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800 Jahre
Striegnitz
16.-18.Juni 2006 Ev.-Luth.Kirche Striegnitz |
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Historisches
und Musikalisches aus Striegnitz und Umgebung (Broschüre)
Dokumente
zu 800 Jahre Striegnitz (Broschüre)
Geistliches Wort
zur Eröffnung am 17.Juni 2006
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800
Jahre Striegnitz 16.-18.Juni 2006 |
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Vom 16.-18. Juni 200 feierte Striegnitz
sein 800-jähriges Bestehen. Angeschlossen hatten sich die Orte Altsattel,
Barmenitz, Grauswitz, Trogen und Roitzsch, mit denen Striegnitz insbesondere
durch die kommunalen und landwirtschaftlichen Strukturen der letzten 40 Jahre
stark verbunden war. Ein Festkomitee aus den beteiligten Orten hatte für die
Zeit vom 16.-18.Juni ein Festprogramm zusammengestellt, an dem auch die
Kirchgemeinde Dörschnitz-Striegnitz beteiligt war. Drei Veranstaltungen fanden in Verbindung mit der Kirchgemeinde
Dörschnitz-Striegnitz statt. |
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· Sonnabend, 17.6.2006 - 14.00 Uhr
Feierliche Eröffnung der 800-Jahr-feier im Festzelt · Sonntag, 18.6.2006 - 14.00 Uhr
Festgottesdienst zur 800-Jahrfeier in der Kirche Striegnitz (zugleich Jubelkonfirmation) · Samstag, 10.6.2006 – 17.00 Uhr
Historisches und Musikalisches aus Striegnitz und Umgebung Im
Zusammenhang der 800-Jahrfeier erschien eine Broschüre mit Dokumenten,
Materialien und Bildern zur Geschichte von Striegnitz. |
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800 Jahre Striegnitz -
Musikalisch-historischer Abend
Von
Musikern und Gelehrten Historisches und Musikalisches aus
Striegnitz und Umgebung
Sonnabend
- 10.Juni 17.00 Uhr Ev.-Luth. Kirche Striegnitz
Musik: Sophie Lippold (Violine)
Juliane Kinke (Querflöte)
Ralph-Ingo Ebert (Tasteninstrumente)
Sprecher: Steffen Stolz
Programm:
Begrüßung
Choralbearbeitung
„Erschienen ist der herrlich Tag“
Johann Hermann Schein
(1586 – 1630)
(1586 Grünhain – 1630 Leipzig ; 1613 Hofkapellmeister in Weimar ; 1615 Thomas-Kantor in Leipzig)
Der Paltzschener See, Bartholomäus
Rülich (1555-1626)
- Wortbeitrag
Trio-Sonate G-Dur für
Querflöte, Violine u. Basso continuo
Largo – Allegro
moderato - Alla breve
Johann Gottlieb Graun (1703 –1784)
(1703 Wahrenbrück – 1771 Berlin ; 1740
Konzertmeister der Kgl. Hofkapelle in Berlin)
Die Familie Graun, Christian August
Frege (1759-1834) – Wortbeitrag
Sonate Es-Dur
Carl Heinrich Graun
(1704-1759)
(1704 Wahrenbrück – 1759 Berlin ; 1740
Kapellmeister der Kgl. Hofkapelle in Berlin)
Maria Sophia v. Reichenbach
(1652-1718) und ihre Schulstiftung von Mehltheuer
Christoph Dietrich v. Bose (1664-1741) Aufstieg und Fall eines adligen
Rittergutsbesitzers
Choralbearbeitung
- instrumental
Johann Hermann Schein
(1586 – 1630)
Zur
Veranstaltung ist eine Broschüre mit weiteren Aufsätzen zur regionalen
Geschichte erschienen:
Steffen Stolz: Zwischen Keppritz und
Jahna – Historische
Biographien und Geschichten aus Dörschnitz, Striegnitz, Mehltheuer und
Seerhausen, Hrsg. in Zusammenarbeit mit dem Pfarramt Dörschnitz-Striegnitz, 102
S. München 2006
Die
Broschüre ist in 3.Auflage erschienen und sofort lieferbar
(Preis ca. 4,50 Euro Bestellungen
an: Tel.: 035247 / 50010, Fax: 035247 / 50015 Pfarrer Nitzsche email: kirche-doerschitz@t-online.de)
Inhalt:
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Ein heiliger See, ein slawisches Götterbild und die bestraften
Schatzgräber von Dörschnitz |
7- 11 |
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12-24 |
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25-33 |
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34-42 |
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43-56 |
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57-66 |
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67-76 |
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77-82 |
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83-94 |
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- Ein
Räuberstück im Großholz - Der preußische König und die Frösche
von Dörschnitz - Ein findiger Bauer in Dörschnitz - Bartholomäus Marb erlebt den
Dreißigjährigen Krieg in Dörschnitz - Ein Striegnitzer wird
Königlich-Sächsischer Staatsbeamter |
95-100 |
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Literatur |
101-102 |
Broschüre: Dokumente zu 800 Jahre
Striegnitz
Wir haben eine Druckerei gefunden, die auch eine kleine Auflage
(10, 20 Stück usw.) unserer Festschrift druckt. Zum Preis von 8,00 Euro können wir die Festschrift
(135 Seiten, Klebebindung, Broschiert) abgeben. Interessenten melden sich bitte
bei Pfarrer Nitzsche (Tel.: 035247 / 50010,
Fax: 035247 / 50015 email: kirche-doerschitz@t-online.de). Es sind momentan noch 8 Exemplare vorrätig. Eine
Nachauflage ist nicht ausgeschlossen.
Inhaltsverzeichnis
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Seite |
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01 - Vorwort zur Erforschung der Geschichte um Striegnitz (Pfarrer Burkhard Nitzsche, Frau Ilka
Biewald 2006) |
3 |
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02 - Geschichtliche Entwicklung unserer
Gemeinde |
6 |
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03 - Striegnitz in Zahlen |
9 |
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04 - Die Striegnitzer Kirche |
14 |
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05 - Schule und Kindergarten |
19 |
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06 - Freiwillige Feuerwehr
Striegnitz |
26 |
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07 - Gewerbe und Besitztum 1925 |
30 |
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08 - 1953 - Entstehung der
Gemeinde Striegnitz und die Orte |
31 |
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08 - Altsattel |
32 |
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08 - Barmenitz |
34 |
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08 - Grauswitz |
36 |
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08 - Roitzsch |
38 |
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08 - Striegnitz |
41 |
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08 - Trogen |
44 |
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08 - Wüste Mark Wilschwitz |
52 |
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09 - Bürgermeister ab 1945 |
53 |
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10 - Alteingesessene
Bauerngeschlechter in unserer Gemeinde |
54 |
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11 - LPG - Helmut
Just Striegnitz |
55 |
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12 - Einwohner
unseres Dorfes |
56 |
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13 - Lageplan des Ortes |
58 |
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14 -
„Die Parochie Striegnitz mit Mehlteuer“ – Neue Sächsische Kirchengalerie (Pfarrer
Richard Schütze 1902) + Sachsens Kirchengalerie 1836 (Faksimile) |
62 |
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15 - Vortrag 750 Jahre
Striegnitz (Dr. Gottfried Schille 31.12.1955) |
68 |
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16 -
Festschrift „Aus der Geschichte der Striegnitzer Kirche“
(Pfarrerin Brigitte Schleinitz 1992) |
74 |
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17 - Deutsche Kirche im
Sorbenland - Heimatliche Kirchengeschichte im Hohen Mittelalter (Prof.
