „Euer Hochwürden wißen bereits, daß ich etliche Wochen daher an einem hefftiger inflammatonschen Gallenfieber und an der gelben Sucht recht tödlich gelegen habe. Ich glaubte auch ganz gewiß, Gott würde mich durch einen seligen Tod, aus meinem bisherigen langer Jammerthal endlich heraus führen. Allein es hat seiner Weisheit, der ich mich gänzlich überlasse, dißmal dennoch gefallen, mir mein Leben noch zu fristen. Schwach und kraftloß bin ich zwar noch sehr.“

Fuchs soll Stellung nehmen.  Es war Klage geführt worden, Gottlieb Fuchs hätte die neue Gesindeordnung nicht von der Kanzel aus verlesen und außerdem noch einer Magd zuviel Lohn gezahlt. Den ersten Punkt widerlegt er mit einem beigelegten Manuskript seiner Predigt, aus welchem hervorgehe, daß er dies sehr wohl getan habe.  Zum Punkt 2: „Wie ich nun von meiner Frau vernehme (denn deren Sache und nicht die meine ist das) ... „, sei tatsächlich der Magd mehr bezahlt worden, weil seine arme, sieche Frau durch die reißende Gicht schon seit 18 Jahren gelähmt, kontrackt (verkümmert, zusammengezogen) und nie ohne Schmerzen wäre. Die Magd sei daher vor allem Krankenwärterin. Mit dem ihr zustehenden Lohn hätte diese Magd nie gehalten werden können. Und überhaupt hätte dem Klage führenden Gerichtsverwalter in Taubenheim doch wohl nicht die Gerichtsbarkeit über ihn und seine Leute zugestanden. „Der ich mit lebenslanger Ehrfurcht verharre, Hochehrwurdiger Hochzuehrender Herr Ephore, Deroselben gehorsamst ergebener Diener Gottlieb Fuchs.“[10]

Es kommt noch besser. Eines Tages steht bei unserem Alt-Dichter unversehens der Scharfrichter in der Studierstube: „Ich, mehr über sein Daseyn, als über sein Drohn erschrocken, gab ihm sogleich mit lauter guten Worten zu erkennen, wenn ihm wirklich zu nahe geschehen, ich nichts dafür könne...“ so antwortet der Gottlieb Fuchs dem Meißner Superintendenten, bei dem sich der Meißner Scharfrichter über Gottlieb Fuchs beschwert hatte.

Keine Bange, es ging nicht um Gottlieb Fuchss Hals, sondern wieder einmal ums liebe Vieh. Die Scharfrichter besaßen nämlich nicht nur das Recht, sich in fataler Weise um Menschen zu bemühen, sie gingen auch dem Beruf des Abdeckers nach. Ihnen stand dafür Lohn zu und möglicherweise Anteile an Leder, Talg etc. gefallener Tiere. Und das war dem Scharfrichter vom Pfarrgutspächter vorenthalten worden. Aber Fuchs kann die Sache dann doch  noch klären.

Bevor unserem Gottlieb weiterer Ärger ins Haus steht, gilt es zunächst, ein freudiges Ereignis zu feiern. Am 13.4.1779 wird das einzige seiner überlebenden Kinder, die „Jgfr. Christiana Eleonora“ mit Herrn „Friedrich Gottreich Billich, Churfürstlich Sächsischen Hofpostschreiber“ getraut. Sein Vater war der verstorbene Kgl. Polnisch u. Churf. Sächs. Reisekellermeister Johann Sigmund Billich aus Dresden. Von der jungen Frau hören wir erst wieder, als Gottlieb Fuchs stirbt. Da lebt sie noch. Aus seiner Taubenheimer Zeit gibt eine von Gottlieb Fuchs veröffentlichte „Predigt wider die heimlichen Diebe“ aus dem Jahr 1781.

Ansonsten muß er sich mit dem Alltag einer Landpfarrgemeinde herumschlagen. Schriftlich schlägt dabei zumeist das nieder, was nach Schrift verlangte – Streitigkeiten und Beschwerden z.B. Über die Zulassung von bereits 12jährigen zur Konfirmation oder um den Verkauf von Sitzplätze in der Taubenheimer Kirche (1785). In einem Streit zwischen zwei  Familie meint Gottlieb Fuchs dazu, die meiste Schuld an diesem Kriege hätte eine Frau, die zwar eine fleißige Kirchgängerin sei, dies jedoch mehr wegen des Sehens (er meint wahrscheinlich des Gesehenwerdens) als des Hörens (der Predigten), einen anderen Platz haben wolle, kurz gesagt, sie wäre eine Frau, die in „Punkto Sexti“ ziemlich berüchtigt sei. Nach einer Rücksprache mit Gottlieb Fuchs habe sich aber die Frau belehren lassen, daß es doch besser sei, wenn sie nicht so sehr in die Augen falle. Bei diesem Zwiegespräch hätte man einmal Mäuschen spielen wollen. Daß Gottlieb Fuchs mit ihren Schwächen und Stärken beobachten konnte, hatte er in seinen Gedichten ja häufig unter Beweis gestellt.

