- 825 Jahre Dörschnitz –

-        800 Jahre Striegnitz, Pahrenz, Lautzschen, Paltzschen –

Ev.-Luth. Kirchgemeinde Dörschnitz-Striegnitz

 

 

Rückblick 825-Jahrfeier Dörschnitz  4.-10.Juli 2005

Sonntag,  3.Juli 2005

14.00 Uhr Chortreffen „Was singt und klingt in der Lommatzscher Pflege“ 

Ev.-Luth. St.Petruskirche Dörschnitz

Montag, 4.Juli 2005

19.00 Uhr Vortrag: „Deutsche Kirche im Sorbenland - Heimatliche Kirchengeschichte im hohen  Mittelalter (10.-13.Jhd.)“  Prof. Karlheinz Blaschke

Ev.-Luth. St.Petruskirche Dörschnitz

Mittwoch, 6.Juli 2005

19.00 Uhr Geistliche Abendmusik KMD i.R. Eberhard Fritzsch, Meißen und Solisten

Ev.-Luth. St.Petruskirche Dörschnitz

Freitag, 8.Juli 2005

19.00 Uhr Eröffnung der 825-Jahrfeier in Wort und Musik

Mitwirkende: Volkschor Dörschnitz, rondo piccolo

Ev.-Luth. St.Petruskirche Dörschnitz

Sonnabend, 9.Juli 2005

Festprogramm der Dörschnitzer Vereine auf dem Festplatz  

Sonntag, 10.Juli 2005

9.30 Uhr Festgottesdienst zur 825-Jahrfeier

Mitwirkende: Posaunenchor Lommatzsch

Ev.-Luth. St.Petruskirche Dörschnitz                                                   ( 15.7.2005)

 

Wir veröffentlichen an dieser Stelle zwei fast 100 Jahre alte Texte über die Geschichte der Dörschnitzer und Striegnitzer

Kirchgemeinde aus der „Neuen Sächsischen Kirchengalerie“ von 1904 sowie zwei Auszüge aus Werner Schlesingers

Kirchengeschichte Sachsens im Mittelalter:

 

Die Parochie Dörschnitz

Die Parochie Striegnitz mit Mehlteuer

Ersterwähnung Kirche Dörschnitz (Schlesinger)

Ersterwähnung Kloster Dörschnitz (Schlesinger)

Die Pfarrer von Dörschnitz

Die Pfarrer von Striegnitz

 

 

Die Parochie Dörschnitz


Dörschnitz, früher zur Ephorie Oschatz, jetzt nach Meißen gehörig, liegt ¾ Stunde von Lommatzsch entfernt, nach Riesa zu, nicht weit von der früheren alten Poststraße zwischen Leipzig und Dresden. Die 1875 erbaute Riesa-Nossener Eisenbahnlinie nimmt ihren Weg durch die Dörschnitzer Fluren, ganz nahe am Orte vorbei (Station Prausitz und Lommatzsch). Der hoch aufgeworfene Eisenbahndamm führt über die Stelle des früheren Paltzschener Sees hinweg, der in alter Zeit bis ziemlich an Dörschnitz soll herangereicht haben. Noch heute heißt ein Wassergraben zwischen Paltzschen und Dörschnitz der Seegraben. Der sehr fischreiche große und kleine See war berühmt wegen der Wallfahrten, die man zu ihm machte, und der Opfer, die man einem hier befindlichen Götzenbilde brachte. Der ausgetrocknete See ist in Feld umgewandelt worden. Ein früherer Dörschnitzer Pfarrer M. Joh. David Pielitz, 1777, ein Lommatzscher Kind, vorgebildet auf der Königl. Und Churfürstl. Landesschule Pforta, hat dort das Thema zu seiner Abschiedsrede von dem Paltzschner See genommen, den er später in seiner ganzen Lage stets vor Augen gehabt habe. Er preist es als wunderbare Güte Gottes und seiner Wege, daß er 1729 von Ihrer Exzellenz, dem nun hochseligen Herrn Geheimen Rat Bosen hierher ins Pfarramt berufen worden sei. (Vgl. Curiosa Saxonica, 1744 p. 201–207).

Das Dorf Dörschnitz soll ehemals dem Kloster zum heiligen Kreuz in Meißen angehört haben; es sei dann das hiesige Rittergut in die Hände der Familie von Schleinitz gekommen; zu Anfang des 16. Jahrhunderts soll es ein gewisser Balthasar von Zeschwitz, dann ein Herr von Bose, ein Rudolph von Ende, ein Christoph Dittrich von Plötz besessen habe; dann ein Amtmann Kemter aus Meißen, dann Hauptmann Hermann, hierauf Joh. August Leberecht Albanus, früher Besitzer der Apotheke zu Meißen. Gegenwärtig gehört das kleine Rittergut der Großmannschen Familie. Stiftungsgemäß ist hier noch alljährlich (D.I.p.Tr. nachm.) eine Sterbegedächtnispredigt für Dittrich August Gotthardt von Plötz zu halten, der als einziger Sohn eines früheren hiesigen Gutsherrn 1770 auf der Universität Wittenberg verstarb. Früher hatte auch auf den schönen Dörschnitzer Wiesen die Lommatzscher Fischerinnung das Hutungsrecht, wofür sie Inselzins an Kirche und Pfarre zu leisten hatte; in neuerer Zeit ist derselbe abgelöst worden. In alten Zeiten sollen sich in Dörschnitz am Eingange des Dorfes, nach Osten zu, sogenannte Götzenhügel befunden haben, auf welchen bei Hochzeiten getanzt worden sei. Siehe noch am Schlusse der Chronik die Bemerkungen. Jetzt sind sie eingeebnet und es stehen Häuser dort. – Über den Paltzschner See hat auch Georg Fabricius, Rektor zu Meißen 1547–1571, geschrieben in seinen Annalibus urbis Misnae pag. 76. – Über einen unter einem Hügel bei Dörschnitz verborgenen Schatz kann man nachlesen Curiosa Sax. 1744 p. 204 ff., desgleichen über bestrafte Schatzgräber vergleiche Gräße, Sagenschatz, 1. Band, Nr. 224. Derselbe berichtet auch Band 1, Nr. 86 über den Wundersee. In dem Buche: das Meißner Niederland von Hofmann, Meißen 1853, Seite 144 heißt es: Dörschnitz (urk. Dersoniz):

Die Kirche zu Dörschnitz stiftete 1180 Konrad Spanseil, Minister Otto´s des Reichen. Er legte auch hier 1206 ein Spital an, das aber 1233 in ein Benediktiner-Nonnenkloster, Marienpforte genannt, umgewandelt wurde. Der Papst Innocenz IV. bestätigte dasselbe 1251; später aber wurde es nach Sitzerode verlegt. Derselbe Beamte des Markgrafen Otto stiftete auch das hiesige Pfarrlehn. 1717 wurde die zu kleine Kirche abgebrochen und die neuerbaute 1720 eingeweiht. Bei diesem Bau wird die Mildthätigkeit des Herrn v. Bosse gerühmt, wie auch die Willigkeit der Kirchfahrt. Auf Anordnung des genannten Herrn wurde 1734 der baufällige Kirchturm abgetragen und um drei Ellen erhöht, auch mit einem Knopfe geziert. Im Laufe der Jahre machte sich der Apotheker Albanus durch Schmückung der Kirche im Innern und Äußeren verdient, schenkte Altar- und Kanzelbekleidung und den noch vorhandenen Taufstein, der aber nun durch einen neuen ersetzt werden muß. Auch die Mauer um den Kirchhof ist unter ihm hergestellt worden. 1828 erhielt die Kirche wieder ein freundlicheres Aussehen. Nachdem die Birnenform des Turmknopfes sich herabgeneigt hatte, empfing der Turm 1843 das jetzige Aussehen. Der Turm wurde in seinem Holzwerke ausgebessert, mit Schiefer neu bedeckt und neu bekrönt im Jahre 1893; Blitzableitung erhielt er, wie auch die Pfarre, im Jahre 1879. Das im Laufe der Jahre baufällig gewordene Kirchenhaus wurde unter treuem Beistande des Kirchenvorstandes und unter Willigkeit der Gemeinde vom Grunde aus neu erbaut, und zwar unter der trefflichen Leitung des Herrn Kirchenbaumeisters Zeißig aus Leipzig. Die Weihe des in seinem Inneren und Äußeren so lieblichen Gotteshauses fand am Trinitatis-Feste 1896 statt. Die Weihe der von Kreutzbach in Borna erbauten trefflichen Orgel konnte im Jahre 1872 geschehen, desgleichen auch konnte vorher in demselben Jahre Glockenweihe gehalten werden, nachdem ein Dörschnitzer Pfarrerssohn, Herr Privatus Öhmichen, der Kirche zwei neue Glocken geschenkt hatte. Sie wurden von den Gebrüdern Große in Dresden gegossen und stimmen mit der einen Glocke, die bleiben konnte, in reinem, weithin hallendem, harmonischem As-Dur-Dreiklang  lieblich zusammen. Auch eine Vorrichtung zur Erleichterung des Läutens wurde 1881 angebracht. Im Jahre 1873 konnte durch Herrn Großuhrmacher Baßler in Lommatzsch und zwar durch freiwillige Gaben der Gemeinde Dörschnitz eine neue Turmuhr aufgestellt werden.