Karlheinz Blaschke, 4.6.2005) |
82 |
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18 - Vorgeschichte und Fundstellen im Raum
Striegnitz (Dr. Michael Strobel,
2006) |
91 |
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19 - Die Matrikel von 1575 – ältestes
Personenverzeichnis zu Barmenitz, Mehltheuer, Striegnitz, Trogen und Roitzsch
(Pfarrer Burkhard
Nitzsche 2006) |
97 |
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20 - Wer waren meine Vorfahren? – Was sagen
dazu die Kirchenbücher? (Pfarrer Burkhard Nitzsche 2006) |
100 |
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21 - Die Kirchenbücher von Striegnitz und
Mehltheuer (Pfarrer Burkhard
Nitzsche 2006) |
104 |
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22- Familiennamen aus Barmenitz, Mehltheuer,
Striegnitz und Roitzsch (Pfarrer Burkhard Nitzsche 2006) |
108 |
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23 - Die Gefallenen des
1.Weltkrieges nach den Nachrichten der Kirchfahrt Striegnitz – Mehltheuer
1914 - 1918 |
116 |
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24- Die Gefallenen
des 2.Weltkrieges |
119 |
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25 - Urkundenbuch der
Stadt Meißen und ihrer Klöster (1205) |
122 |
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26 - Urkundenbuch der
Stadt Meißen und ihrer Klöster (1206) – Päpstliche Bestätigung |
127 |
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27 – Was sonst noch
passierte |
129 |
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28 – Eine bunte
Fotosammlung |
130 |
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aktualisiert:
28.3.2007 (4)
Rückblick:
Eröffnung
800-Jahrfeier Striegnitz,
Striegnitz, Sonnabend den 17.Juni 2006
14.00 Uhr Festzelt
Eröffnung( Herr Christian Lau
Begrüßung der Gäste
Dank an Sponsoren und Helfer
Grußwort der Bürgermeisterin Bürgermeisterin Anita Maaß
Geistliches Wort Pfr.
Burkhard Nitzsche
Liebe Striegnitzer, liebe
Gäste,
Der Anlaß, daß wir in diesem
Jahr 800 Jahre Striegnitz feiern, hat damit zu tun, daß es hier nachweislich
seit 800 Jahren Christen gibt. Menschen, die in guten und in schweren Zeiten
ihren Halt bei Gott gesucht haben.
In Urkunden des Jahres
1205 und 1206 wird Striegnitz als Dorf genannt, daß das Meißner
Augustiner-Chorherren-Stift St.Afra durch
Abgaben unterstützt. Das heißt, daß es zu diesem Zeitpunkt hier eine
Gemeinde, einen Pfarrer und vermutlich auch eine kleine bescheidene Holzkirche
gab.
800 Jahre Striegnitz. Das
heißt: Seit 800 Jahren gibt es hier Christen. Die längste Tradition an diesem
Ort überhaupt hat damit der Glaube, das Vertrauen auf Gott. Es ist doch auch
gut, daß nicht eine Schlacht, ein Krieg oder ähnliches Anlaß ist, sich auf 800
Jahre Geschichte zu besinnen, sondern die Tatsache, daß Menschen etwas gefunden
haben, was ihnen Vertrauen, Halt und Orientierung gegeben hat.
Die Zeiten haben sich
verändert. Die Christen sind eine Minderheit in der Bevölkerung geworden und
eine globalisierte Welt greift inzwischen auch in das Leben des letzten Dorfes
ein. Aber noch immer steht in diesem Ort eine Kirche. Und noch immer suchen
Menschen nach etwas, was ihrem Leben Halt gibt.
HERR,
ich habe lieb die Stätte deines Hauses
und
den Ort, da deine Ehre wohnt. Ps. 26,8
heißt
es im 26.Psalm
Menschen brauchen Orte,
mit denen Sie so etwas wie Heimat verbinden. Orte, an die Sie gern und immer
wieder zurückkehren. Orte, die sinnstiftend wirken.
Über den Ort Striegnitz
und die damit verbundenen Orte, die heute mit uns zusammen feiern, ist in den
800 Jahren, die wir heute überblicken, geschichtlich alles hinweggerollt, was
es in der Geschichte Sachsens gab. Es gab Jahrzehnte und Jahrhunderte, in denen
das Leben der Bewohner fast unverändert von Generation zu Generation verlief, in
denen die Erfahrung der Älteren für die nachfolgende Generation vollen Bestand
hatte, wo Bauern, Landarbeiter, Handwerker, Schullehrer und Pfarrer ein in sich
ruhendes Leben führten. Ein Leben, das mit harter Arbeit verbunden war, in dem
man die Schönheit und die direkte Abhängigkeit von der Schöpfung Tag für Tag
erlebte.
Über diese Orte sind die
Katastrophen jeder Zeit hinweggerollt. Mißernten, Unwetter, Seuchen, Kriege mit
plündernden Soldaten. Über diese Orte haben die jeweiligen geistigen und politischen
Größen ihrer Zeit ihren Einfluß ausgeübt: Grundherren, Gerichtsherren,
sächsische Kurfürsten und Könige, Reichstagspräsidenten (Bismark, Hindenburg
usw.), Reichsstatthalter (Mutzschmann). Ministerpräsidenten (Seydewitz,
Grotewohl) Staatsratsvorsitzende (Ulbrich, Honecker) und heute ist es zum Glück
ein legitim und demokratisch gewählte Regierung.
Viele der politischen und
geistigen oder ideologischen Größen sind gekommen und auch wieder gegangen.
Manches, was 1000 Jahre oder ewig dauern sollte, hat sich zuweilen als kurzer schlimmer Spuk in der Geschichte
erwiesen.
Die Menschen sind hier
ihrer Arbeit nachgegangen, haben ihre Felder und Gärten bestellt, ihre Tiere
versorgt, ihr Handwerk betrieben, haben in den umliegenden Dörfern und Städten
in ganz verschiedenen Berufen gearbeitet und hier an diesem Ort gewohnt.
Und immer in diesen 800
Jahren hat eine Kirche in diesem Ort gestanden, viele fanden in ihr Ruhe. Hier
haben sie miteinander gesungen, gehört und gebetet. Und mancher wird aus Erschöpfung
auch eingeschlafen sein. Hier sind die Kinder der Orte getauft worden, die Brautpaare
getraut und die Menschen dieses Dorfes zu Grabe zu getragen worden.
Deshalb gehört auch ein
Gottesdienst, wie wir ihn morgen feiern, in dieses Fest. Jede Zeit ist
herausgefordert, Grundlagen für das Leben des Einzelnen und der Gemeinschaft zu
finden. Als Kirchgemeinde stehen wir da nicht am Rande und bringen ein, was wir
an gelebten Glauben von unseren Väter und Mütter im Glauben vererbt bekamen und
mit eigenem Leben füllen.
800 Jahre Striegnitz muß
nicht heißen, daß wir uns gegenseitig kräftig auf die Schultern schlagen und
uns darin bestärken, was wir doch für tolle Leute sind. Denn die Menschen an
diesem Ort haben schon so manche Erfolgsbilanz verkauft bekommen, die am Ende
in tiefe Enttäuschung und Resignation umgeschlagen ist.
800 Jahre Striegnitz kann
eher heißen: Schauen wir uns um und schauen wir uns in die Augen, wo uns diese
Vergangenheit und Tradition Mut, Kraft und Gelassenheit gibt. Wer auf Zeiträume
von einigen hundert Jahren zurückblicken kann, der hat keinen Grund, vor
mancher Schwierigkeit und Herausforderung, die sich heute stellt, den Kopf
hängen zu lassen, sondern sie mutig anzunehmen. Und dabei ist eine
Dorfgemeinschaft, die das miteinander versucht, eine großer Schatz.
Ich wünsche Ihnen und mir
viele gute Entdeckungen und Begegnungen an diesem und den kommenden Tagen.
Vielen Dank.
Grußwort Herr Leder
Erinnerung an Gefallene Herr Christian Lau
Hinweis auf das weitere Herr Christian Lau
Festprogramm
13.50 Treffen der Jubelkonfirmanden vor der Kirche,
Feststellung der Teilnehmer
Einzug unter Glockengeläut und Orgelvorspiel
(Gemeinde erhebt sich)
Einzug unter Orgelvorspiel Herr Busch
Begrüßung Pfr.
