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Ev.-Luth. Kirche Dörschnitz

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Seiteninhalt:

*  Baugeschichte und Beschreibung der Dörschnitzer Kirche

*  Betrachtung zur Christus-Johannes-Gruppe der Dörschnitzer Kirche

*  Dörschnitzer Christus-Johannes-Gruppe bei  Update-Seele.de (49.Kalenderwoche)

 

Ev.-Luth. Kirche Dörschnitz

 

Baugeschichte

Im Jahr 1180 wurde die erste Kirche durch Konrad Spanseil, einen Minister Otto des Reichen gestiftet und 1717-1720 durch einen Neubau ersetzt. 1734 erfolgte der Neubau des Kirchturms, der 1843 seinen heutigen Turmhelm erhielt. 1896 wurde das Kirchenschiff als italianisierender Saalbau durch Julius Zeißig (Leipzig) völlig neu aufgebaut.

 

Kirchenraum

Der Saalbau setzt sich mit einem niedrigerem Chorraum (Quertonnengewölbe) fort und wird von einer dreiseitigen Holzempore auf Gußeisensäulen umfangen. Die Orgel wurde 1872 von der Firma Kreutzbach in Borna erbaut. Zur Betrachtung lädt im Chorraum die Skulpturengruppe „Johannes an der Brust Christi“ (Replikat eines Originals von 1320, Oberschwaben) ein. – Einige Gedanken dazu finden Sie weiter unten.

 

Gottesdienste

 9.30 Uhr Evangelischer Gottesdienst (14 tägig)

 

Pfarramt

Die Kirchgemeinde Dörschnitz-Striegnitz steht in einem Schwesternkirchverhältnis zur Kirchgemeinde Lommatzsch- Neckanitz.

 

Besichtigungen

Der Schlüssel für Besichtigungen ist erhältlich (im Pfarrhof) bei:

Herrn Erich Michael, Dorfstr. 40

01623 Dörschnitz

Tel.: 035241 / 58751

 

 

Zuständiger Pfarrer:

Burkhard Nitzsche

Bergstr. 11, 01665 Zehren

Tel.: 035247 / 50010

Fax: 035247 / 50015

 

Im Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler von Georg Dehio (Sachsen I)  von 1996 wird die Dörschnitzer Kirche folgendermaßen beschrieben:

DÖRSCHNITZ

Kr. Meißen-Radebeul - Inv. Meißen-Land

Ev. Pfarrkirche. Italianisierender Saalbau, 1896 von Julius Zeißig errichtet, Westturm vom Vorgängerbau, 1734.

Putzbau mit eingezogenem niedrigem Chor, südlichem Sakristei- und nördlichem Vorhallenanbau. Die Fassaden des Schiffs zweizonig gegliedert, mit je einem großen oberen Rundbogenfenster und einem kleinen Biforium je Fensterachse. Die Fensterbögen durch Putzquaderungen betont. - Das Hauptdach mittelsteil, mit Überstand, die Anbauten mit flachen Schopfwalmen, der Turm mit hoher geschweifter Haube über Rechteckgrundriß, verschiefert. Der Saal mit Flachdecke und dreiseitiger Holzempore auf Gußeisensäulen, der Altarraum von Quertonne überwölbt.

 

 

Christus-Johannes-Gruppe

( Replikat, Original: Vergoldete und bemalte Plastik aus Lindenholz, 1320, aus Sigmaringen, Museum Berlin-Dahlem )

 

Stiftung von Herrn Max Büchner,

Pahrenz, Neuhaus am Schliersee

1903-1999

 

1320 - Die Furcht geht um in allen Landen. Das Leben ist unsicher geworden. Die großen Herren führen Kriege. Die kleinen Herren befehden sich untereinander. Die Ritter verarmen. Manche Burg wird zur Raubritterburg. Wo gibt es noch einen sicheren Ort? Ein neuer, bisher unbekannter Schrecken erhebt sich: die Pest. Sie entvölkert ganze Dörfer, dezimiert die Städte. Wo gibt es noch Zuflucht? Der Papst wurde gefangen genommen und nach Frankreich geführt. In Rom beansprucht ein Gegenpapst die Macht. Drei deutsche Könige streiten sich, wer der rechtmäßige sei. Wem kann man noch vertrauen?

Den einfachen Menschen ist es, als verlören sie den Boden unter den Füßen. In solcher Unsicherheit und Not suchen sie Halt und Trost in ihrem Glauben. Sie flüchten zu Christus, dem Gottessohn in Menschengestalt. Sie setzen sein Bildnis in die Seitenkapellen, in die Andachtsnischen der Kirchen. Jeder sucht eine ganz persönliche Bindung an Christus. Ihm klagt man sein Leid, findet Trost im Gebet, in der Meditation. So wie bei dieser Plastik Johannes seine Hand in der seines Herrn ruhen lässt, so suchen auch sie die Hand eines stärkeren Freundes.