Die Pfarrer in Dörschnitz: 1. Der erste evangelische Pfarrer ist ein gewisser Dionysius gewesen. Nach Kamprads Leisniger Chronik, Seite 327, ist er 1539 hier angetreten und hat Dionysius Haußmann geheißen, war vorher Pfarrer in Sitten. 2. Blasius Widemour seit 1555, stammte aus St. Veit in Kärnten, unterschrieb die form. Concord. 3. Donat Reichenberg, 1577-1539. Unter ihm wütete hier die Pest, sodaß 1585 hier 109 Personen starben. 4. M. Friedrich Rechenberg, des Vorigen Sohn, in Großenhain geboren, erst des Vaters Substitut, 1603-1609. 5. Hieronymus Jünger aus Börln, seit 1610, starb aber schon 1611 an der Pest, mit ihm in diesem Jahre wieder an dieser Krankheit 57 Personen. 6. Bartholomäus Marb aus Donauwörth, 1611 bis 1636. In einem alten Kirchenbuche befindet sich sein gemaltes Wappen. 7. Paulus Linke, früher in Skassa, 1636 bis 1637. Es starben 133 Personen an der Pest, in der Pfarre allein sieben. 8. Georg Dietrich von Liehn, 1638 bis 1682, stammte aus einem aus Flandern vertriebenen Geschlechte von der Liehn. 9. M. Abraham Himmler, 1682-1687, vorher in Linz und Sitzerode. 10. Johann Barthel aus Grimma, 1688bis 1716. 11. Joh. Tobias Winkler aus Greifendorf, 1716 hier, dann 1720 Pfarrer in Kötzschen bei Merseburg, 1728 Pfarrer in Leuben bei Lommatzsch, 1750. In des folgenden Hankels Vokationsurkunde „ad Pastorum Gross- und Klein-Rössen durch generosa vidua de Klengel unterm 23. September 1715 ist Dörschnitz „Derlsenitz“ genannt. 12. M. Joh. Ernst Hankel aus Torgau, zuvor Pfarrer in Rösen bei Herzberg, hier 1720 bis zu seinem Tode 1729. 13. M. Joh. David Pielitz aus Lommatzsch, 1729-1776 hier. In Schulpforta hat er seine Abgangsrede über den Paltzschener See gehalten. 1742 begann er das Kirchenbuch mit dem Wunsche: utinam nemo ex his omnibus pereat! 14. Johann Sebastian Schwingenstein, früher in Coselitz, hier 1776-1782, stammte aus dem Städtchen Markbreit in Franken; seine Eltern waren röm.-kathol., traten mit ihm 1732 zur ev.=luth. Religion über. Nachdem ihn nach gehaltener Bußtagspredigt am 8. November 1776 in der Sakristei unter dem Liede „Aus tiefer Noth“ ein Schlagfluß befallen hatte, starb er bald darauf, als man ihn in seine Wohnung getragen hatte. (Vgl. hiesige Todtennachrichten 1782, Nr. 13). 15. Johann Gottlieb Öhmichen, aus Mahlis bei Mügeln, hier 1783-1822. Sein Sohn, der Seifensiedermeister in Lommatzsch war, schenkte der hiesigen Kirche in dankbarer Erinnerung an seinen Geburtsort und der langen Wirksamkeit seines Vaters allhier zwei neue Kirchenglocken. 16. Theodor Gottfried Richter aus Bockendorf, von 1823-1833 allhier, starb auf der Irrenanstalt zu Sonnenstein. Unter ihm ist auch der Pfarrgarten, der vorher völlig abhängig und voller Löcher war, geebnet worden. 17. Heinrich Otto Haan (nicht Horn, wie es in der alten Kirchengalerie heißt), hier von 1834-1868. Unter ihm war der Pfarrgarten der vielen Rosen halber, die er züchtete und pflegte, gern besucht. Nach ihm trat als 18. Pfarrer in Dörschnitz am 2. Februar 1869 an der Unterzeichnete: Friedrich Julius Körner, geb. in Mölbis bei Borna, von 1864 bis 1869 Diakonus in Riesa. Unter ihm empfing die Kirche neue Glocke, Orgel und Uhr. Die Erweiterung des hinter der Schule gelegenen Gottesackers fand statt, die Erneuerung des Kirchturmes und der völlige Neubau des Kirchenhauses. Nachdem die Civilehe ins Leben getreten, war für Dörschnitz der erste Standesbeamte Gutsbesitzer Wittig, nach ihm Gutsbesitz Heinze, für Parenz Gutsbesitzer Hennig, dann Melchior, jetzt Stationsverwalter Lungwitz in Prausitz. Der treu verdiente Kantor Thieme feierte sein 50jähriges Amtsjubiläum; 45 Jahre hat er hier allein das Kirchschulamt verwaltet. Nach seiner Emeritierung begann die Anstellung von Hilfslehrern. Unter dem Pastorate des Unterzeichneten traten in Gebrauch: Die neue Agende, das neue Pericopenbuch, das neue Gesangbuch. Die Anstellung von Bezirksschulinspektoren vollzog sich. Am 2. Februar 1894 konnte der unterzeichnete Pfarrer hier durch Gottes Gnade sein 25jähriges Ortsjubiläum feiern.

Die Kirchschullehrer. Aus alter Zeit wird ein Joh. Gottfried Flegel genannt, vor ihm noch um 1685 Andrea Lotten und Lotter, der 1735 hier die goldene Hochzeit feierte; dann Joh. Christoph Beuhne und sein Sohn Joh. Georg Beuhne. 1832 wurde Christian Friedrich Thieme Kirchschullehrer, der am 15. September 1878 sein 50jähriges Lehrerjubiläum feierte. Nach diesem war das Kirchschulamt in den Händen folgender Männer: Karl Franz Lindner; Emil Theodor Fürchtegott Pflugbeil; Albert Barsch; zur Zeit Max Kunath.

Die Hilfslehrer waren von 1879 folgende Herren: Dietze, Blähm (1882), Lippold (1884), Renker (1887), Fischer (1890), Saalbach (1892), Eder (1895), Moritz ( 1896, Schulvikar), Kästner (1897), der jetzige Hilfslehrer Otto Steinmüller trat 1899 in seine Stellung.

Die Dörschnitzer Kirchenbücher reichen bis zum Jahre 1685 zurück. 37 Jahre nach dem 30jährigen Kriege hat der damalige Schulmeister Andrea Lotten angefangen, Kirchennachrichten zu führen; im Jahre 1686 übernahm die Führung „um gewisser Ursachen willen“ der Pfarrer Johann Barthel, und sind dann von den Pfarrern die Geburts-, Tauf-, Trauungs- und Todtennachrichten bis auf den heutigen Tag festgesetzt worden. Es finden sich in den Kirchenbüchern, besonders aus der Zeit des siebenjährigen Krieges manche interessante Notizen.

 

Erbauung der Pfarre und Schule.

Das Pfarrhaus ist 1823 neu erbaut worden, das sogenannte Pächterhaus aber ist kaum noch reparaturfähig. Die Umdeckung des Pfarrhauses ist 1900 geschehen. Durch einen Pfarrhausbaufonds, entstanden durch Wegschlagen des Pfarrholzes, können von den Zinsen jährlich kleinere Ausgaben an den Gebäuden mit bestritten werden.