Nitzsche
Liebe Gäste, die
Sie aus Anlaß der 800-Jahrfeier von Striegnitz und aus Anlaß ihres
Konfirmationsjubiläums heute unter uns sind,
Liebe
Striegnitzer,
Liebe
Gemeinde,
Das sind schöne
und große Tage für unseren klein Ort Striegnitz und die mit ihm verbundenen
Nachbarorte Altsattel, Barmenitz, Grauswitz, Roitzsch und Trogen, in denen wir
auf 800 Jahre Striegnitz zurückschauen und dies miteinander feiern. So etwas
passiert nicht alle Tage. Viel ist für diese Tage an Aktivitäten und Ideen
gelaufen und auch wenn sonst die kleinen Dörfer in der Lommatzscher Pflege
allzu schnell übersehen werden könnten, sind es doch erstaunliche Dinge, die
sich hier tun und getan haben.
Begrüßen
möchte ich die vor 50 Jahren hier Konfirmierten. Von 23 Konfirmanden Ihres
Jahrgangs konnten wir 17 erreichen, von denen 10 heute unter uns sind. Herzlich
willkommen.
Begrüßen
möchte ich die Sängerinnen und Sänger des Volkschor „Eintracht Dörschnitz 1893
e.V.“, die diesen Gottesdienst mit einer Reihe von Liedern ausgestalten und
bereichern.
EG 331, 1-3 Großer Gott,
wir loben dich Orgel
/ Gemeinde
Eingangsliturgie A
Kyrie
Gott,
wir
sehen zu oft nur die dunklen Seiten unseres Lebens und unserer Zeit. Wir
übersehen die kleinen Dinge, an den wir uns freuen können, Wir übersehen
die Menschen, die uns gut gesonnen sind. wir
vermuten hinter zu vielen ungute Absicht. Und so
gegen wir oft an einem Segen und deiner Gegenwart vorüber. Mach uns sehend, Gott! |
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Kyrie eleison |
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Gott, wir
hören oft nur die lauten Stimmen: die
Werbung, den Jubel der Fans, die griffigen Parolen, die
schrillen Töne. Wir
überhören deine Stimme im Wiegen der Blätter, im
Rauschen des Windes in der
Stimme des Fragenden im
stillen Schweigen einer Kirche Mach
uns hörend, Gott! |
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Kyrie eleison |
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Gott, wir
übersehen oft deinen Segen, der uns an vielen Stellen begegnet in den
Menschen, die du uns an die Seite gestellt hast in der
Schöpfung, an der wir uns freuen können in der
guten Worten und schöne Musik und vielem anderen. Öffne
unsere Sinne, Gott! |
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Kyrie eleison |
Gloria
|
Gott, wir danken wir für deinen
Segen Was wären wir, Gott, ohne dich? Ohne deine sichere Führung auf
all unseren Wegen? Ohne dein wachsames Auge über
all unseren Taten? Ohne dein gutes Geleit an allen Tagen
unseres Lebens"? |
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Laudate omnes gentes |
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Gott, wir danken dir für deinen
Segen. Auf Schritt und Tritt lässt du
uns spüren, wie wichtig wir dir sind. Wir warten nicht auf den Zufall.
Wir trachten nicht nach dem
Glück. Wir berufen uns nicht auf das
Schicksal. Wir vertrauen auf dich und
darauf, dass du uns segnest. |
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Laudate omnes gentes |
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Gott,
wir danken wir für deinen Segen. Ihn
können wir erleben in der Geschichte, mit
der du unsere Dörfer und unsere Kirche geführt hast Ihn
können wir erleben in der Hoffnung, die
du in uns immer wieder wachsen läßt. Ihnen
können wir spüren in
den neuen Anfängen, die unter uns aufbrechen. |
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Laudate omnes gentes |
Lesung Römer 11, 33-36
„Heiterkeit und leichtes Blut“ Kanon Volkschor
Dörschnitz
(W.A.Mozart,
KV 507, Wien 1786)
EG 139, 1-3 Gelobet seit der Herr Orgel / Gemeinde
Glaubensbekenntnis Gemeinde
Worte:
J.G. Hientzsch (1787-1856)
Musik: W. A. Mozart 1756-1791
Predigt (Eph. 1, 3-6)
Liebe Jubelkonfirmanden,
liebe Gäste, liebe Striegnitzer
liebe Gemeinde!
Wann haben Sie das letzte
mal jemand aus tiefsten Herzen ihre Anerkennung ausgesprochen und ihn gelobt oder
wann sind Sie das letzte Mal ehrlich gelobt worden? Liegt es ein paar Stunden
zurück, oder Wochen oder Tage, oder können Sie sich gar nicht mehr daran
erinnern?
Wann und wo haben wir
Grund, jemand zu loben oder werden selbst gelobt? Loben finden wir in der Regel
nur in Ordnung, wenn es ehrlich ist. Lobhudelei, Lobreden, das Schönreden von
eigentlich traurigen Zuständen sind uns noch in allzu guter oder schlechter
Erinnerung, wenn wir etwa an die Zeiten der DDR denken. Da wurden auch die
schlimmsten Verhältnisse noch schöngeredet. Das Lob wurde zur Lüge.
Richtig loben kann ich
nur den oder das, was ich kenne. Denn Lob ist Anerkennung. Und Anerkennung tut
gut. Lehrer loben gute Schüler und hoffentlich auch schlechte, wenn sie sich
verbessern. Vorgesetzte loben fähige Mitarbeiter. Verliebte machen sich
Komplimente. Eltern loben ihre Kinder.
Lob versteht sich auch
nicht von selbst, weil es konkret sein muß. Einem Pianisten, dem gesagt wird,
er habe „schön gespielt“, wird dieses Kompliment nichts geben. Ganz anders
verhält es sich, wenn ihm gesagt wird: „Wie Sie in der
Schlusscoda die Leitmotive gegeneinander geführt haben - das war
atemberaubend.“
Lob ermutigt, richtet
auf, gibt neue Ideen. Politiker sind gut beraten, wenn Sie die Leistungen ihres
Landes, der Menschen in den Dörfern und Städten anerkennen und sie somit
ermutigen: Ihr seid auf dem richtig Weg ! Macht weiter so! Ihr dürft stolz
sein.
Aus dem vorhin gehörten,
sehr kompakten Bibeltext will ich nur einen Satz herausgreifen: Gelobt sei
Gott, der uns gesegnet hat. Wenn wir als Kirchgemeinde auf 800 Jahre
Striegnitz zurückblicken und wenn das mit uns die Einwohner und Gäste dieses
Dorfes tun, dann können wir diesen Satz erst einmal nur dick unterstreichen. Gelobt
sei Gott, der uns gesegnet hat. Daß es hier nach 800 Jahren immer noch
Christen gibt, Menschen, die bei Gott, im Glauben und in der Gemeinschaft Halt
und Orientierung suchen und finden, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern
immer noch ein Wunder. 800 Jahre Striegnitz – das sind 800 Jahre Kirche und
christlicher Glaube. Damit hat die Kirchgemeinde hier die längste und
beständigste Tradition.
Gelobt sei Gott, der uns
gesegnet hat. Ich kann hier nicht die Geschichte von 800 Jahren
referieren. Da hat es Jahrzehnte und Jahrhunderte gegeben, in denen Das Dorf
und die Kirchgemeinde gewachsen sind und geblüht haben und da hat es Situationen
gegeben, wo die Existenz des Dorfes und der Kirchgemeinde auf dem Spiel
standen. Und bis zur Mitte des vergangenen
Jahrhunderts waren Dorf und Kirchgemeinde ohnehin nahezu identisch. Erst
die schleichende und schließlich die durch die DDR-Ideologen systematisch
betriebene Entkirchlichung haben dazu geführt, daß die Christen heute eine Minderheit innerhalb unserer
Dörfer darstellen.
Aber Zahlen sind nicht
das Entscheidende. Als Kirchgemeinde arbeiten wir nicht für Zahlen, sondern für
Menschen. Gelobt sei Gott, der uns gesegnet hat. Allein, die Tatsache,
daß es hier nach 800 Jahren immer noch Christen gibt, Menschen, die den Grund,
das Ziel und die Hoffnung ihres Leben bei Gott suchen und sich in ihrem Leben
daran auszurichten versuchen, ist Grund, Gott dafür Danke zu sagen.