Der schlafende Johannes und der wachende Beschützer Christus, diese beiden Gestalten bilden hier eine Einheit. Wie sie innerlich zusammengehören, so auch äußerlich. Nur der Christuskopf ragt aus dem Block hervor, ein großer Kopf, in dem die dunklen, welligen Haare ein zartes, junges Gesicht rahmen. Christus schaut nicht Johannes an. Sein Blick ist vielmehr nach innen gekehrt. Gerade dadurch zeigt sich seine tiefe Zuneigung zu diesem Jünger. Ganz leicht neigt er seinen Kopf zu ihm hin.

 

Vielleicht wird gefragt, warum solch große Köpfe aus so schmalen Schultern erwachsen. Die Gotik stellt das Geistige weit über das Körperliche. Darum ist der Kopf mit seinem Ausdruck besonders wichtig. Schmale Schultern sind in der Gotik allgemeines Schönheitsideal. Die schrägen Augen sind die persönliche Note dieses Künstlers, dessen Namen wir nicht kennen.

 

Verstehen und Güte sprechen nicht nur aus dem Christusgesicht, sondern auch aus der Geste seiner Hände: Die eine hat er Johannes auf die Schulter gelegt, die andere stützt dessen Rechte. Sehr gerade ist die Christushand, als sei sie ein festes Fundament, dem man selbst im Schlaf vertrauen kann. Dass Johannes schläft, Ist ein sichtbarer Ausdruck dieses Vertrauens. Er hat seinen Kopf ganz zur Seite gelegt. Wenn es in einer Redewendung heißt „Mir liegt etwas am Herzen“, so könnte man hier sagen: „Dem Christus liegt dieser geliebte Mensch am Herzen.“ Der gläubige Christ, der die Plastik betrachtete, fühlte sich als Johannes.

 

Du und ich - diese enge Beziehung wird nicht nur in Gesichtern und Haltung ausgedrückt. Der Faltenwurf der mittelalterlichen Plastiken ist auch Ausdruck der Seele. Wie Johannes die Hand ausstreckt, so streben auch die Falten seines schlichten Gewandes alle hin zu Christus, in vielen feinen Linien. Die Falten des Christusgewandes fallen gerade, nur unten am Saum knicken sie leicht ab: „Folge mir, ich gehe voran!“ Zwischen den Knien bilden sich „Schüsselfalten“. Diese plastisch ausgeprägten Formen gehen aufeinander zu!

 

Über die Knie der beiden Gestalten hat der Künstler als weiteres Zeichen der Zusammengehörigkeit ein schmales Tuch gelegt. Dem gab er eine zartrote Farbe. Rot - Farbe der Liebe und des Lebens. Die großen Flächen der Gewänder sind ganz mit feinem Blattgold bedeckt. Gold - das Kostbarste, was es gab. Dieses Gold der Christus-Johannes-Gruppe müssen wir uns im Widerschein vieler flackernder Andachtskerzen vorstellen. Mit dem Gold werden die beiden Gestalten über ihre irdische Erscheinungsform hinausgehoben in eine geistige Sphäre.

Erika Haarhaus

(Mit freundlicher Genehmigung des Verlags Bergmoser+Höller, Aachen)

 

Bilder aus der Kirche Dörschnitz

 

Ein Altartuch - Parament -  für die Feste der Kirche (Kirchweih, Pfingsten, Reformationstag)

Christus als Osterlamm trägt eine Siegesfahne

 

Aus einem Osterlied („Auf, auf mein Herz mit Freuden)

 

Er war ins Grab gesenket,

der Feind trieb groß Geschrei;

eh er's vermeint und denket,

ist Christus wieder frei

und ruft Viktoria,

schwingt fröhlich hier und da

sein Fähnlein als ein Held,

der Feld und Mut behält.

(EG 112,2)

 

Blitzschutz- und Elektroarbeiten an der Dörschnitzer Kirche

Die Blitzschutzanlage der Dörschnitzer Kirche befand sich in einem sehr schlechten Zustand, nachdem bei Dacharbeiten 1989 große Teile der Blitzschutzanlage demontiert und nicht wieder montiert wurden. Im Grunde genommen hatte die Dörschnitzer Kirche als höchstes Gebäude des Ortes über 10 Jahre überhaupt keinen funktionierenden Blitzschutz. Wir können nur dankbar sein, daß in dieser Zeit keine Schäden durch Blitzschutz entstanden sind.

Im Sommer des Jahres wurde deshalb von der Firma Elektrotechnik Riesa GmbH die gesamte Blitzschutzanlage geprüft, ergänzt, erneuert und mit funktionstüchtigen Tiefenerdern versehen.

 

In der Elektroanlage der Dörschnitzer gab es ebenfalls eine Reihe von Mängeln, die u.U. zu Sicherheitsproblemen hätten führen können. Deshalb wurde die Elektroinstallation im Kirchenschiff, in der Sakristei, im Kirchturm sowie die Außenbeleuchtung komplett erneuert. Die Arbeiten führte die Firma Zschoche aus Altlommatzsch aus. Lediglich die zwei Kronleuchter im Kirchenschiff, die mit einer neuen Aufhängung versehen wurden, konnten noch nicht erneuert werden, da dies zu  kostenintensiv geworden wäre. Dieses Vorhaben bleibt für später.

 

Letzte Bearbeitung: 14.4.2010

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