Das jetzige Schulhaus ist 1840 erbaut worden. 1837 traten die nahe gelegenen Dörfer Sieglitz, Lautzschen (Lommatzscher Anteils) und Paltzschen zu hiesigem Schulverbande.

Der in Dörschnitz 1841 verstorbene Gutsbesitzer Johann Gottlob Striegler erwarb sich auch höheren Ortes Anerkennung dadurch, daß er eine Verbesserung an den Maschinen zum Reinigen des Getreides erfand.

Zur Parochie Dörschnitz gehören folgende Ortschaften:

1. Klappendorf an der Leipzig-Dresdner Straße mit dem immer berühmten Gasthofe „Zur Hubertusruhe“. Ehe die Eisenbahn zwischen Leipzig und Dresden erbaut wurde, gab es hier den lebhaftesten Verkehr. Im Jahre 1816 wurde die Poststation von Stauchitz hierher verlegt. Postmeister war Christian Adolph Schmorl. Von hier wurden die Briefe ausgetragen, selbst in die Stadt Lommatzsch. Der letzte Briefträger liegt in Dörschnitz begraben. Auch das Dörschnitzer Rittergut, welches früher eigene Gerichtsbarkeit hatte, hatte in Klappendorf noch Besitzung.

2. Parenz, wie die Kirchenbücher fast stets neben Parentz und Parnitz schreiben (verbreitet ist auch die Schreibweise Pahrenz), gehörte früher unter die Gerichtsbarkeit Jahnishausen. Daher auch heute noch um Aufnahme hiesiger Schulkinder in die Gestiftsschule zu Mehltheuer angehalten werden kann. Vor 1180 soll Parenz zu Leuben gehört haben. Leuben ist für diese Abtretung an Dörschnitz von jenem Konrad, der die Kirche zu Dörschnitz stiftete, dadurch entschädigt worden, daß er ein neues Dorf baute und nach seinem Namen Konradsdorf nannte (jetzt die sogenannten Katzenhäuser) und dieses mit Bewilligung des Burggrafen zu Meißen als Entschädigung der Parochie Leuben zuerteilte.

3. Lautzschen, Dörschnitzer Anteil: ein Sechs-Hufengut, eine Wirtschaft und ein Haus. Hinter dem schönen Gute liegt eine Insel. Es ist anzunehmen, daß es früher ein Klostergut gewesen ist. In alten Nachrichten (Curiosa Saxonica 1744 p. 201-209) liest man: eine Viertelstunde von Dörschnitz ist in Lautzschen in eines Bauern Garten auch ein großer Berghügel, um und um mit fischreichen Quellwasser umgeben. Als dieser Teich einstens geräumt wurde, hat man unten am Hügel neben mancherlei Dingen auch eine kleine Antiquität mit ausgegraben, die in die Hände des früheren Pfarrers Pielitz allhier gekommen ist. Er schreibt darüber: „Es ist ein kleines steinernes schwarzes Männchen, etwa fünf Zoll lang, nackend gebildet, mit kurz verteilten Haaren und zusammengehaltenen Händen; ich halte es für ein Götzenbild, was es aber sonst bedeutet, darüber wünschte ich eines guten Antiquarii Meinung zu hören.“

Nachbemerkungen:

1. Aus alten Ständeregistern hiesiger Kirche ist ersichtlich, daß auch die eingeschulten Ortschaften Sieglitz und Lautzschen sich in hiesiger Kirche Sitze lösen konnten. In der neuen Kirche hat keine Verlosung der Plätze wieder stattgefunden. Auch haben die Herren Pastoren zu Lommatzsch, der vorige wie der jetzige, immer freundlich genehmigt, daß auf Wunsch der Eltern die Dörschnitzer Schulkinder aus den nach Lommatzsch gehörenden Ortschaften am Schulorte den Konfirmanden=Unterricht genießen und konfirmiert werden konnten.

2. Zu Dörschnitz bei Lommatzsch stand das Götzenbild Zschernebock an mehreren Orten. Hiervon rühren die sogenannten Götzenhügel her. Der letzte nach Morgen gelegene wurde 1816 an zwei Hausgenossen in Klappendorf übergeben, da diese wegen der Postverlegung nach Klappendorf das dortige herrschaftliche Haus verlassen mußten. Sie ebneten die Hügel und bauten Häuser darauf. Noch im Jahre 1744 war es üblich, auf diesen Hügeln zu tanzen. P. Pielitz ist der Meinung, daß diese Hügel im 30jährigen Kriege aufgeworfen wurden, um auf ihnen zu wachen und nach den nahenden Feinden auszuspähen!! Von einem Hügel, „eine kleine Ecke vom Dorfe hinaus gen Morgen, am kleinen Holze“, sei es anmerklich, daß darunter und etliche Ellen herum alles sehr hohl klänge, als ob man über einem Keller ginge, wie man denn auch mit Stecken und Rechenstielen hineinstechen und bohren kann, ohne festen Widerstand oder Grund zu finden. Es habe sich auch, weil es daselbst nicht gar zu richtig sein solle, noch niemand sehr getrauen wollen, tief nachzugraben.“

3. Einiges über die vasa sacra hiesiger Kirche pp. Ein altes zinnernes „Taufböcken“ von 1716 ist nebst zinnerner Taufkanne noch vorhanden, aber durch ein Taufgeschirr aus Meißner Porzellan ersetzt worden, und zwar ist dasselbe das Geschenk eines Parenzer Gutsbesitzers. Die zinnernen Altarleuchter sind ebenfalls durch neue (ein Geschenk aus Dörschnitz) ersetzt worden.

Neben einer zinnernen Hostienschachtel, 1766 geschenkt worden von J. F. v. P. ist noch eine silberne vorhanden, 1791 geschenkt von G. A. G. v. G u. F. L. v. B. geb. v. U. Eine silberne Patene, geschenkt 1793 von einem Ungenannten beim Eintritt ins sechzigste Lebensjahr trägt die Gravierung: Jesus gaza bonorum. Die zinnerne Abendmahlskanne ist durch eine silberne ersetzt worden, Geschenk eines früheren Dörschnitzer Kirchenvorstehers. Der goldene Abendmahlskelch ist 1766 geschenkt worden von C. D. P. und in den siebziger Jahren ließ ihn Joh. Andr. Barth wieder echt vergolden. Ein neues silbernes Altarkruzifix ist durch die Gemeinde beschafft worden, wie auch zwei Altarteppiche durch die Jugend, desgleichen einer aus Lautzschen gegeben worden. Die Altarbekleidung ist seinerzeit bei Hietel in Leipzig (durch freiwillige Gaben) gefertigt worden.

4. Die Pfarrbibliothek enthält etwa fünfzig Bücher, meist Kirche und Schule betreffendes.

 

J. Körner, Pfarrer

Dörschnitz um 1830

 

Klappendorf um 1830

 

Quelle: Neue Sächsische Kirchengalerie. Die Ephorie Meißen, Leipzig: Verlag Arwed Strauch 1902.

Sp. 1059 – 1068

 

Die Parochie Striegnitz mit Mehltheuer


Die Parochie Striegnitz, 3 ½ km von Lommatzsch und 12 km von Riesa entfernt, zwischen den beiden Eisenbahnlinien Riesa-Nossen und Riesa-Döbeln gelegen, wird schon 1205 in einer Urkunde erwähnt. Dietrich II. begründet mit Zustimmung des Domkapitels bei der Afrakirche einen Konvent der Augustiner-Chorherren, Pfarrrechte und Einkommen der Afrakirche unter Zusicherung des Schutzes der Stiftung durch den Landesherrn Markgraf Diedrich. Man giebt der Afrakirche omnes possessiones, quasi saepedicta ecclesia in praesente quiete possidet, videlicet octo mansos in Storcknitz (der Herausgeber bemerkt, daß Striegnitz 1377 Stregenwitz genannt wird). Im Jahre 1206 wird ein gewisser Albrecht als Pfarrer in Striegnitz genannt. Aus andern Nachrichten ergiebt sich, daß die Kirche daselbst eine der ältesten im Meißner Stift gewesen und 1346 als die zweite Tochterkirche des damaligen Propstes in Lommatzsch zu dessen Sprengel gehört habe.