Und so bescheiden dieser
Kirchenraum sein mag, in dem wir heute miteinander sitzen, gezeichnet von den
Zeiten, die er erlebt hat, gezeichnet von den Problemen, die wir mit der
Erhaltung dieses uns anvertrauten Gotteshauses haben. Eine große tröstenden und
erhebende Botschaft bringt allein dieser Kirchenraum, in dem wir nicht als die
ersten und vermutlich nicht als die letzten sitzen. Diese Dorfkirche ist
gefüllt vom Leben der Menschen, die vor uns hier zusammenkamen. Die Bänke, die
Balken, die Steine, die Fenster dieser Kirche könnten viele Geschichten
erzählen. Hier sind sie zusammengekommen,
um den Lebensanfang unter den Segen Gottes
zu stellen. Aus den Kirchenbüchern wissen wir, daß es allein seit 1717 2.067 Taufen in dieser Kirche gab.
Mindestens 500 Paare von den etwa 2000 Trauungen, die im Traubuch seit 1717
verzeichnet wurden, wurden hier getraut. Und von den 2.834 Verstorbenen seit
1717 kam man mindestens 1.147 mal in dieser Kirche zusammen, um Abschied zu
nehmen.
Unsere Kirchen sind immer
noch Anstöße. „Schau hin: es gibt mehr zwischen Himmel und Erde, als du dir
vorstellen kannst.“ „Hebe deine Blick und dein Herz aus dem Grau und Grau.“ Der
Kirchturm weiß auf die andere Dimension in unserem Leben hin. Es gibt nicht nur
das Horizontale im Leben und in der Geschichte der Menschen. Sondern es gibt
auch das Vertikale, wo Gott in unser Leben hineinspricht und wo Menschen darauf
antworten – und wenn es in wortlosen Seufzern geschieht. Haben die „Menschen
hier im Osten schon vergessen, daß sie Gott vergessen haben,“ wie es kürzlich
der Thüringer Bischof Christoph Kähler
in einem Interview sagte (16.4.2006)?
Unsere Kirchen sind immer
noch Anstöße. Hier wurde der Lebensanfang unter die Geste der Taufe gestellt. Hier haben Menschen
als Christen geschworen, hier haben sie den Bruch ihrer Schwüre bereut, hier
haben sie ihr Glück gefeiert und ihre Niederlagen beweint, hier wurden die
letzten Gebete über sie gesprochen. Eine Kirche ist nicht schon dann eine
Kirche, wenn sie fertig gestellt und eingeweiht ist. Eine Kirche wird eine
Kirche mit jedem Kind, das darin getauft ist; mit jedem Gebet, das darin
gesprochen wird, und mit jedem Toten, der darin beweint wird. Sie ist kein
Kraftort, aber sie wird ein Kraftort, indem sie Menschen heiligen mit ihren
Tränen und mit ihrem Jubel. Wir müssen nicht ständig erklären und reflektieren.
Der Raum redet zu mir und erzählt mir die Geschichte und die Hoffnung der Toten
und der lebenden Geschwister.
Gelobt sei Gott, der uns
gesegnet hat. Die Menschen in diesem Ort, nicht nur innerhalb
dieser Kirche, haben in ihrem Leben ganz sicher etwas vom Segen Gottes
erfahren. Sie haben Gottes Segen erlebt in ihren Familien, wenn die Ernte eingebracht wurde oder wenn
ein neues Haus gebaut wurde, wenn sie im Dorf zusammenkamen oder miteinander
eine schwere Zeit durchstanden haben. Ich glaube, es würde eine lange Kette
werden, wenn wir aufzählen wollten, wo Menschen den Segen Gottes erlebt haben.
Und da sehe ich Ihre
Gesichter, die der Striegnitzer und der Nachbarorte und die der Jubelkonfirmanden, und überlege mir: Welche
Erfahrungen haben Sie gemacht im Leben und im Glauben und wofür könnten Sie Gott
loben, wo sie seine Nähe oder seinen Segen erfahren haben?
Zunächst wende ich mich
einmal an die Jubelkonfirmanden. 1941/42 geboren begehen Sie heute das
Goldene Konfirmationsjubiläum. Dörschnitz und Striegnitz waren zum
überwiegenden Teil der Ort Ihrer Kindheit. Aber eine ganze Zahl von Ihnen ist
noch in der alten Heimat der Familie in Ostepreußen, Schlesien oder Ungarn
geboren und dann als kleine Kinder noch mit auf die Flucht gegangen, in den
Jahren 1945 bis 1947 etwa. Die Nachkriegsjahre haben sie geprägt. In mancher
Familie ist der Vater aus dem Krieg oder der Gefangenschaft nicht zurückgekehrt.
Da war eben eine Mutter die alleine durch diese Zeit hindurchkommen mußte, für
ihre Versorgung und Erziehung sorgen mußte und es war nicht so einfach zusagen:
Gelobt sei Gott, weil er uns gesegnet hat. Vielleicht war deshalb der Segen bei
der Konfirmation 1956 – neben allem Kindischen, was zu diesem Alter bis heute
noch dazugehört – eben doch eine Vergewisserung, eine Wertschätzung: Du bist
jemand und du bist ein Kind Gottes. Du gehst mit dem Segen Gottes deinen Weg.
Ganze fünf Jahre blieben noch, dann war Deutschland durch die Berliner Mauer
endgültig geteilt und es stand fest, auf welcher Seite des Eisernen Vorhang man
wohl sein Leben führen würde. Der überwiegende Teil von Ihnen hat hier im Osten
Deutschlands seinen beruflichen und familiären Weg gesucht. Wenn es im Predigttext
heißt: „Denn in Christus wurden wir auserwählt
schon vor der Erschaffung der Welt.“ dann würden wir das heute mit dem modernen
Wort: „Wertschätzung“ wiedergeben. Bei den Menschen und bei den Dingen
verweilen, die uns umgeben und sie Wertschätzen. Du bist jemand! du bist auch
in Gottes Augen jemand, der ihm unerhört wichtig ist. Heute erleben Menschen
ganz viel Infragestellung: Was bin ich wert? Was ist das wert, was ich in
meinem Leben schaffen und erreichen konnte? Was gelte ich schon noch jetzt im
Rentenalter? Gott sagt – wie in einer Liebeserklärung: Du bist mir ganz
wichtig. Und du sollst meinen Segen
spüren. Heute sind Sie Rentenalter. Viele von Ihnen haben
Familien gegründet, Kinder und Enkel. Und mancher kann vielleicht sagen: Gelobt
sei Gott, weil er uns gesegnet hat. Davon habe ich etwas erlebt
Vielleicht finden Sie
sich, liebe Jubelkonfirmanden, ein Stück in dem Gesagten wieder. Dabei weiß
ich, daß sich 17 Lebensgeschichten nicht mit wenigen Sätzen umreißen lassen.
Aber aus dem Leben zu erzählen, das ist wichtig. Der Verfasser unseres
Predigttextes will ganz kompakt Erfahrungen im Glauben und mit dem Glauben
weitergeben. Erfahrungen weiterzugeben, das ist nicht immer leicht. Da muß man
den richtigen Ton treffen, sonst geht es schnell in Belehrende. Bei einem
Konfirmationsjubiläum da schwingt schon die Frage mit, welche Erfahrungen ich
mit diesem Glauben seit jener Zeit vor 50 gemacht habe und auch für ein Dorf,
ein Land ist es wichtig, von Erfahrungen zu sprechen, die Mut machen
Gelobt sei Gott, weil er
uns gesegnet hat. Diesen Satz kann man nicht pauschal und
schnell unterschreiben. Denn richtig
loben kann ich nur den, den ich auch kenne, sonst ist es Lobhudelei. Wer loben
will, muß konkret werden. Da kann jemand sagen: „Gott mir Mut gegeben, meine
schwere Krankheit durchzustehen.