Die Schrift von Gottlieb Fuchs aus dieser Zeit zeigen einen recht unsauberen Schriftduktus samt Verbesserungen und Klecksen. Das Leben hatte diesen Menschen Gottlieb Fuchs durch zu viele Fegefeuer gehen lassen. Man denke nur daran, daß er mit einer Frau lebte, die sich nun bereits ein Vierteljahrhundert mit ständigen Schmerzen herumquälte, ein Umstand, der ganz zweifellos auch ihm sehr zu schaffen gemacht haben muß.

1787 - Gottlieb Fuchs zählt nun 66 Jahre - wird er zwangsweise in den Ruhestand versetzt. Zunächst will er nicht, zumal er natürlich auch aus dem Pfarrhaus ausziehen muß.  Aber nach einem scharfen Brief des Konsistoriums schreibt er:  „Ich ergab mich gedultig in mein Schicksal ... Nach gehaltener Abzugspredigt ergriffen nun wirklich wir zwey alten Leute unseren Wanderstab, und eilten glücklich nach dem lieben Meissen zu.“

Das klingt versöhnlich. Aber die Autobiograhpie ist eben erst mit 11 Jahren Abstand entstanden, so daß er dann die Geschichte wohl gelassener betrachtet. Man darf davon ausgehen: Gottlieb Fuchs hat sich nichts zu Schulden kommen lassen; das Leben und das Amt hatten ihn aufgefressen.

Lied                 Die Hoffnung

Meißen

Der Name „Meißen“ begleitet uns im Leben des Gottlieb Fuchs schon seit 35 Jahren - 18 Jahre in Zehren und 17 Jahre in Taubenheim. Herr und Frau Fuchs eilen - nennen wir es mehr oder weniger glücklich - also dem lieben Meißen zu. Wo sie dort Unterkunft fanden, blieb unbekannt. Vielleicht in einem dem Stift Meißen gehörenden Gebäude. Gottlieb Fuchs schreibt über die ersten Jahre in Meißen: „Und hier lebte ich dann für meine Person, ganz zufrieden. Aber mein armes sieches Weib, ach! die wurde mit jedem Jahr noch viel siecher und gebrechlicher ja zuletzt ein wahrhaftiges Jammerbild, und ganz und gar zum Kinde, bis der barmherzige Gott ... durch den Tod, ihres großen Jammers ein Ende machte.“

Die Tochter aus wohlhabendem und angesehenem Dresdener Bürgerhaus starb am 23.6.1794 abends um 6 Uhr im Alter von 67 Jahren und 4 Monaten als Frau eines emeritierten Pastors und eines Dichters. Als Kind und junges Fräulein wird sie sich dennoch wohl ein anderes Leben erträumt haben.

Ihre Mutter - wohl die erste Frau des Bürgermeisters, muß schon früh verstorben sein, und auch den Vater traf der Tod schon zwei Jahre nach ihrer Heirat mit Gottlieb Fuchs. Dazu die fürchterlichen Geburtsschmerzen, zwei Totgeburten, zwei Kinder früh verstorben, und wer weiß, was ihr die Soldaten während des 7jährigen Krieges antaten und danach fast 4 Jahrzehnte in ständiger körperlichen Schmerzen - das kann man kein schönes Leben nennen.

Und wie meistert unser Dichter und Pastor im Ruhestand sein Leben?

Er kann sich einfach nicht so schnell mit der zwangsweise erfolgten Emeritierung abfinden. Er kämpft in seinem Innern damit und versucht schließlich auf die ihm gemäße Art, sich von diesem Trauma zu befreien.  Er schreibt zwei  Neujahrsgrüße, die er drucken läßt an seine frühere Gemeinde in Taubenheim.

Im Winter 1795/96 setzt sich unser 74jähriger Dichter und Geistlicher Gottlieb Fuchs ans Schreibpult und entwirft eine kurze Beschreibung seines Lebens. Dort erfahren wir von ihm, was er in Meißen tat. so hat er offenbar noch gepredigt und ist seelsorgerlich tätig gewesen.