Im Jahre 1544 hatte die Reformation soweit Eingang gefunden, daß von da an ev.-luth. Gottesdienste abgehalten und ein ev.-luth. Pfarrer angestellt wurde, der in Striegnitz nebst den damit von jeher kombiniert gewesenen Filial Mehltheuer die kirchlichen Angelegenheiten zu besorgen hatte. Die Parochie Striegnitz mit Mehltheuer ward damals auf Befehl des Herzogs Moritz unter die Ephorie Oschatz gestellt, bis unter dem Sup. Dr. Liebe dieselbe der Ephorie Meißen zugewiesen wurde. Die Kircheninspektion für Mehltheuer besteht aus dem Superintendenten in Meißen und dem Amtshauptmann in Großenhain, da Mehltheuer in des letzteren Verwaltungsbezirk liegt.

Im Jahre 1789 wurde das altgewordene Kirchengebäude von Grund aus weggerissen und der neue Aufbau unter Leitung des ehemaligen Bürgermeisters Niese in Strehla von 1790-1792 vollendet, während der Turm der Kirche stehen blieb. Der damalige Kirchenpatron, der Großherzogl. Sachsen-Weimarische wirkl. Geheime Rat und Staatsminister, Freiherr von Fritzsch, Erblehn= und Gerichtsherr auf Seerhausen, der auch in der Striegnitzer Kirche eine besondere Kapelle hat, schenkte damals ein vortreffliches Orgelwerk, welches nur erst nach 47 Jahren einer größeren Reparatur bedurfte. Als aber 1888 der alte Turm, auf welchen nur zwei Glocken hingen, die größere aus dem Jahre 1500 stammend mit unleserlicher Aufschrift, die andere mit der Aufschrift: Defunctos plango, Vivos voco, abgetragen und durch einen neuen, mit vier Zifferblättern versehenen, ersetzt wurde, restaurierte man zugleich die Kirche aufs beste. Die Fenster wurden mit neuem bunt umränderten Glase versehen, eine neue Orgel aufgestellt, gebaut von dem Orgelbaumeister Keller in Ostrau, eine neue Kirchenuhr, und ein neues Glockengeläute, gegossen von Jauck in Leipzig. Die Kirchenuhr, eine Glocke, das Altarbild und Altarbekleidung sind von Gemeindemitgliedern geschenkt worden. Die Glocken, gegossen im Jahre des Heils 1888 von G. A. Jauck zu Leipzig, wiegen 845, 425 und 242 kg und tragen als Inschrift: die größte: Ps. 95, 1. Kommet herzu, laßt uns dem Herren frohlocken und jauchzen dem Hort unsers Heils. Die mittlere: Offenb. Joh. 14, 13. Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben, gestiftet vom Gutsbesitzer Friedrich Gotthelf Striegler und Christiane Henriette Striegler geb. Gruhle zu Roitzsch. Die kleinste Mc. 10, 14. Laßt die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht. Denselben Spruch Mc. 10, 14 trägt auch die Taufschüssel aus dem Jahre 1663.

Das jetzige Pfarrgebäude ist alt; das frühere ist nach einer Bemerkung des Pfarrer Schmidt, also vor dem Jahre 1748 abgebrannt, wahrscheinlich im Jahre 1717, bis zu welchem Jahre die Kirchenbücher von Striegnitz und Mehltheuer zurückgehen, auch die alten Pfarr= und Schulmatrikeln sind am 10. Dezember 1717 von den in der Superint. Oschatz vorhandenen Protokollen abgeschrieben und im Pfarrarchiv niedergelegt worden. 1868 brannte mit den beiden Gütern von Maune und Thierbach das Nebengebäude und die Scheune des Pfarrgutes ab; letztere sind auf demselben Orte, erstere beiden Güter am andern Ende des Dorfes wieder aufgebaut worden. Das Pfarrgut besitzt in Striegnitzer Flur 10 ha Feld und Wiese.

In Striegnitz mit Mehltheuer sind folgende Pfarrer gewesen:

1. Ambrosius Rülick von Wilsdruff; dieser ist besage seines Epitaphii gestorben den 25. April 1589, alt 78 Jahr, des Amtes 55 Jahr, liegt in Dörschnitz begraben.

2. Sebaldus Frauenstein, geboren 1559, 1596 Substitut hier, gestorben 1623 den 30. März, in minist. 37 Jahre.

3. Friedrich Hillner, von 1623 bis 1656 Pfarrer in Striegnitz.

4. M. Caspar Graun von 1656 bis 1690.

5. M. Johann David Höffer wurde 1688 Caspar Grauen substituiert, ist 1716 in Dresden, wo er auch begraben liegt, gestorben.

6. M. Gottlieb Israel Musculus von Naundorf bei Oschatz, geboren den 8. Mai 1675, vocieret ao. 1717, gestorben 1724, den 17. Februar in ministerio 20 Jahr, davon sieben in Striegnitz.

7. M. Gottfried Immanuel Lucius von Dresden, vocieret 1724, zog. 1728 von hier nach Frankenleben.

8. M. Christian Friedrich Bonfeld von Halle, vocieret 1728 Dom. Jud., gestorben den 4. Mai 1737 seines Alters 57 Jahr.

9. M. Gottlob Friedrich Hillmer von Leipzig, vocieret 1737 den 11. p. Trin., geboren den 4. Dezember 1712, starb an einem hitzigen Fieber den 11. März 1748.

10. Christian Schmidt von Tharandt, 1741 bis 1748 Pfarrer in Zschochau, zog 1748 als Pfarrer nach Striegnitz, gestorben den 14. Februar 1792. Sein in Öl gemaltes vortreffliches Bild hängt in der Sakristei.

11. M. Christian Gottlob Kober aus Meißen, wurde 1780 dem Pfarrer Schmidt substituiert, starb den 4. Januar 1801.

12. M. Christian Aug. Frege aus Zwochau bei Leipzig, zog Michaelis 1801 von Laas nach Striegnitz und vier Jahre darauf als Pfarrer nach seinem Geburtsorte Zwochau, wo er 1836 gestorben ist.

13 M. Joh. August Pabst, geboren den 17. Juli 1777 zu Dahnsdorf bei Belzig, zog 1805 von Zwochau, wo er 1 ¼ Jahr Substitut war, nach Striegnitz, wo er den 6. Mai 1847 gestorben ist.

14. Karl August Karing, von 1847 bis 7. April 1878, wo er im Alter von 59 Jahren 11 Monaten 6 Tagen starb.

15. Heinrich Arno Colditz, vorher Pfarrer in Albrechtshain, starb den 11. April 1894 52 Jahr 7 Monate 1 Tag alt.

16. Karl Richard Schütze, 1874 Pfarrer in Bockau, 1878 in Tuttendorf, seit 11. November 1894 in Striegnitz, geboren den 12. Juli 1846 in Freiberg.

 

Als Kirchschullehrer zu Striegnitz und Kirchendiener zu Mehltheuer sind angestellt gewesen:

1. Abraham Hülbig von Meißen, den 4. September 1607 von dem edlen, gestrengen und ehrenfesten Andreas Dietrich von Schleinitz auf Seerhausen, dem Pfarrer commandiert und vom Oberkonsistorium konfirmiert.

2. Johann Kaiser.

3. Paul Hahn, ist von Striegnitz nach Niederau gezogen.

4. Michael Albinus von Freiberg, geboren 162, vocieret 1670, gestorben 1724.

5. Hans Georg Zimmer von Hinter=Jessen bei Pirna, geboren 1682, vocieret 1716 Dom. Jud., starb 1724, den 6. Oktober, zwei Monate vor seines Seniors Tode.

6. Christian Schuster von Lockwitz bei Dresden, geboren 1699 den 6. Mai, vocieret 1725 Dom. Estomihi, starb 1749.

7. Johann Christian Donat, geboren in Terpitz bei Oschatz den 4. Dezember 1725, vocieret 1749, gestorben 1795.

8. Johann Gottfried Schlegel, geboren in Seerhausen 1760, vocieret 1796 den 1. Februar, gestorben den 29. Februar 1804.

9. Johann Samuel Dietrich, geboren zu Reichenhain bei Elsterwerda, den 27. Juli 1776, vocieret 1804, gestorben den 19. Januar 1838.

10. Karl Gottlob Wittig, geboren in Neudorf bei Leisnig, den 7. September 1807, vocieret den 4. Mai 1838, gestorben den 26. März 1871.