Ich bin dankbar für jeden Tag. Da sagt
jemand: Daß ich aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt bin, ist für mich
heute noch ein Wunder. Da sagt jemand: Daß ich meinen Mann, meine Frau,
meine Partner gefunden habe, mit dem
ich bis heute glücklich leben konnte, daß ist das größte Geschenk meines
Leben.“
Da sagen die Menschen
hier im Dorf und in den Nachbardörfern: Freilich hat sich in den Jahrzehnten viel verändert. Aber wir haben
etwas miteinander und auch für einander erreicht. das macht das Leben hier
schöner und spannend.
Kompakt spricht der
Bibeltext von den Geschenken, die Gott uns gemacht hat. Gott will keine
Lobhudelei. Viel spannender ist es, es einmal konkret zu machen. Wo hat Gott
mein Leben gesegnet? Wo war da die gute Hand Gottes, die mir die Richtung
gezeigt hat oder die auch einfach nur dazu geholfen hat, eine schwere und dunkle
Zeit zu durchstehen? Wo waren einfach die Momente, wo ich frei und glücklich war, so daß sich auch
Gott daran freuen konnte.
In Niedersachsen heißt es
„Nicht gemeckert ist genug gelobt“. Aber damit vergibt man sich eine große
Chance. Denn Loben, wo es ehrlich und konkret ist, ermutigt und befreit. Loben,
Anerkennen und Wertschätzen lenkt ja weg von mir selbst und läßt mich den
anderen wahrnehmen. Ein solcher Tag ruft uns viel mehr auf einmal zu ergründen,
wo uns Gottes gute Hand im Leben begegnet ist und unser Leben schön und frei
und glücklich gemacht hat. – Ich bin mir sicher, wenn wir ehrlich darüber
nachdenken, dann werden wir mehr in unserem Leben entdecken, als wir im ersten
Moment meinen. Situationen, Erlebnisse bei einen wir sagen können: Gelobt
sei Gott, weil er uns gesegnet hat.
Ich wünsche Ihnen und uns
als Gemeinde die immer neue Entdeckung, wo Gott uns in unserem Leben gesegnet
hat und wir ihn deshalb dankbar und frei loben können aus tiefstem Herzen.
Amen.
EG 316, 1-3 Lobe den Herren, den
mächtigen König Orgel
/ Gemeinde
Abkündigungen
Ansprache an Jubelkonfirmanden (dazu alle nach vorn - Halbkreis)
Heute in
diesem Gottesdienst erinnern wir uns daran, daß sie vor 50 in dieser Kirche
konfirmiert wurden. Wir begehen diese Erinnerung im Namen Gottes, dessen Gnade
und Wahrheit immer neu ist. Bei Ihrer Konfirmation haben Sie sich entscheiden
als Christen in dieser Welt zu leben und den Glauben als eine Hilfe zum Leben
zu verstehen.
Heute erinnern Sie sich nach einem langen Weg, der auch von vielen Fragen und vielem Kummer durchkreuzt war. In die Fürbitte, die wir jetzt miteinander halten, schließen wir auch alles das ein, was uns im Blick auf unsere Dörfer und ihre Menschen bewegt.
Fürbitte
Danke, Gott, dass wir diesen Tag erleben. Danke für
die Menschen, die uns heute begleiten,
für die Liebe und Freundschaft, die sie uns
schenken.
Danke, Gott, dass wir bewahrt wurden in manchen
Gefahren. Vertrauen zu dir hast du in uns geweckt.
Wir bitten dich für jede und jeden von uns, die
diesen Tag nicht mehr erlebt haben:
Lass sie in deinem Frieden ruhen und unseren Herzen
nahe bleiben. Wir rufen:
Gemeinde: Herr, erbarme dich.
für alle,
die mit uns in unseren Dörfern
leben, daß wir das Gemeinsame entdecken und fördern,
daß wir uns mit Achtung und
Anerkennung begegnen Im blick
auf die Leistung oder das
Schicksal des anderen. Wir rufen zu dir:
Herr erbarme dich.
und sie mitnehmen auf dem Weg in
die Zukunft.
denen
es nicht gelingt, mit den Anforderungen des Alltags zurecht zukommen, indem wir
Ihnen helfen,
Wichtiges
von weniger Wichtigem zu unterscheiden und sinnvolle Entscheidungen zu treffen.
Gott segne uns und laß uns zum Segen
werden für alle,
die verzweifelt sind und nicht
mehr weiterwissen,
weil sie von einem schweren
Schicksalsschlag heimgesucht worden sind,
indem wir ihnen zuhören und mit
ihnen reden und ihnen mit Worten und
Gesten wieder Mut machen.
Wir rufen zu dir:
Herr erbarme dich.
Gott segne uns und laß uns zum
Segen werden für alle,
die nach einem Halt in ihrem Leben suchen
und die dich suchen,
Gott, und nach dir fragen,
indem wir ihnen von unserer
Hoffnung erzählen
und mit ihnen einen Weg in die
Zukunft gehen,
wo du uns dein Segen erwartet.
Amen.
Übergabe der Urkunden unter Nennung
der Namen und Sprüche
|
Vorname |
Name |
Geburtsname
|
Spruch |
Bibelstelle
|
|
Rita |
Kunze |
Bletsch |
Siehe,
ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und
die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten
und er mit mir. |
Offbg.
3,20 |
|
Wolfgang |
Rußeck |
|
Gib mir,
mein Sohn, dein Herz und laß deinen Augen meine Wege wohlgefallen. |
Spr.
23,26 |
|
Renate
Karin |
Rühle |
Dehnke |
Selig
sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. |
Matth.
5,8 |
|
Gerda |
Rußeck |
Enskat |
Alle eure
Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. |
1.
Petr. 5,7 |
|
Herbert |
Schaaf |
|
Die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln
wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht
müde werden. |
Jes.
40,31 |
|
Günther
|
Schattries |
|
Einen
andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus
Christus. |
1.Kor.
3,11 |
|
Hannelore |
Fischer |
Peters |
Barmherzig
und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte. |
Ps. 103,8 |
|
Ulrich |
Fichter |
|
Lobe
den HERRN, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat. |
Ps.
103,2 |
|
Ursula |
Gräfe |
Buchholz |
Bleibe
fromm und halte dich recht; denn einem solchen wird es zuletzt gutgehen. |
Ps.
37,37 |
Segenswort an die Jubelkonfirmanden
Liebe
Jubelkonfirmanden!
Jesus
Christus spricht:
„Siehe
ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“
Das
bedeutet:
Er will
Sie begleiten auf dem Weg, den Sie von heute an weitergehen werden
- so wie
er sie - spürbar oder verborgen - begleitet hat seit dem Tag Ihrer Konfirmation.
Durch
ihn, durch Christus, gebe Ihnen Gott auch in Zukunft, was er Ihnen damals
zugesagt hat:
Gott
Vater, Sohn und Heiliger Geist gebe Euch seine Gnade
Schutz
und Schirm vor allem Argen,
Stärke
und Hilfe zu allem guten,
daß ihr
bewahrt werden zu ewigen Leben.
Der
Segen des dreieinigen Gottes
komme
über euch und bleibe bei euch,
jetzt
und für immer. (Friede (+) sei mit euch.
Amen.
Worte: altirischer Segenswunsch, mündlich überliefert
Musik: Günther Schwarze 1987
EG 331, 10+11 Alle Tage wollen wir Orgel / Gemeinde
Nachspiel (Auszug der Gemeinde) Orgel
13.50 Treffen vor der Kirche , Feststellung der Teilnehmer
Einzug unter Glockengeläut und Orgelvorspiel (Gemeinde erhebt sich)
(Pfarrer, Juko, KV) Jubelkonfirmanden nehmen in 1 -2 . Reihe re +
li Platz
Begrüßung Nitzsche
Jubelkonfirmation,
Konfirmationsjubiläum - Hier in unserer Gemeinde Dörschnitz-Striegnitz feiern
wir das seit 7 Jahren. Vor 50 sind Sie hier konfirmiert wurden. Und seit dem ist
Ihre Lebensgeschichte ganz verschieden weitergeschrieben worden. Für den einen
ist der Glaube ein wichtiger Bestandteil seines Lebens geblieben. Der andere
hat vielleicht Erfahrungen gemacht, die ihn zu starkem Zweifel geführt haben.