In der Nacht vom 23. zum 24.1.1796 wird Gottlieb Fuchs durch seine Haushälterin Juliane Vetter, die jahrelang zuvor seine Frau gepflegt hatte, vor dem Tod in den Flammen seines Hauses gerettet. 1798 wird diese letzte literarische Arbeit Gottlieb Fuchs gedruckt.

Bald danach folgt ein Eintrag im Totenbuch der Meißner Stadtkirche: „16. April Abends 6 Uhr Herr M. (Magister) Gottlieb Fuchs Pastor-Emeritus in Taubenheim. Vid.(Witwer) alt 79 J.u.4. Tge. ... beygesetzt mit Conzession (Erlaubnis; weil er von auswärts stammte) d.19.eiusdem (hier: desselben Monats)“[11] Und im Taubenheimer Kirchenbuch steht in seinem Sterbebuch-Eintrag: der Satz „er hat einige kleine Dingelchen drucken lassen.“[12]

Am Ende seiner Autobiograhpie schreibt er von seinem Leben „Es war eine beständige Abwechslung von  lauter Glücks- und Unglücksfällen, aber alles zu meinem Besten.“

Gottlieb Fuchs hätte ein Vielgenannter, ein Großer werden können. Sein Verstand und bittere Erfahrungen hatten ihm jedoch klargemacht, daß ihm dazu die Fähigkeit fehlte, im Gebrauch seiner Ellenbogen nicht zimperlich zu sein. Wahrscheinlich schrieb er aus dieser Erkenntnis heraus auch viel zu wenig, um die Aufmerksamkeit über längere Zeit auf sich zu ziehen. Die meisten Medienmacher kannten und kennen ihn und seine Werke nicht.

Ein Leben aus der Armut heraus durch Begabung, Willen, Fleiß und Glück in wohlsituierte Verhältnisse gelangt, durch äußere Umstände bedrängt, wieder auf die Sonnenseite geraten und schließlich in zufrieden hingenommener Kargheit zu Ende gegangen. Ein Rhythmus, in welchem wohl die meisten Menschen ihre Lebensbahn dahinziehen.

Und dennoch ein Mensch, der von sich reden machte. Ein Mensch, der von Menschen etwas erhielt und der ihnen etwas gab. Man darf hoffen, daß auch heute wieder Menschen an seinem dichterischen Schaffen Freude haben werden.

Und an den Schluß möchte ich den Schluß seiner Erntepredigt vom 5.September 1763 setzen:

O! Herz gedenk es Gott, gedenke sein Erlösen

Zeitlebens, denke nach, wie groß die Noth gewesen.

Schau jede Rettung noch mit Freudenthränen an

Und nimmermehr vergiß, was er dir Guts gethan.

 

Er gebe uns allen ein fröliches Herz

und verleihe uns immerdar Frieden zu unsern Zeiten,

auf daß seine Gnade stets bey uns bleibe und erlöse uns,

so lange wir leben, Amen.

Lied:    Die Demmerung

 

 

 

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Impressum

Alle Fotos: Bernd Hartung

Letzte Bearbeitung: 31.12.2004

 

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[1] J.F.D.z.F.= Johann Friedrich Doles zu Freiberg: Neue Lieder nebst ihren Melodien; Leipzig 1750

[2] Max Friedländer: Das deutsche Lied i. 18.Jh..Quellen und Studien; Stuttgart u. Berlin 1902;in diesem zweibändigen Werk wird GF mehrfach genannt; wichtig im 2.Bd. die Seiten 46-48 u 494

[3] w.u.30;Brief v.G.W.Rabener an F.v.Hagedorn v. 9.5.1747; S.223

Auf den Tod seines Sohnes

[5] Gottlieb Fuchs :Lieder zur Osterandacht; Leipzig 1758 (nach:Herm.Anders Krüger: Dt.Literatur-Lexikon München 1914; S.1 16. GF:Lieder z.Hausandacht;Meißen 1758;nach:w.u.72

[6] Traubuch 1761 Nr. n. 6‑21

[7] Gottlieb Fuchs ‑ Mein Lebenslauf bis in das sieben und siebzigste Jahr ... Meißen 1798; S. n. 7. 9 u. 13

[8] E. Schmidt ‑ Die Katzenhäuser, Kaiser Joseph II. und Joachim Kändler ‑ i. Mitt. d. Landesvereins Sächs. Heimatschutz; Band 18 ‑ Dresden 1929; S. 321 ff

[9]  S.8

[10] Brief des GF v. 26.6.1776

[11] Totenbuch 1799;Nr.49

[12] w.u.1