11. Bruno Lindner, eingezogen den 13. Juli 1871, geboren den 13. Juli 1843 zu Ebersbach bei Moritzburg, ging nach Zscheila 1877.

12. Franz Emil Kunze, geboren den 13. November 1845 in Zwickau von Ostern 1877 bis Michaelis 1878 hier, ging nach Rittersgrün als erster Lehrer.

13. Karl Julius Goerlich, geboren den 18. April 1846 in Winkel bei Liebenwerda, eingezogen den 15. Dezember 1878, gestorben den 13. Februar 1888.

14. Otto Vetter, gestorben den 4. Februar 1892 im Alter von 28 Jahren 3 Monaten 2 Tagen unverheiratet.

15. Oswald Paul Schlegel, geboren den 11. August 1858 in Großsteinberg bei Grimma.

Das Schulhaus ist 1832 erbaut worden, nachdem das alte 1717 erbaute abgebrannt war.

 

In der Kirche zu Striegnitz, welches nach letzter Volkszählung 19 Einwohner hat, gehört:

1. Roitzsch (Rotzsch gesprochen, in einer alten Matrikel Roschwitz oder Roschitz genannt,) mit 172 Einwohnern.

2. Barmenitz (in alten Urkunden Barmitz, Barnitz, Bormitz oder Bornitz genannt) mit 35 Einwohnern.

Außerdem liegt zwischen Striegnitz und Trogen eine wüste Flur, Wüstwildschütz oder Wüstwilschschwitz, ein im 30jährigen Kriege verschwundener Ort, dessen Felder jetzt politisch nach Trogen gerechnet werden, aber zu Kirchen= und Schulanlagen nach 4480 Einheiten nach Striegnitz zu bezahlen haben.

Das Kollaturrecht über das Pfarramt Striegnitz ruht auf dem Rittergute Seerhausen, während das Patronatsrecht für die Filiale Mehltheuer der Rittergutsbesitzer von Jahnishausen ausübt.

Beide Kirchen wechseln mit dem Gottesdienste, sodaß den einen Sonntag in Striegnitz Vormittagsgottesdienst und in Mehltheuer Nachmittagsgottesdienst, den andern Sonntag in Mehltheuer Vormittagsgottesdienst und in Striegnitz Nachmittagsgottesdienst ist. Die Konfirmation findet das eine Jahr in Striegnitz, das andre Jahr in Mehltheuer statt. Die Reihenfolge der Festtage ist durch ein Statut geordnet.

Zum Kirchenvorstand für Striegnitz hat Roitzsch drei Mitglieder, Striegnitz zwei und Barmenitz ein Mitglied zu wählen.

Mehltheuer

Das Dorf Mehltheuer nach seiner letzten Zählung 539 Einwohner, in der Amtshauptmannschaft Großenhain, hat von altersher als Filial zu Striegnitz gehört. Um das Jahr 1090 hatte Burggraf Heinrich von Meißen einen Burgwart in Mehltheuer, dessen Name bei den Sorben-Wenden Nimuncow (nie Mehl) hieß. Dieser hat wahrscheinlich die Kirche gegründet. Das jetzige schöne und dauerhafte Kirchengebäude ist 1747 erbaut worden und die alte Kanzel, Altar und Taufstein wurden damals erneuert, weil die alten ehr schlecht waren. Die damals erbaute Orgel wurde im Jahre 1899 durch eine neue vom Orgelbaumeister Keller in Ostrau erbaute ersetzt. 1845 wurde der Turm repariert und der Turmknopf wieder vergoldet. Es befinden sich auf dem Turm drei Glocken, welche folgende Aufschrift haben:

Die größere: Anno 1848 goß mich Johann Gottfried Weinhold in Dresden. Die mittlere: MDCIX Domine Conserva nos in Pace. Johann Hillger fecit. Dresdae. Die kleinste: Anno 1697 goß mich Michael Weinhold in Dresden. Maria Sophia Baronissa de Reichenbach, ex illustri gente Frisiorum oriunda, majorem me pristina fundi cunravit.

Anno A Nato Christo

Qvo

Friedericvs Avgvstvs Saxo

Rex Polonorum

Coronabatur

Die größere Glocke wiegt 400 kg, die beiden anderen 175 und 100 kg.

Auf dem Altar steht ein aus Holz geschnitztes wertvolles Kruzifix mit den Buchstaben: J. D. K. 1780.

Im Jahre 1714 baute Maria Sophie verw. Freifrau von Reichenbach, geb. Gräfin von Friesen auf Jahnishausen das Schulhaus zu Mehltheuer und gründete das sogenannte Reichenbachsche Gestift mit 6000 Gulden Meißnischer Währung mit der Bestimmung, daß zwölf Kinder aus dem damaligen Jahnishausener Gerichtssprengel Kleidung, Bücher und Geld zu Brod erhalten sollten. Dem Schulvorstand zu Mehltheuer steht die Verwaltung des Gestifts zu, die alljährliche Rechnung ist dem Besitzer von Jahnishausen vorzulegen, der auch nach Vorschlag des Schulvorstandes zu Mehltheuer und des Pfarrers zu Pausitz die Kinder nennt, welche in das Gestift aufgenommen werden sollen. Die Urkunde darüber und deren einzelne Bestimmungen ist von dem Königl. Kurfürstl. Konsistorium den 8. Februar 1717 bestätigt werden.

Das damals erbaute Gestifts-Schulhaus ist 1816 und 1832 abgebrannt und 1884 durch Anbau um zwei Meter verlängert worden.

Diesem Reichenbachschem Gestift wurde 1839 die Georgsstiftung von Sr. Majest. dem König Johann, als Besitzer von Jahnishausen hinzugefügt mit folgendem Wortlaut: In dankbarer Erinnerung der uns von dem Allerhöchsten wunderbar geleisteten Hilfe, als er unsern geliebten Sohn Georg am 3. April dieses Jahres aus augenscheinlicher Lebensgefahr, in die er durch den Sturz eines Wagens geraten war, errettet hat und eingedenk der Worte des Herrn: Was ihr einem dieser Geringsten gethan habt, das habt ihr mir gethan, haben wir beschlossen folgende Stiftung zum Besten unsrer armen Unterthanen auf dem Rittergute Jahnishausen zu machen. Wir widmen ein Kapital von 560 Thlr. zu diesem Zwecke, dessen Zinsen zur Begründung einer neuen Stelle in dem Mehltheuerschen Schulgestift bestimmt sein sollen. Nachdem im Jahre 1867 aus einer Freistelle zwei gemacht worden waren und darum die Zinsen des Kapitals nicht immer zureichten, hat Seine Königl. Hoheit Prinz Max, der damalige Besitzer von Jahnishausen im Jahre 1898, um dem an das in demselben Jahre unter Gottes gnädiger Führung gefeierte zweifache Jubiläum Seiner Majestät Albert besondern Ausdruck zu verleihen, noch 300 Mk. hinzugefügt, sodaß das Reichenbachsche Gestift ein Kapital von 23800 Mk. und die Georgsstiftung ein solches von 3150 Mk. besitzt.

Seit 1716 sind als Gestiftslehrer angestellt gewesen:

1. Möbert. 2. Wilhelm. 3. Polster. 4. Leipnitz. 5. Lorenz. 6. Schäfer. 7. Nagler von 1850 bis 1862. 8. Ernst Hermann Ludewig, geboren den 3. März 1835, von 1862 bis 1875. 9. Waldlebe von 1875- 1880. 10. Alexander Robert Zscheile, geboren 1858, gestorben den 5. Juni 1902. 11. Heinrich Ewald Leske, geboren 1877.

 

            Die Gestiftsschule, bei welcher der Lehrer nur Schule zu halten und gar keinen Kirchendienst hatte, ist jetzt zur Kirchschule von Mehltheuer erhoben und dem Gestiftslehrer sind die sämtlichen Funktionen eines Kirchschullehrers inbetreff des Kirchendienstes übergeben worden. Früher mußte der Kirchschullehrer von Striegnitz mit seinen Schulkindern zu allen Begräbnissen, Taufen, Trauungen und Gottesdiensten nach Mehltheuer kommen.

            Aus welcher Zeit das Kirchenvermögen zu Mehltheuer stammt, kann nicht angegeben werden. Ob die drei Kirchen Prausitz, Pausitz und Mehltheuer zu gleicher Zeit von einer Familie von Schleinitz auf Jahnishausen, vielleicht vor oder während des 30jährigen Krieges mit einer beträchtlichen Summe beschenkt worden sind, kann nicht gefunden werden. Das Kirchenvermögen von Mehltheuer beläuft sich jetzt au ungefähr 75000 Mk.