Wieder ein anderer sah es nicht mehr für zeitgemäß an, sich zu Glaube und
Kirche zu bekennen. Sie alle, die Sie heute gekommen sind und die, die nicht
kommen konnten, haben mit dem „Ja mit Gottes Hilfe“ sehr verschiedene Erfahrungen gemacht. Es ging uns darum, alle
einzuladen. Es ist in diesem Sinn nicht nur ein kirchlicher Anlaß, sondern eben
auch ein Tag zum Erinnern, Innhalten, Zurückschauen – und bei manchem, der
zumindest von der Kirche getrennt hat, ist vielleicht auch mehr als eine
Sehnsucht zurückgeblieben, so etwas wie einen Halt oder eine innere Linie in
seinem Leben zu haben. Es wird spannend sein, auch darüber zu sprechen, welche
Erfahrungen Sie gemacht haben.
EG 165, 1.2.6. Gott ist
gegenwärtig Orgel
/ Gemeinde
Eingangsliturgie B Orgel/Gemeinde
Gott, du bist uns freundlich zugewandt.
Lass uns bewahren, was gut war,
und neu ergreifen, was weiterbringt.
Wenn unser Leben in dir verwurzelt bleibt,
haben wir guten Grund zum Loben und Danken.
Dir sei Ehre in Ewigkeit.
Lesung (Römer 11, 33-36) Nitzsche
EG 139 , 1-3 Gelobet sei der
Herr (spätere Form) Orgel
/ Gemeinde
Einleitung zum Credo Nitzsche
Liebe Jubilare, heute erinnert ihr euch an die Konfirmation
vor 50 in dieser Kirche. Damals habt ihr den christlichen Glauben bekannt, auf
den ihr getauft seid. In den zurückliegenden Jahren habt ihr ganz
unterschiedliche Erfahrungen mit diesem Glauben machen können. Wird er künftig
ein Halt sein und euch eine lebendige Hoffnung geben? Wird er stärker sein als
Zweifel und Sorgen? Wir hoffen auf Gott, dass er uns im Glauben stärkt, wenn
wir bekennen:
Glaubensbekenntnis Gemeinde
Predigt (2. Kor. 13, 11-13) Nitzsche
Liebe Gäste, die Sie
heute als Jubelkonfirmanden unter uns sind,
liebe Gemeinde!
Vor 50 Jahren sind Sie hier konfirmiert wurden.
Spätenstens auf dem Weg hierher werden Sie ei Stück Rückschau gehalten habenund
wir werden dann uns auch noch ein Stück in dieser Hinsicht austauschen.
Erinnerungen kommen auf, natürlich auch an die Konfirmandenzeit, an ihren
Konfirmationspfarrer Dr. Gottfried Schille. Er hat später Erinnerungen aus
seiner Zeit als Pfarrer von Dörschnitz und Striegnitz in seinem Buch „Ohne Gott
und Sonnenschein“. Ihnen wurde damals der Segen des dreieinigen Gottes
zugesprochen: „Gott Vater Sohn und Heiliger Geist, gebe dir seine Gnade, Schutz
und Schirm vor allem Bösen, Stärke und Hilfe zu allem Guten.“
Heute sind Sie wieder hier. Mancher kann nicht hier
sein. Mancher möchte auch nicht hier sein, weil jeder auch sehr unterschiedliche
Erfahrungen mit dem Glauben, mit der Gemeinschaft der Christen gemacht hat.
Heute sind Sie hier, am Sonntag Trinitatis, am Sonntag der Dreieinigkeit
Gottes. Um das Geheimnis Gottes, der als Vater Gott der
Schöpfer der Welt, als Sohn Bruder von uns Menschen und als Geist immer neu
inspirierende Kraft für Kirche und Welt uns begegnet, geht an diesem Tag.
Das
biblische Wort für den heutigen Tag spricht auch davon, daß Gott uns
verschiedenartig, bunt begegnet. Es steht am Ende des zweiten Korintherbriefes.
Paulus faßt seinen Brief von 13 Kapiteln zusammen, indem er ganz
freundschaftlich ein paar Ratschläge gibt und den Christen wünscht, daß ihnen
der dreieinige Gott in ihrem Leben begegnet.
Zuletzt,
liebe Brüder, freut euch, laßt euch zurechtbringen, laßt euch mahnen, habt
einerlei Sinn, haltet Frieden! So wird
der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein. Grüßt euch untereinander mit
dem heiligen Kuß. Es grüßen euch alle Heiligen. Die Gnade unseres Herrn
Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des
heiligen Geistes sei mit euch allen! 2.Kor 13,11-13
11Meine
Geschwister, nun freut euch, lasst euch zurechtrücken, seid einsichtig, habt
dasselbe Ziel vor Augen, lebt friedlich miteinander. Dann wird Gott in Liebe
und Frieden mit euch sein. (12Grüßt einander mit dem heiligen Kuss. Es grüßen euch alle
Heiligen.) 13Die Gnade Jesu Christi, die Liebe Gottes und
die Gemeinschaft der Heiligen Geisteskraft sei mit euch allen!
Nach ganz
praktischen Hinweisen bündelt Paulus alle guten Wünsche bündeln in der
dreigliedrigen Schlußformel. „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und
die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei
mit euch allen!“
Wo kommt
der dreieinige Gott, wo kommen Gnade, Liebe und Gemeinschaft vor?
Für Sie, die Sie 1943/44 geboren wurden, viel die
früheste Kindheit noch in die Kriegsszeit. Für die einen bedeutete daß Flucht,
Vertreibung und den Verlust der alten Heimat. Für andere bedeute das gegen Kriegsende:
die Front die durch die hiesigen Orte zog, und viel Leid mit sich brachte. Den
Krieg kennen Sie mehr aus Erzählungen der Eltern oder aus dem Warten der Mutter
auf das Wiederkommen des Vaters aus der Gefangenschaft als aus eigenem Erleben.
1950 eingeschult, da war die DDR gerade mal 1 Jahr alt, machte man sich daran,
einen Neuanfang in den Herzen der Menschen zu setzen. Aber wie sehr das
gelungen ist, ohne das Zurückliegende wirklich aufzuarbeiten und nicht nur
wegzuschieben, das sollte sich erst noch zeigen. Es kam der 17.Juni und das
Ausbluten des Landes. Immer mehr gingen weg. Im Jahr 1958 gärte es hier im
Lande. Der kalte Krieg lief auf Hochtouren.
Immer noch verließen einzelne oder ganze Familien hier das Land. Von
1961 an war Deutschland geteilt. Wer den Osten nicht verlassen hatte, mußte
sich mit den Verhältnissen hier abfinden oder sich tapfer an ihnen reiben. 1960
war dann die Zwangskollektivierung in der Landwirtschaft, die sozialistische
Umgestaltung der Fabriken und Betriebe bereits geschehen. Mit dem 13.August
1961 hatte die damalige Staats- und Parteiführung gezeigt, wie sie sich die
Zukunft hier vorstellt. In die frühen 60-er Jahre fiel Ihre Berufsausbildung
und dann die Phase, wo man heiratet, wo die eigenen Kinder geboren werden.
Gnade,
Liebe und Gemeinschaft. Wo leben wir das? Sie sind
dann Ihren Weg gegangen. Familie, Kinder, die Ihre Zuwendung, ihre Liebe
brauchten. Berufliche Entwicklungen. Eine Gemeinschaft neuer Menschen sollte
hier im Ostern Deutschlands aufgebaut werden.
Sie
haben ihre berufliche Laufbahn weiter verfolgt, die eignen Kinder wurden
erwachsen, mancher verweist schon stolz auf seine Enkel. Aber noch immer stehen
Sie voll im Berufsleben oder erleben, wie schmerzlich das ist, wenn man mit 55
Jahren nirgends mehr beruflich Fuß fassen kann. Mancher weißt stolz auf das von
ihm Geleistete, sieht sich noch auf einem beruflichen Höhepunkt. Statussymbole
dokumentieren, wie uns die Welt sehen soll. Und auf der anderen Seite steht die
Erfahrung, daß Lebensträume zerplatzt sind, daß vielleicht die friedliche Wende
im Jahr 1989 auch manche Anpassung hinterfragt hat. Die eigenen Kinder haben
sich schon abgenabelt. Manchmal wird der Leistungsdruck als übermächtig
empfunden.
Sie
erwarten sich für die Jahre, die vor Ihnen liegen Glück und Erfolg und
vielleicht auch das Geschenk, ihr Leben einfach zu nehmen, wie es ist. Und
manches betrachten Sie vielleicht auch mit Sorge. Was kann ich, was können wir
dafür tun, daß in meiner Umgebung Menschen mit Respekt, mit Achtung behandelt werden,
daß es eine gutes Miteinander gibt, das was hier im Bibeltext als Gemeinschaft
bezeichnet wird.? Was können wir dafür tun, daß es nicht nur das im Schlager
besungene „ein bißchen Liebe“ gibt, sondern Liebe und Zuwendung, die hält und
die trägt. Liebe, die eine gesellschaftliche Dimension hat als Solidarität
zwischen den Generationen, zwischen den ganz verschiedenen Gruppierungen
unserer Gesellschaft.
Sie
stehen an der Wende vom Berufsleben in de Ruhestand und haben in den letzten
Jahren vielleicht erlebt wie schmerzlich das ist, wenn man jenseits der 50
Jahre nirgends mehr beruflich Fuß fassen kann. Mancher weißt stolz auf das von
ihm Geleistete, sieht sich noch auf einem beruflichen Höhepunkt. Statussymbole
dokumentieren, wie uns die Welt sehen soll. Und auf der anderen Seite steht die
Erfahrung, daß Lebensträume zerplatzt sind, daß vielleicht die friedliche Wende
im Jahr 1989 auch manche Anpassung hinterfragt hat. Manchmal wird der
Leistungsdruck als übermächtig empfunden.
Die Gnade
Jesu Christi, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft der Heiligen
Geisteskraft sei mit euch allen! – wo kommt das vor, nicht nur als frommer
Wunsch sozusagen!
„Die
Gnade unseres Herrn Jesus Christus.“ In
diese Gnade ist jeder Getaufte gerufen. Gott gibt uns einen positiven Vorschuß
für unser Leben und er gibt diesen Vorschuß jedem. Gnade hat nichts mit
Schwäche zu tun, sondern eher mit Weisheit. In unserer Gesellschaft – und bei
weitem auch in anderen Zeitabschnitten, die Sie, liebe Jubelkonfirmanden erlebt
haben – da scheint es, als ob nur die Starken zählen. Aber jeder Mensch ist in
seinem Leben auf eine positive Zuwendung angewiesen, die er sich selber nicht
erwerben kann oder konnte. Und diese Zuwendung macht uns stark für das
Leben. Stark zu werden für das Leben
und Liebe, die menschliche Form der Gnade, zu erfahren, das geschah zunächst in
Ihrer Familie, die Sie auf das Leben vorbereitete, in der sie aufwuchsen. Sich
nicht nur zu behaupten, sondern auch dem anderen Raum zugeben, das kann auch
als Erwachsener wichtig sein, im Berufsleben, in der Familie.
Den
Schwachen stark zu machen, einem Menschen Liebe zu schenken und Gemeinschaft zu
schaffen das geschah in der eigenen Ehe, in der Familie, im Heranwachsen der
eigenen Kinder oder mit den Menschen, mit denen Sie zusammen lebten. Dort
konnten Sie Liebe geben, Gemeinschaft stiften. Und wie sagt ein Sprichwort:
„Das Alter macht barmherzig!“ Barmherzig gegenüber den eigenen Wegen und
Irrwegen und den Wegen und Irrwegen anderer.
Die
Gnade unseres Herrn Jesus Christus und
die Liebe Gottes. Wo ist Ihnen auf Ihrem Lebensweg etwas von der Liebe
Gottes begegnet? Unsere Väter und
Mütter im Glauben haben uns das aufgezeigt: Am deutlichsten sichtbar und
erfahrbar ist Gottes Liebe in der Person Jesu Christi, darin, daß Gott in unsere
Welt kam, um uns seine Liebe zu zeigen. Das ist sozusagen der 500-Euro-Schein
der Liebe muß übersetzt, wechselt werden in kleine Münzen. Denn am deutlichsten
erfahren wir Gottes Liebe durch Menschen, die uns Liebe erweisen. Und geliebte
Menschen wollen davon auch etwas weitergeben. Menschen, die uns Gottes Liebe in
kleiner Münze erwiesen haben, da werden Sie viele aufzählen können, die Eltern
zuallererst, die Familie, Geschwister, den Mann oder die Frau, der für ihr
Leben wichtig wurde, aber sicher auch Freunde und Wegbegleiter, die zu ihnen
gehalten haben.
Und das
verteilt sich auf ganz verschiedene Lebensabschnitte vor und nach dem zweiten
Weltkrieg, vor und nach der Wende hier in Ostdeutschland.
„Die
Gnade unseres Herrn Jesus Christus und
die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei
mit euch allen!“
Gemeinschaft haben Sie sicher auch ganz verschieden
erfahren. In Zeiten des Nationalsozialismus wurde die deutsche Volksgemeinschaft
beschworen, in der kein Platz war für andere Völker und Nationen und für
Menschen, die anders waren und dachten. Und nach dem Krieg sollte hier in
Ostdeutschland eine neue Gemeinschaft
herangebildet werden, Menschen eines neuen Menschenbildes geprägt werden. Aber
das geschah auf den Trümmern der Vergangenheit und auch mit den inneren und äußeren
Verletzungen, die aus dieser Zeit herrührten. Und die Menschen waren die
gleichen geblieben. Die neue Gemeinschaft verlangte ihre Opfer, um
dazuzugehören. Zur Konfirmationen 1958 da war ein Zwiespalt, in denen Sie als
Konfirmanden und Ihre Eltern gestellt waren. Pfarrer Grunert in Zehren, hat das
in seinen Erinnerungen festgehalten und beschrieben. Er schreibt: „Eltern und
Kinder gerieten in stärkste Gewissenskonflikte. So mancher Elternabend war von
Tränen begleitet, denn einerseits wollten sowohl Eltern als auch die Kinder
(nur) die Konfirmation, andererseits wollte man aber auch nicht den Kindern
Beruf und Zukunft verbauen.“
Wenn es da
ein Elternhaus gab, das Rückenhalt gab, das Liebe und Vergebungsbereitschaft
vorlebte, in dem man sich geborgen wußte, dann war das wohl die beste
Vorbereitung auf den Weg ins Leben.
Inzwischen
sind Jahrzehnte vergangen.
Gnade,
Liebe und Gemeinschaft. Das ist auch die Frage, Was kann ich, was können wir dafür tun,
daß Konflikt und Friedensfähigkeit unter uns wachsen? Was können wir dafür tun,
daß es nicht nur das im Schlager besungene „ein bißchen Liebe“ gibt, sondern
Liebe und Zuwendung, die hält und die trägt oder die Fähigkeit, einen Konflikt
fair zu beenden?
Vor 40,
vor 50, vor 60 Jahren ist Ihnen der Segen des dreieinigen Gottes zugesprochen
worden. Sehr verschieden werden Ihre Erfahrungen seitdem gewesen sein, mit der Gnade
unseres Herrn Jesus Christus und der Liebe Gottes und der Gemeinschaft
des heiligen Geistes, mit Gnade, Liebe und Gemeinschaft. Der Sonntag Trinitatis
sagt uns: Der dreieinige Gott bleibt ein Geheimnis, aber eine farbiges
Geheimnis, der in unseren manchmal grauen Alltag Farbe bringt. Die Grundlagen
unseres 2000 Jahre alten christlichen Glaubens haben heute noch nicht
ausgedient. Sie sagen uns, was wir brauchen, um besser, ruhiger und
menschlicher zu leben in einer Gesellschaft und in einer Kirche mit einem
menschlichen Antlitz. Unser Glaube, unserer Kirche hat von Gott zu reden.