            Als im Jahre 1843 die Jahnishausener Wirtschaftsgebäude im sogenannten Großholz und ein dazu gehöriges Forsthaus gebaut worden waren, wurden dieselben in den Parochial- und Schulbezirk Mehltheuer aufgenommen. Das Forsthaus ist aber bereits wieder eingezogen und weggerissen worden.

 

Richard Schütze, Pfarrer.

 

Striegnitz um 1830

 

Kirche zu Striegnitz

 

Inneres der Kirche zu  Striegnitz

 

Pfarrhaus zu  Striegnitz

 

Quelle: Neue Sächsische Kirchengalerie. Die Ephorie Meißen, Leipzig: Verlag Arwed Strauch 1902.

Sp. 1161 – 1172

 

Walter Schlesinger: Kirchengeschichte Sachsens im Mittelalter

Band 1: Von den Anfängen kirchlicher Verkündigung bis zum Ende des Investiturstreites

Böhlau-Verlag  Köln Graz 1962  S. 200-203

(Ersterwähnung Kirche Dörschnitz)

 

Ins Auge fällt zunächst eine Gruppe von Kirchen, die alle unter dem Patronate des Meißner Burggrafen standen: Leuben, Staucha, Jahna, Lommatzsch, Raußlitz, Planitz/Ziegenhain, Krögis, wobei im Falle von Ziegenhain allerdings der Patronat bereits 1203 mit dem Bischof von Meißen strittig war, an den er dann gelangte. Sie alle verfügten noch in der Reformationszeit über verhältnismäßig große Sprengel: Leuben hatte 1539 17 Beidörfer, Staucha 20 und zwei Dorfanteile, Jahna 10, Lommatzsch 16, Raußlitz 8 und drei Anteile, Planitz/Ziegenhain 10, Krögis 10. Mit ihren kleinen Absplitterungen, die sich unschwer feststellen lassen (Wendischbora, Heynitz, Miltitz, Zschachau) nehmen die Kirchengebiete ein geschlossenes Gebiet ein, das ursprünglich zwei Burgwarde umfaßt haben dürfte: Leuben, 1069 als burgwardus Luvine bezeugt, und einen zweiten, dessen Mittelpunkt nicht genannt, sondern der 1150 einfach als „an der Jahna“ (ad Ganam) bezeichnet wird. Beide Burgwarde dürften zur Ausstattung der Burggrafschaft Meißen gehört haben. Da diese erst in der Zeit Heinrichs IV. entgegentritt, würde man schließen können, daß die burggräflichen Kirchen auf diesem Gebiete erst der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts entstammen können - wenn nicht mit den Burgwarden auch königliche Kirchen an die Burggrafen durch Schenkung gelangt sind, was durchaus möglich ist. Der Schluß aus dem Patronat auf das Alter der Kirchen ist also nicht erlaubt, doch werden sie schwerlich vor dem Ende der Polenkriege entstanden sein, eher später, wie dies für die Kirche von Jahna geschlossen werden muß, die dem heiligen Godehard geweiht ist, der erst 1131 heiliggesprochen wurde - sofern nicht Patrozinienwechsel vorliegt. Aber auch die Form der Pfarrsprengel zeigt die spätere Entstehung der Jahnaer Kirche an: Die ursprüngliche Kirchfahrt Staucha nämlich umfaßt die Jahnaer von drei Seiten. Als die erstere dem von dem Meißner Burggrafen gegründeten Nonnenkloster in Staucha einverleibt wurde, hatte sie folgende Filialkirchen: Bloßwitz (201) mit Mautitz, Striegnitz mit Mehltheuer (Nueridorph), Hohenwussen mit Hof, Neckanitz, woraus sich der ursprüngliche Umfang ergibt. Jahna muß noch eher als diese Kirchen aus dem Stauchaer Sprengel ausgeschieden sein. Bereits 1264 wurden die dem Kloster Staucha gehörigen Kirchen in Planitz mit Filial Ziegenhain, Pausitz, Bloßwitz mit Filial Mausitz, Hohenwussen mit Filial Hof, Striegnitz mit Filial Mehltheuer wieder an die Burggrafen zurückgegeben, und Staucha behielt nur die Kirchen von Raußlitz und Neckanitz, denen jetzt die Kirche von Leuben hinzugefügt wurde. Der Umfang ihres Sprengels erhellt daraus, daß sie somit 9 kleinere Kirchen aufwog. Ein Pfarrer von Leuben begegnet erstmalig 1180. Der Umfang dieser Parochie ist auch anderweitig zu erschließen: vor 1190 gründete der markgräfliche Ministeriale Konrad Spannseil eine Kirche zu Dörschnitz, die Keimzelle des späteren Klosters Sitzenroda. Dörschnitz wurde damals gegen Entschädigung mit dem neugegründeten Dorfe Churschütz (Cunradesdorf) aus der Parochie Leuben gelöst. Dann muß aber auch das dazwischenliegende Lommatzsch, dessen Pfarrer diese Auspfarrung mit bezeugt, ursprünglich mit Leuben verbunden gewesen sein. Was für Lommatzsch gilt, wird dann auch für die burggräflichen Kirchen in Raußlitz, Planitz und Krögis gelten: sie sind Absplitterungen der Parochie Leuben. Es scheint also, daß wir es hier mit einer Burgwardpfarrei zu tun haben, wobei dasselbe für Staucha zu gelten hätte, nur daß hier die Kirche nicht am Burgwardhauptorte, der vielleicht in Hohenwussen zu suchen ist, sondern in einem anderen Orte des zugehörigen Bezirks errichtet wurde, wie wir dies schon oft beobachten konnten.

Im westlichen Teil des Daleminzierlandes dürfte die Kirche von M ü g e 1 n zu den ältesten gehören. Thietmar erwähnt die Burg bereits zum Jahre 984. Die älteste Kirche ist in Alt-Mügeln zu suchen; unweit davon liegt der Ort Poppitz, beweiskräftig für die Dorfdos der Frühzeit. 1539 zählte der Pfarrbezirk 16 Dörfer, wozu indes die kleinen Parochien Schweta (ausgepfarrt vor 1219) und Sornzig (ausgepfarrt vor 1218), wahrscheinlich auch Limbach und Nauendorf hinzuzurechnen sind,

. Es waren die edelfreien Herren von Mügeln, die in Sornzig nicht nur ein Kloster stifteten, sondern schon vorher die Auspfarrung der dortigen Pfarrei aus der Mügelner veranlaßten. Da 1218 Siegfried von Mügeln seiner neugegründeten Pfarre in Sornzig auch die Burgkapelle seiner Burg Mügeln als Filial zuwies, ohne die Mutterkirche in Alt-Mügeln zu entschädigen, muß er deren Patron gewesen sein. Vielleicht haben somit die edelfreien Herren von Mügeln als die Gründer auch dieser Kirche zu gelten, die dann wohl erst in die Zeit Heinrichs IV. gehören könnte. Wahrscheinlidi aber bestand (202) die Kirche schon, als sie Mügeln aus königlicher Schenkung erhielten. Sie ist dann eine alte Königskirche. In späterer Zeit stand die Kollatur dem Meißner Bischof zu, der Mügeln im 13. Jahrhundert in seine Hand brachte.

 

Unklar ist die Entstehungszeit der Kirchen in dem südlich an die bisher behandelten Kirchspiele angrenzenden Gebiet. Hier gab es mehrere Burgwarde, die teilweise schon frühzeitig bezeugt sind: die Burgen Döbeln und Hwoznie, das in der Nähe der Mündung der Zschopau in die Freiberger Mulde zu suchen ist, gelangten bereits 981 an das Kloster Memleben, der Burgward Zschaitz 1046 an das Hochstift Meißen; Schrebitz ist 1064 als Burgward bezeugt, wobei umfangreiches in seinem Bezirk gelegenes Königsgut ebenfalls an Meißen überwiesen wurde. 1090 erhielt das Hochstift die Lehngüter eines markgräflichen Vasallen Cos im Burgward Mochau, der nochmals 1162 erwähnt wird. An allen diesen Orten gab es in der Reformationszeit Kirchen mit nicht unbeträchtlichen Sprengeln, abgesehen von dem nicht mehr einwandfrei nachzuweisenden Hwoznie. Döbeln hatte 21 Beidörfer, Schrebitz 9, Zschaitz 16, Mochau 11. Aber es gab hier damals noch andere Kirchspiele, die den genannten an Umfang nicht nachstanden: Technitz mit 14 Beidörfern, Kiebitz mit 11, Rüsseina mit 19. Es ist verlockend, Kiebitz und Schrebitz zusammenzuschlagen, im Kirchspiel Technitz den Burgward Hwoznie wiederzuerkennen, in Rüsseina. einen zufällig nicht namentlich überlieferten Burgward zu erblicken oder die Parochie zu Mochau zu ziehen und so zur Konstruktion von Burgwardkirchspielen zu gelangen. Aber feste Anhaltspunkte hierfür gibt es nicht. Burgward und Kirchspiel können, müssen aber nicht übereinstimmen. Spät erst sind die genannten Kirchen zumeist in der Überlieferung bezeugt. Ein Pfarrer Ravenold von Döbeln wird 1219 genannt. Technitz begegnet erst 1415 als Pfarrkirche, Zschaitz bereits 1180, Schrebitz 1268 anläßlich einer Überweisung durch Heinrich den Erlauchten an das Kloster Seußlitz. Die Kirche von Mochau schenkte Rulico von Bieberstein 1290 dem Kloster Altzelle. In Rüsseina tritt ein Pfarrer 1322 entgegen. Verhältnismäßig früh ist wieder die Kiebitzer Kirche erwähnt, ihr Pfarrer bezeugte vor 1190 die oben erwähnte Auspfarrung von Dörschnitz. Selbstverständlich besagt späte Erwähnung in den Quellen nicht späte Entstehung einer Kirche; aber wer möchte aus diesem Befund Schlüsse auf Burgwardpfarreien des 11. oder gar des 10. Jahrhunderts ziehen? Auch die Patrozinien helfen nicht weiter, sprechen im Falle von Döbeln sogar gegen hohes Alter: die dortige Nikolaikirche kann schwerlich vor der Translation der Gebeine des Heiligen (1087) geweiht worden sein. Für Technitz, Schrebitz, Zschaitz, Kiebitz, Rüsseina, (203) Mochau sind die Welhenamen unbekannt. Für hohes Alter könnte geltend gemacht werden, daß der Pfarrer von Technitz Gerichtsherr in Wöllsdorf war und der von Schrebitz das Dorf Zschoppau innehatte, während der Pfarrer von Kiebitz neben einem Pfarrgut von über 90 Acker daselbst noch Pfarrdotalen besaß, die gleichfalls seiner Gerichtsbarkeit unterstanden. In allen Fällen könnte ursprüngliche Ausstattung mit einem ganzen Dorfe vorliegen; doch ist der Schluß nicht zwingend, da spätere Zuweisung sehr wohl möglich ist. Uberdies sind gerade Technitz und Kiebitz n i c h t als Burgwardmittelpunkte nachweisbar. Die Patronate ergeben vollends nichts. Sie haben vielfach gewechselt oder treten erst spät in adliger Hand entgegen. Wir erinnern uns aber, daß sich nach Mochau ein edelfreies Geschlecht nannte, das die dortige Kirche gegründet haben könnte. So wird man die Zuversicht, mit der die ältere Forschung in dieser Gegend alte Burgwardkirchspiele rekonstruiert hat, schwerlich teilen dürfen. Es ist wohl möglich, aber nicht sicher, daß die eine oder andere Kirche ins 11. Jahrhundert zurückgeht. Ein System von Burgwardkirchspielen ist in dieser Gegend nicht nachweisbar.

 

Walter Schlesinger: Kirchengeschichte Sachsens im Mittelalter

Band 2: Das Zeitlater der deutschen Ostsiedlung (1100 – 1300)

Böhlau-Verlag  Köln Graz 1962

Klöster und Stifte S. 282ff

 

Das bedeutendste Frauenkloster des 13. Jahrhunderts in der Diözese Meißen war das Kreuzkloster in Meißen, das im Zusammenhange der Klosterstiftungen Markgraf Dietrichs behandelt wurde (vgl. S. 254 ff.). Aber es war nicht das älteste. Bereits vor dem Jahre 1198 hatte der Kleriker Luprand, aller Wahrscheinlichkeit nach identisch mit einem gleichnamigen Meißner Domherrn, zusammen mit seinen Brüdern Dieprand und Dietrich eine Kirche in Sitzenroda (südlich Torgau) gestiftet. Die Familienzugehörigkeit der drei ist unbekannt. Von einem Kloster war zunächst nicht die Rede. Aber die Ausstattung läßt erkennen, daß es sich von vornherein nicht um eine gewöhnliche Pfarrkirche gehandelt hat: zwei Herrengüter und acht Hufen, dazu Zehnteinkünfte entsprechen durchaus dem, was bei der Dotierung eines kleinen Klosters üblich war. In der Tat werden Propst und Priorin bereits 1225 genannt, so daß man die Klosterstiftung in die ersten Jahre des 13. Jahrhunderts setzen darf. Die Nonnen hielten sich später zum Benediktinerorden. Wenn sie ein einziges Mal Zisterzienserinnen genannt werden (1300), so hatte dies seinen Grund. In der (283) zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde nämlich das Nonnenkloster in Dörschnitz (nördlich Lommatzscb) mit dem Kloster vereinigt, d.h. nach Sitzenroda verlegt. In Dörschnitz hatte 1190 der markgräfliche Ministerial Konrad eine Pfarrkirche gestiftet (vgl. Bd. 1 S. 201), zu der er 1206 ein Armenhospital hinzufügte (xenodochium pauperum quod dicitur hospitale). Ihm wurden die Kirche in Dörschnitz, diejenige in Frankenstein und vier Hufen übertragen. Die Verwaltung wurde einigen Regularkanonikern übergeben, die Vogtei Konrad vorbehalten. Aus diesem Hospital ist anscheinend das spätere Frauenkloster hervorgegangen. Der Verlauf ist also ganz ähnlich wie in Beuditz. Als Stifterin des Klosters galt eine domina Gepa, über die wir sonst nichts wissen, und da sie später auch in Sitzenroda als Stifterin betrachtet und dort das Dörschnitzer Klostersiegel geführt wurde, wird man sagen dürfen, daß das Kloster Sitzenroda im Kloster Dörschnitz aufgegangen ist und nicht umgekehrt, auch wenn als Sitz des Klosters Sitzenroda gewählt und der Klosterbesitz um Dörschnitz bis auf den Patronat der Kirche in Frankenstein veräußert wurde. Das Kloster in Dörschnitz bestand 1233 und noch 1250, die Verlegung war 1270 vollzogen. Es erhielt 1250 von Innozenz IV. ein Privileg, das ihm Zisterzienserfreiheiten und somit weitgehende Exemtion von der bischöflichen Gewalt gewährte. Es wurde ausdrücklich bestimmt, daß die Nonnen nach Zisterzienserinstitutionen leben sollten. Die Verlegung von Dörschnitz bedeutete Übertritt zu den Benediktinern, aber es ist immerhin erklärlich, wenn 1300 noch einmal von Zisterzienserinnen gesprochen wurde. 1283 besaß das nunmehrige Kloster Sitzenroda fünf Dörfer, einen Herrenhof und einen Wald, jedoch wissen wir aus anderen Urkunden, daß diese Dörfer ihm nicht in vollem Umfange gehörten, und andererseits ist es fraglich, ob die Urkunde wirklich den gesamten Klosterbesitz nennt. Dieser vermehrte sich durch Schenkung und Kauf beträchtlich, ohne daß er bedeutend geworden wäre. Seinen Kern bildeten später acht Dörfer in unmittelbarer Nähe des Klosters, im Umkreise lag Streubesitz, in ähnlicher Weise etwa wie in Frankenhausen. Das Kloster unterstand der Aufsicht des Meißner Bischofs. Einen Vogt hatte es nicht. Markgraf Heinrich der Erlauchte nahm es 1283 in seinen Schutz. 1291 wurde es von allen landesherrlichen Steuern befreit; nur im Falle besonderer Gefahr sollte es durch spezielles Mandat zur Beisteuer aufgefordert werden. Eine Bestätigung erfolgte 1332 (sicuti cetera cenobia emunitatis privilegio nostri indulti fulcita). In der Tat scheint Sitzenroda keine Landbede entrichtet zu haben, auch hatte es 1347 keinen Heerwagen zu stellen. Erst 1510 war das Kloster heerfahrtpflichtig. Auf den meisten seiner Besitzungen kam ihm im Spätmittelalter die Obergerichtsbarkeit zu. (284) Zahlen über die Größe des Konvents fehlen. Er wurde geleitet von einer Priorin, seit etwa 1300 von einer Abtissin; außerdem erscheinen Subpriorin, Küsterin, Kantorin und Kellerin. Ein Propst begegnet bereits 1225. Die Nonnen scheinen bis ins 15. Jahrhundert meist aus dem niederen Adel hervorgegangen zu sein. Dann erscheinen auch Bürgertöchter. Der Grundsatz persönlicher Armut war nicht durchgeführt, sondern Einkaufsgelder und Leibgedinge lassen sich schon im 13. Jahrhundert nachweisen.