-
kein gnadenloser Gott, der nur auf
sein Recht und seinen Vorteil aus ist und er das deshalb auch von uns erwartet
gegenüber unserem Mitmenschen.
-
kein liebloser Gott, der nur
Gewinn und Existenzkampf kennt, sondern der sich hingibt, verschenkt in Jesus
dem Gekreuzigten und der will, daß wir etwas von dieser Liebe weiterschenken.
-
kein einsamer Gott der
Einzelkämpfer und Erfolgsmenschen, sondern ein Gott, der durch seinen Geist
Gemeinschaft stiftet und schenkt.
Tag für
Tag stehen wir vor der Aufgabe, dieses Geschenk neu zu entdecken und zu
entfalten. Eine Aufgabe, die gelebt sein will und sich nicht in 10 Sätzen zusammenfassen läßt. Aber der
dreieinige Gott ist auf diesem Weg bei uns.
-
Er läßt Gnade vor Recht ergehen.
Dann wird es uns Herzensbedürfnis sein, uns für den einzusetzen, der ohne Gnade
nicht zu seinem Recht kommt.
-
Er schenkt uns jeden Tag seine
Liebe in Jesus Christus. Und wer von der Liebe berührt ist, der wird davon
weitergeben wollen.
-
Er stiftet Gemeinschaft in einer
Gesellschaft, die das Heil im Privaten sucht und sich in der Vereinzelung des
Einzelnen genug. ist.
Ich wünsche Ihnen, daß Sie in Ihrem Leben immer wieder spüren und erfahren können von
der Gnade Jesu Christi , von der Liebe Gottes und von der Gemeinschaft von
Gottes gutem Geist. Amen.
EG 358, 1.2.5 Es kennt der Herr
die Seinen Orgel
/ Gemeinde
Abkündigungen Nitzsche
Ansprache an Jubelkonfirmanden (dazu alle nach vorn - Halbkreis) Nitzsche /
Jubelkonf.
Heute in
diesem Gottesdienst erinnern wir uns daran, daß Sie vor 50 oder 60 Jahren hier
in der Michaeliskirche zu Zehren konfirmiert wurden. Wir begehen diese
Erinnerung im Namen Gottes, dessen Gnade und Wahrheit immer neu ist. Bei Ihrer
Konfirmation haben Sie sich entscheiden als Christen in dieser Welt zu leben
und den Glauben als eine Hilfe zum Leben zu verstehen.
Heute
erinnern Sie sich nach einem langen Weg, der auch von vielen Fragen und vielem Kummer durchkreuzt war, an diesen Tag
und auch an Jesus Christus, der uns immer wieder zu seinem Wort und Sakrament ruft. Gottes Barmherzigkeit hat noch
kein Ende, sondern ist alle Morgen neu.
Wir
wollen beten:
Danke, Gott, dass wir diesen Tag
erleben. Danke für die Menschen, die uns heute begleiten, für die Liebe und Freundschaft,
die sie uns schenken. Danke, Gott, dass wir bewahrt wurden in manchen Gefahren.
Vertrauen zu dir hast du in uns geweckt.
Wir bitten dich für unsere Kinder
und Enkel, dass auch sie deine Güte erfahren und das Vertrauen zu dir in ihnen wachsen
möchte. Wir rufen: Gemeinde: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für die Menschen,
die von ihrem Alter bedrückt sind, weil ihre Kräfte nachlassen und die Menschen
weniger werden, die ihnen vertraut sind. Wir rufen: Gemeinde: Herr, erbarme
dich.
Wir bitten dich für alle, die alte und kranke Menschen
betreuen, dass sie immer neue Kraft erhalten und in ihrem Herzen gestärkt
werden für ihren Dienst. Wir rufen: Gemeinde: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für die, um die es
still wird, weil ihre Sinne nachlassen, dass deine Liebe weiterhin einen Weg in
ihre Herzen finde. Wir rufen: Gemeinde: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für diejenigen, die
sich schwer tun mit der Welt, wie sie jetzt geworden ist, und sich in ihr nicht
mehr zurechtfinden, dass sie Geduld finden bei denen, die schneller sind und
schneller verstehen als sie. Wir rufen:
Gemeinde: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für jede und jeden
von uns, die diesen Tag nicht mehr erlebt haben: Lass sie in deinem Frieden
ruhen und unseren Herzen nahe bleiben. Wir rufen:
Gemeinde: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für uns alle:
Bringe uns zusammen. Heile die Risse, die es in uns und zwischen uns gibt,
damit wir neu werden Menschen, die deine Güte loben mit ihren Gedanken, Worten
und Taten, jetzt und in Ewigkeit.
Gemeinde: Herr, erbarme dich.
Überreichung
der Urkunden unter Nennung von Namen und Konfirmationsspruch
|
Herr |
Siegward |
Kühn |
Kühn |
13.09.1943 |
Dresden |
50. |
Nehmt auf euch mein Joch und lernt
von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe
finden für eure Seelen. |
Matth. 11,29 |
|
Frau |
Anita |
Lange |
Albrecht |
31.07.1944 |
Klappendorf |
50. |
Weise mir, HERR, deinen Weg, daß ich
wandle in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem einen, daß ich deinen
Namen fürchte. |
Ps. 86,11 |
|
Frau |
Renate |
Metze |
Friedrich |
14.02.1944 |
Lommatzsch |
50. |
Der HERR behüte dich vor allem
Übel, er behüte deine Seele. |
Ps. 121,7 |
|
Frau |
Ingrid |
Boin |
Gnieser |
10.11.1943 |
Kummien |
50. |
Denn es sollen wohl Berge weichen
und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der
Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer. |
Jes. 54,10 |
|
Herr |
Peter |
Böhm |
Böhm |
20.01.1944 |
Königsberg |
50. |
Wer nun mich bekennt vor den
Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. |
Matth.
10,32 |
|
Herr |
Christian |
Lau |
Lau |
16.02.1944 |
Roitzsch |
50. |
Wachet, steht im Glauben, seid
mutig und seid stark! |
1. Kor. 13,13 |
|
Frau |
Irmgard |
Heine |
Jentsch |
16.05.1944 |
Lommatzsch |
50. |
Laßt uns lieben, denn er hat uns
zuerst geliebt. |
1.Jo. 4,19 |
Segen
Liebe
Jubelkonfirmanden!
Jesus Christus
spricht:
„Siehe
ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“
Das
bedeutet:
Er will
Sie begleiten auf dem Weg, den Sie von heute an weitergehen werden - so wie er
sie - spürbar oder verborgen - begleitet hat seit dem Tag Ihrer Konfirmation.
Durch
ihn, durch Christus, gebe Ihnen Gott auch in Zukunft, was er Ihnen damals
zugesagt hat:
Gott
Vater, Sohn und Heiliger Geist gebe Euch seine Gnade
Schutz
und Schirm vor allem Argen,
Stärke
und Hilfe zu allem guten,
daß ihr
bewahrt werden zu ewigen Leben.
(Hände zum Segen erheben)
Der
Segen des dreieinigen Gottes
komme
über euch und bleibe bei euch,
jetzt
und für immer. (Friede (+) sei mit euch.
Amen.
Die Jubelkonfirmanden nehmen Platz.
Orgelstück Orgel
Schlußliturgie Nitzsche
EG 317, 1-3 Lobe den Herren,
den mächtigen König Orgel
/ Gemeinde
Nachspiel
(Auszug der Gemeinde, Juko noch Foto im Altarraum) Orgel
|
|
|
|
Konfirmationsjahrgang
1948 |
Konfirmationsjahrgang
1958 |
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Letzte
Aktualisierung: 6.6.2009
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