 

S. 360 ff

 

Etwas anders verlief anscheinend der Vorgang in Staucha, ebenfalls im Altsiedelland bei Lommatzsch gelegen. Auf die schwer zu erhellende Auflösung des Sprengels ist bereits eingegangenworden (vgl. Bd. 1 S. 200 f.). Nunmehr aber muß besonders darauf hingewiesen werden, daß auch in dieser Gegend Deutsche und Slaven in enger Gemeinschaft gelebt (361) haben müssen. Die alten, dem Kloster Staucha gehörigen und unter dem ursprünglichen Patronate der Burggrafen von Meißen stehenden Kirchen von Planitz, (Hohen-)Wussen und Striegnitz besaßen 1264 Filialkirchen in Ziegenhain, Hof und Nuendorph (heute Mehltheuer). Hier stehen die jüngeren Kirchen in den Ortschaften deutschen Namens. In größerer Nähe des Bischofssitzes wurzelte also das Christentum schon vor Ankunft deutscher Bauern immerhin so fest ein, daß die Zerschlagung der alten Großpfarrei Staucha vielleicht schon im 11. oder beginnenden 12. Jahrhundert begann. Sie wurde fortgesetzt, als im 12. Jahrhundert neue Orte gegründet wurden, die nun deutsch benannt wurden. In ähnliche Verhältnisse führt uns die Gründungsurkunde der unweit von der letztgenannten gelegenen Kirche in Dörschnitz. Der markgräfliche Ministeriale Konrad Spannseil hatte sie vor 1190 gegründet und mit drei Hufen sowie dem Zehnt seiner Eigenwirtschaft ausgestattet. Samt einem Beidorf löste er sie aus der Mutterparochie Leuben, die er durch Zuwendung des Dorfes Churschütz (Cunradesdorf) entschädigte, das er zu diesem Zweck neu angelegt hatte (quam propter id ipsum . . . novellavi). Der Zweck der Pfarreigründung wird hier freilich von Haus aus ein anderer gewesen sein, wie die Weiterentwicklung zeigt, die über ein Hospital zum Kloster führte, wenn auch die Stiftung den Umwohnern selbstverständlich zugute kam. Aber das Miteinander von Deutschen und Slaven wird auch hier deutlich, nicht zuletzt in der Entstellung des Namens Konradsdorf. der sich zunächst zu Conradiz und schließlich zu Churschütz wandelte, was allein im deutschen Munde wohl schwerlich möglich gewesen wäre.

 

Pfarrer in Dörschnitz  (Quelle: Sächsisches Pfarrerbuch, Freiberg 1939, S. 121):

 

1.                    

1540 - 1555

Haußmann, Dionysius, aus Lobstädt

2.                    

1555 - 1579

Wiedemayer, Blasius, aus St.Veit (Kärnthen)

3.                    

1579 - 1603

Reichenberg,  Donat, geb. (1547) Frauenstein

4.                    

1603 - 1606

Rechenberg,  Friedrich, geb. 1576 Großenhain

5.                    

1610 - 1611

Jünger, Hieronymus, geb. 1579 Oschatz

6.                    

1611 - 1636

Marb, Bartholomäus, geb. 1584 Donauwörth

7.                    

1636 - 1638

Linke, Paul, geb. 1603 Dresden

8.                    

1638 - 1682

von Liehn, Georg Dietrich, geb. 1613 Dresden

9.                    

1682 – 1687

Himmler, M. Abraham geb. 1648 Großenhain

10.                

1688 – 1716

Barthel, Johann, geb. 1664 Grimma

11.                

1716 – 1720

Winkler, Johann, Tobias, geb. 1678 Greifendorf

12.                

1720 – 1729

Hankel, M. Johann Ernst geb. 1683 Torgau

13.                

1729 - 1776

Pielitz,  M. Joh. David geb. 1700 Lommatzsch

14.                

1776 - 1782

Schwingenstein, Johann Sebastian geb. 1725 Markbreit

15.                

1783 - 1822

Öhmichen, Johann Gottlieb geb. 1749  Mahlis

16.                

1823 - 1833

Richter, Theodor Gottfried geb. 1791 Bockendorf

17.                

1834 - 1868

Haan, Heinrich Otto, geb. 1807 Fischbach

18.                

1869 - 1902

Körner, Friedrich Julius geb. 1839 Mölbis

19.                

1902 – 1926

Klopsch, Johs, geb. 1858 Zodel

20.                

1926 – 1929

Klopfleisch, Julius Kurt geb. 1865 Dresden

21.                

1929 – 1950

Alfred Haase

22.                

1955 – 1961

Dr. Gottfried Schille geb. 1929

23.                

1961 – 1964

Hans-Dieter Golde geb. 1935

24.                

1966 – 1974

Dietmar Lange

25.                

1974 – 1984

Friedrich  Möller geb. 1945

26.                

1984 - 1994

Brigitte Schleinitz geb. 1956

27.                

1995 – 1999

Lutz Behrisch geb. 1961

28.                

1999 – dato

Burkhard Nitzsche  geb. 1960

 

Pfarrer in Striegnitz  (Quelle: Sächsisches Pfarrerbuch, Freiberg 1939 S. 634)

 

1.                    

1545 - 1589

Ambrosius Rülich geb. 1520 Wilsdruff

2.                    

1596 – 1623

Sebaldus Frauenstein geb. 1559 Dresden

3.                    

1623 – 1656

Friedrich Hillner geb. 1591 Weißenfels

4.                    

1656 – 1690

Kaspar Graun geb. 1625 Miltitz

5.                    

1690 – 1716

Johann David Höfer geb. 1654 Plauen

6.                    

1717 – 1724

Gottlieb Israel Musculus geb. 1675 Naundorf b. Oschatz

7.                    

1724 – 1728

Gottfried Immanuel Lucius geb. 1697 Dresden

8.                    

1728 – 1737

Christian Friedrich Bonfeld geb. 1680 Quendinburg

9.                    

1737 – 1748

Gottlob Friedrich Hillmer geb. 1712 Leipzig

10.                

1748 – 1792

Christian Schmidt geb. 1707 Tharandt

11.                

1792 – 1801

Christian Gottlob Kober geb. 1752 Nossen

12.                

1801 – 1805

Christian August Frege geb. 1758 Zwochau

13.                

1805 – 1847

Johann August Pabst geb. 1777 Dahnsdorf

14.                

1847 – 1878

Karl August Karing geb. 1818 Weida

15.                

1878 – 1894

Heinrich Arno Colditz geb. 1841 Naundorf b.Grimma

16.                

1894 – 1912

Karl Richard Schütze geb. 1846 Freiberg

17.                

1912 – 1929

Klopfleisch, Julius Kurt geb. 1865 Dresden

18.                

1929 – 1950

Alfred Haase

19.                

1955 – 1961

Dr. Gottfried Schille geb. 1929

20.                

1961 – 1964

Hans-Dieter Golde geb. 1935

21.                

1966 – 1974

Dietmar Lange

22.                

1974 – 1984

Friedrich  Möller geb. 1945

23.                

1984 - 1994

Brigitte Schleinitz geb. 1956

24.                

1995 – 1999

Lutz Behrisch geb. 1961

25.                

1999 – dato

Burkhard Nitzsche  geb. 1960

 

Stand: 6.6.2009

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